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Wolford bekommt neue Finanzleiterin – ohne CFO-Mandat

Wolford bekommt eine neue Finanzleiterin - ohne CFO-Mandat.
Wolford bekommt eine neue Finanzleiterin - ohne CFO-Mandat. Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Wolford hat eine neue Finanzleiterin. Valentina Rainone ist seit dem 1. Dezember neue Leiterin Finanzen bei dem Bregenzer Strumpfhosenhersteller, wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag bekanntgab. Die 44-Jährige wird alle Aufgaben einer CFO wahrnehmen, ohne direkt dem Vorstand anzugehören, teilt Wolford mit. Sie soll an COO Paul Kotrba berichten. Warum Rainone kein ordentliches Vorstandsmitglied wird, gab das Unternehmen auf Nachfrage von FINANCE nicht bekannt.

Mit Rainone bekommt Wolford eine ausgewiesene Finanzexpertin. Sie startete als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei PwC und sammelte umfassende Führungserfahrung in den Finanzabteilungen verschiedener internationaler Luxusmode-, Einzelhandels- und Sportmarken wie Nike, Fendi und Ermanno Scervino. Zuletzt verantwortete sie als Global CFO die globale Finanzabteilung bei der italienischen Luxusmarke Marni, die zur OTB Gruppe gehört.

Wolford hat seit 2019 keinen eigenständigen CFO mehr

Rainone übernimmt die Finanzleitung von Chief Commercial Officer (CCO) Silvia Azzali, die das Finanzressort zuletzt interimistisch geleitet hatte. Azzali hatte die Finanzleitung Anfang August nach dem Weggang des ehemaligen COO Andreas Thorndike übernommen. Einen eigenständigen CFO hat Wolford seit der Demission der damaligen Finanzchefin Brigitte Kurz im Herbst 2019 nicht mehr.

Der Vorstand besteht künftig weiterhin aus Azzali und COO Paul Kotrba, der diesen Posten seit August innehat und interimistisch bis zum 30. Juni 2023 bekleiden wird. Dann soll Ralf Polito übernehmen, der zurzeit noch COO beim Passauer Hemden- und Blusenhersteller Eterna ist. Auf einen ausgewiesenen Vorstandschef (CEO) setzt Wolford demnach auch in der Zukunft nicht.

Wolford ist seit Jahren in der Krise

Die neue Finanzleiterin Rainone hat gleich zum Amtsbeginn eine volle Agenda: Die Umsätze des Strumpfhosenherstellers sind seit Jahren rückläufig. Im Geschäftsjahr 2017/2018 betrugen sie noch 149 Millionen Euro, im Geschäftsjahr 2021 lagen sie bei fast 109 Millionen Euro. Das Nachsteuerergebnis in diesem Zeitraum war bis auf das Jahr 2020 immer im zweistelligen Millionenbereich negativ.

Im Jahr 2018 hatte der chinesische Investor Fosun die Aktienmehrheit übernommen und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung von rund 22 Millionen Euro vorgenommen. Seit 2020 befindet sich Wolford in der Restrukturierung und will vor allem durch Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen im administrativen Bereich wieder auf Gewinnkurs gelangen.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember wurde zudem eine Kapitalherabsetzung mit anschließender Kapitalerhöhung beschlossen. Damit wird das Grundkapital auf 32 Millionen Euro herabgesetzt und soll durch die Ausgabe von bis zu 3,3 Millionen neuer Stückaktien auf rund 48 Millionen Euro erhöht werden. Dadurch könnten Wolford bis zu 20 Millionen Euro frisches Kapital zufließen.

Negatives Eigenkapital zwingt Wolford zur Kapitalerhöhung

Damit soll die zuletzt negative Eigenkapitalquote wieder auf 10 Prozent steigen. Die Halbjahresbilanz wies zum Stichtag 30. Juni 2022 ein negatives Eigenkapital in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro aus. Die Kapitalerhöhung soll im ersten Quartal 2023 umgesetzt werden.

Wolford konnte im ersten Halbjahr 2022 zwar den Umsatz um 29,4 Prozent auf rund 54 Millionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern, das operatives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging dagegen um mehr als 2 Millionen zurück und führte zu einem Verlust von nahezu 17 Millionen Euro. Grund hierfür seien vor allem die Inflation, gestiegene Material- und Logistikpreise, ein beeinträchtigtes Marktumfeld sowie Investitionen.

Für das komplette Geschäftsjahr 2022 rechnet Wolford deshalb mit keiner Verbesserung des Ebits, teilt das Unternehmen mit.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.