Kunst statt Finanzen: Die ehemalige Finanzchefin von Boehringer Ingelheim, Simone Menne, eröffnet eine Kunstgalerie.

Boehringer Ingelheim

22.05.18
CFO

Ex-Boehringer-CFO Simone Menne kehrt Finanzressort den Rücken

Ein halbes Jahr nach ihrem Ausscheiden bei Boehringer Ingelheim hat die ehemalige Finanzchefin Simone Menne der Finanzwelt offenbar den Rücken gekehrt. Ihr neuer Job ist bemerkenswert.

Was machen CFOs, wenn sie aus ihrem Unternehmen ausscheiden und keinen direkten Folgejob haben? Viele machen sich zunächst einmal als Berater selbstständig, hoffen aber insgeheim wieder auf ein vielversprechendes Mandat.

Nicht so Simone Menne. Die ehemalige Finanzchefin von Boeringer Ingelheim und der Lufthansa widmet sich nach dem Ausscheiden bei Boehringer ihrem Hobby, der Kunst, und will dafür eine Kunstgalerie in ihrer Heimatstadt Kiel eröffnen. Das erzählt sie in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Ausstellen will sie dort aber nicht ihre eigene Kunst – sie malt nach eigenen Angaben vornehmlich Tiere und Pflanzen – sondern von jungen Künstlern aus der Region, die sie fördern möchte. „Ich bin jetzt da, wo ich eigentlich erst mit 60 sein wollte, und das ist gut so. Die Freiheit fühlt sich toll an“, zitiert die Süddeutsche die 57-Jährige.

Simone Menne träumt von einem CEO-Job

Bemerkenswert: Dem Finanzressort will Menne offenbar komplett den Rücken kehren. Zwar habe es auch nach Boehringer noch Angebote gegeben, doch sie wolle nicht noch mal die Finanzen in einem Unternehmen leiten, so Menne. Neben ihren zahlreichen Verpflichtungen als Aufsichtsrätin (unter anderem bei BMW und Deutsche Post DHL) kann sie sich aber durchaus noch mal ein Vorstandsmandat vorstellen. Allerdings wolle sie dann in die CEO-Position, schreibt die SZ. Das müsse kein Dax-Konzern sein, sie könne sich auch einen Job im Mittelstand vorstellen.

Simone Menne, Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG

Menne startet 1987 in der Revisionsabteilung von ITT und wechselt 1989 als Revisorin zur Deutschen Lufthansa. Seitdem ist sie in diversen Positionen dort tätig gewesen. Ab 1992 leitet sie das Rechnungswesen für die Region Westafrika. Drei Jahre später wechselt Menne nach Deutschland zur Lufthansa Revenue Services und leitet bis 1999 die EDV, die Nutzerservices sowie ein Projekt zur Neuausrichtung der Erlös- und Leistungsrechnung des Geschäftsbereichs Lufthansa Passage. Darüber hinaus ist sie die Geschäftsführerin der Lufthansa Revenue Services.

Von 1999 bis 2004 verantwortet sie die kaufmännische Verwaltung sowie den Personalbereich, bis 2001 zunächst für die Region Südwesteuropa, später dann für Europa insgesamt. Von 2004 bis 2010 übernimmt Menne die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens der Lufthansa Technik.

2010 wechselt Menne als CFO zur Fluggesellschaft British Midland, an der die Lufthansa beteiligt ist, bis sie 2012 zur Finanzchefin der Deutschen Lufthansa berufen wird. Neben ihrem CFO-Job beim Lufthansa-Konzern ist Menne Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa Cargo AG, LSG Lufthansa Service Holding AG, Lufthansa Systems AG, sowie der Delvag Luftfahrtversicherungs AG. Außerdem ist sie Aufsichtsratsmitglied der Lufthansa Technik AG.

Im August 2016 verlässt sie auf eigenen Wunsch die Lufthansa, um sich "persönlich weterzuentwickeln". Sie geht als Finanzchefin zu dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Im Dezember 2017 verlässt Simone Menne das Unternehmen wieder.

Menne bleibt weiterhin als Aufsichtsrätin für verschiedene Unternehmen tätig und widmet sich 2018 einem neuen Projekt: Sie eröffnet eine Kunstgalerie in ihrer Heimatstadt Kiel.

zum Profil

Bereits während ihrer Zeit als Finanzvorständin bei der Lufthansa wurde Menne nachgesagt, dass sie sich Hoffnungen auf den CEO-Posten gemacht haben soll – neuer Vorsitzender wurde 2014 aber Carsten Spohr. Ihre Aussichten auf den Vorstandsvorsitz schätzt die ehemalige Finanzchefin selbst aber als eher gering ein: Mit 57, möglichweise in einer Industrie, die ihr fremd sei – „so jemanden stellt kein Aufsichtsrat ein“, sagt sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Ihr Lebensglück hänge aber nicht an diesem Posten, betont sie.

Chemie mit Hubertus von Baumbach habe nicht gestimmt

Simone Menne war im Sommer 2016 zur Finanzchefin bei Boehringer Ingelheim berufen worden, verließ das Unternehmen Ende 2017 aber schon wieder. „Im Laufe des Jahres wurde in Gesprächen zur Strategie des Familienunternehmens offensichtlich, dass sich die Vorstellungen und Einschätzungen nicht immer zur Deckung bringen ließen“, hieß es damals zur Begründung.

Menne wollte Boehringer an den Kapitalmarkt führen, die Gründerfamilie hatte dafür nichts übrig. Dabei sagte sie im Juni noch im Interview mit FINANCE: „Ich wurde auch an Bord geholt, um ein gewisses Kapitalmarktdenken in die Firma zu bringen.“ Denkbar seien ein Corporate Bond oder ein Schuldschein, so die Finanzchefin damals.

Im Gespräch mit der SZ sagt die ehemalige CFO jetzt, dass sie nicht im Streit gegangen ist. Die Chemie mit Boehringer-Chef Hubertus von Baumbach habe aber nicht gestimmt. „Ich muss jetzt nicht mehr den Kalender erfüllen, den andere mir gesetzt haben.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über Simone Menne in ihrem Profil bei FINANCE-Köpfe.