CFO Hans-Jürgen Wiecha wird bei Schmolz+Bickenbach "CEO ad interim". Johannes Nonn hat den Konzern nach nicht einmal einem Jahr im Amt verlassen.

Schmolz+Bickenbach

02.01.14
CFO

Schmolz+Bickenbach: CFO Hans-Jürgen Wiecha nun auch Interims-CEO

CFO Hans-Jürgen Wiecha übernimmt bei Schmolz+Bickenbach vorübergehend allein das Ruder. CEO Johannes Nonn, der mit Wiecha in den vergangenen Monaten die Rettung von Schmolz+Bickenbach auf den Weg gebracht hatte, verlässt das Unternehmen nach nicht einmal einem Jahr im Amt - mit einer Abfindung in Millionenhöhe.

Im Februar waren CFO Hans-Jürgen Wiecha und CEO Johannes Nonn angetreten, um den kriselnden Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach wieder in die Spur zu bringen. Doch schon nach wenigen Monaten war klar, dass es ein kurzes Intermezzo werden könnte. Beide Vorstände hatten Klauseln in ihren Verträgen, die es ihnen erlaubten, ihr Arbeitsverhältnis mit sechsmonatiger Frist zu kündigen, wenn die Mehrzahl der amtierenden Verwaltungsratsmitglieder ausgewechselt wird. Nach der Machtübernahme durch den russischen Investor Viktor Vekselberg vor einigen Monaten wurde dieser Punkt akut. Nun geht das einstmalige Führungsduo, das auf Beobachter einen harmonischen Eindruck machte, getrennte Wege. CEO Nonn scheint keine gute Basis für eine Zusammenarbeit mit dem neuen Investor zu sehen. Er hat sich auf die Change-of-Control-Klausel berufen, in gegenseitigem Einvernehmen wurde sein Anstellungsvertrag zum Jahreswechsel beendet.

Beide Vorstände hatten stets betont, die weitere Zusammenarbeit mit dem neuen Investor vom Vertrauensverhältnis abhängig zu machen. Auch die Weiterführung des vorgelegten Restrukturierungskonzepts war beiden wichtig. CFO Wiecha hatte im Herbst im Gespräch mit FINANCE betont, unter diesen Bedingungen gern auch die operative Entwicklung des Konzerns weiter begleiten zu wollen.

Teurer Abschied für Schmolz+Bickenbach

Nonns frühzeitiger Abschied dürfte für Schmolz+Bickenbach teuer werden: Früheren Meldungen des Konzerns zufolge steht dem CEO eine Brutto-Abfindung von 4,4 Millionen Franken (nach heutigem Wechselkurs rund 3,6 Millionen Euro) zu. Für CFO Wiecha hätte die Abfindung 2,1 Millionen Franken gelegen (rund 1,7 Millionen Euro). Er hat jedoch mit dem Unternehmen vereinbart, auf die Ausübung der Change-of-Control-Klausel zu verzichten.

Bis auf Weiteres leitet Wiecha nun den Konzern als „CEO ad interim“. Eine Personalberatung soll einen Nachfolger für Nonn ausfindig machen. Bis dahin muss CFO Wiecha die operative Neuausrichtung vorantreiben. Für Wiecha, der zuvor lange beim Verpackungshersteller Gerresheimer in einem sehr stabilen Umfeld tätig war, ist dies eine gute Gelegenheit, sein Profil weiter zu schärfen. Er hatte stets betont, dass die akute Krisenbekämpfung der vergangenen Monate nur der halbe Job sei. Nun kann er zeigen, was er im operativen Geschäft leisten kann. Dem kriselnden Stahlkonzern fühlt er sich anscheinend verpflichtet: „Ich stehe voll und ganz hinter Schmolz+Bickenbach“, erklärte er in einer Mitteilung.

Verwaltungsratspräsident Edwin Eichler lobt den Finanzchef und Interims-CEO in den höchsten Tönen: „Der Verwaltungsrat hat vollstes Vertrauen in Hans-Jürgen Wiecha. Er wird das Geschäft des Unternehmens in dieser Übergangszeit managen und die Umsetzung der beschlossenen Strategie kontinuierlich vorantreiben. Der Verwaltungsrat wird Hans-Jürgen Wiecha während dieser Veränderungsphase voll und ganz unterstützen.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Auf unserer Themenseite Schmolz+Bickenbach können Sie die turbulenten Entwicklungen der vergangenen Monate noch einmal nachlesen. Alles Wissenswerte zu Hans-Jürgen Wiecha sowie ein kurzes Portrait finden Sie auf seiner Personenseite im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe.