Der Star der Schweizer Börse, der Vakuumventilhersteller VAT, muss seinen CFO Andreas Leutenegger gehen lassen

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10.09.18
CFO

Pikanter CFO-Wechsel in der Schweiz

Der CFO des Vakuumventilherstellers VAT, Andreas Leutenegger, will den Börsenstar verlassen, um zu einem kleineren Dental-Technologie-Unternehmen zu wechseln. Interessant wird die Personalie beim Blick auf die Gesellschafter.

Die auf die Halbleiterindustrie ausgerichtete Industriegruppe VAT muss sich nach einem neuen Finanzchef umschauen: Andreas Leutenegger will den Schweizer Hersteller von Vakuumventilen zum Jahresende verlassen. Ein Nachfolger für den ausscheidenden CFO steht noch nicht fest. Medienberichten zufolge zieht es Leutenegger zu dem Dentaltechnikspezialisten Amann Girrbach.

VAT wurde 1965 gegründet und hat seinen Hauptsitz im schweizerischen Haag. Weltweit beschäftigt der Mittelständler etwa 1.200 Mitarbeiter und verfügt über Fabriken in Haag, Penang (Malaysia), Arad (Rumänien) und in Taiwan.

VAT wurde zum Börsenstar

Leutenegger wurde 2015 CFO von VAT. Zuvor war er Controlling-Chef beim Schweizer Zementriesen Holcim. Unter seiner Führung ging VAT im April 2016 an die Börse und entwickelte sich dort zu einem echten Überflieger. Innerhalb der ersten zwei Jahre konnte VAT den Aktienkurs mehr als verdreifachen.

Auch operativ läuft es bestens: 2017 verzeichnete VAT einen Umsatzsprung von 36 Prozent auf 692 Millionen Schweizer Franken (rund 615 Millionen Euro). Die operative Gewinnmarge, bezogen auf das Ebit, liegt oberhalb von 25 Prozent.

Doch der Höhenflug an der Börse stößt langsam an seine Grenze. Inklusive Nettofinanzschulden wird VAT an der Börse mit mehr als dem vierfachen Umsatz bewertet. Obwohl der Kurs seit seinem Höchststand im Juni um ein Viertel nachgegeben hat, liegt die Marktkapitalisierung immer noch bei mehr als 3 Milliarden Euro.

Leutenegger bleibt PE-Investor Capvis treu

Nun plant Finanzchef Leutenegger offenbar, seinen Erfolg bei VAT an anderer Stelle zu wiederholen – erneut an der Seite des Schweizer Mittelstandsinvestors Capvis. Das Private-Equity-Haus war gemeinsam mit der Partners Group Hauptaktionär von VAT und ist seit Juni Mehrheitseigner von Amann Girrbach. In der Chefetage des Dentaltechnikers beginnt zum Jahreswechsel die Zusammenarbeit zwischen Leutenegger und Capvis also aufs Neue.

Amann Girrbach ist kleiner und deutlich weniger wertvoll als VAT. Trotzdem gibt es einen Aspekt, der – neben den guten Erfahrungen mit Capvis – bei Leuteneggers Wechselwunsch eine bedeutende Rolle gespielt haben dürfte. CFO-Posten bei börsennotierten Firmen bieten viel Prestige und ein hohes Gehalt. Ein erfolgreiches Engagement als CFO bei einem Private-Equity-finanzierten Unternehmen, das stark an Wert gewinnt, ist aber meistens noch lukrativer. Dort sind die Top-Manager nicht nur am Unternehmen beteiligt, sondern dies in der Regel auch noch zu Vorzugskonditionen. Im Erfolgsfall können diese eine enorme Hebelwirkung auf den Wert der eigenen Unternehmensanteile entfalten.

ann-sophie.crecelius[at]finance-magazin.de