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St. Pauli: CFO gegen drei Punkte

Gegen drei Punkte abzugeben: Michael Meeske, CFO von St. Pauli
Revierfoto / picture alliance / dpa

Was für eine niederschmetternde Nachricht für St. Pauli-CFO Michael Meeske: Drei Punkte – mehr ist er dem Zweitligisten St. Pauli nach zehn Jahren nicht wert. Darauf lässt zumindest ein Tweet des vom Abstieg bedrohten Kiez-Clubs schließen: Vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg heute Abend twitterte St. Pauli ein Foto seines Geschäftsführers mit der Überschrift „Für drei Punkte könnt ihr ihn haben! #Klassehalten“.

Der Geschäftsführer nimmt es gelassen: „Das ist alles mit mir abgestimmt! Und das ist alles selbstironisch gemeint. Das muss man mit Humor nehmen“, sagte Meeske laut Bild-Zeitung. Schließlich ist St. Pauli für diese Art von Galgenhumor durchaus bekannt.

Hinter dem unmoralischen Angebot steckt aber auch ein wahrer Hintergrund: Der 1. FC Nürnberg hat im Februar überraschend seinen CFO Ralf Woy verloren. Seither umgarnen die Franken den Finanz- und Marketingprofi Meeske. Er soll zur neuen Saison die Nachfolge von Woy antreten, dem es gelungen war, nach turbulenten Jahren die Finanzlage des Clubs endlich zu stabilisieren und auch den Bundesligaabstieg im vergangenen Jahr wirtschaftlich abzufedern. 

Abgang von Meeske würde St. Pauli hart treffen

Für St. Pauli wäre der Wechsel von Meeske ein herber Verlust – er würde eine Lücke in die Wirtschaftskompetenz des Kiez-Clubs reißen: Nach dem Abgang von Präsident Stefan Orth und Finanzchef Tjark Woydt Ende vergangenen Jahres ist Meeske der letzte Verbliebene des Sanierertrios, das den Kiez-Club wieder in die finanzielle Erfolgsspur geführt hat. Sportlich lief es dagegen zuletzt gar nicht rund.

Insofern dürfte in dem Tweet auch etwas Bitterkeit mitschwingen, zumal Meeske den Kontakt zu Nürnberg nicht abstreitet. Offenbar sieht St. Pauli die Personalschlacht ohnehin als verloren an – sportlich haben die Hamburger aber noch lange nicht aufgegeben: Sechs Spieltage vor Schluss steht St. Pauli auf dem Relegationsplatz mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Tabellenletzten. Insofern wären die drei Punkte gegen Nürnberg in der Tat Gold wert im Abstiegskampf.

Das unmoralische Angebot ist natürlich auch in Nürnberg angekommen, Sportvorstand Martin Bader weckte aber kaum Hoffnungen, dass der Club darauf eingehen wird: „Ich will da oben gewinnen. Punkt. Mehr gibt es von mir zu diesem Angebot nicht zu sagen.“ Gut möglich, dass Nürnberg heute Abend als doppelter Sieger vom Platz geht – mit drei Punkten und neuem CFO.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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