Melanie Kreis ist seit Oktober 2016 für die Finanzen der Deutschen Post zuständig und damit die am längsten amtierende weibliche CFO im Dax. Seit knapp acht Jahren behauptet sich die CFO in den Kreisen der Dax-Unternehmen. Dafür wird sie von der DHL auch mit einem ordentlichen Gehalt belohnt: Für das abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 kassierte Kreis rund 5 Millionen Euro. Damit zählt sie 2023 zu den am besten bezahlten Finanzvorständen im Dax.
Doch ein solch hohes Salär ist für die Finanzchefin nicht die Regel – denn ihr Gehalt schwankt von Jahr zu Jahr stark. So verdiente Kreis im Geschäftsjahr 2022 lediglich 1,8 Millionen Euro, während die Managerin 2021 mit etwas mehr als 9 Millionen Euro sogar an der 10-Millionen-Euro-Marke kratzte und somit den zweiten Platz im Gehalts-Ranking der Dax-CFOs belegte. Warum schwankt ihre Vergütung jährlich so stark?
DHL Group: Langzeitboni treiben Gehalt nach oben
Ein Blick in die Gehaltsstrukturen des Dax-Konzerns zeigt: Das fixe Gehalt von CFO Kreis ist in den vergangenen Jahren konstant gewesen. Ihre feste Vergütung belief sich 2023 auf rund 1 Million Euro. Zum Vergleich: 2022 und 2021 betrug ihr Fixgehalt etwa 999.000 Euro beziehungsweise 996.000 Euro. Und auch der einjährige Bonus (STI) war die vergangenen Jahre konstant und betrug für 2023 484.000 Euro (2022: 476.000 Euro; 2021: 457.000 Euro).
Für die starken Gehaltsschwankungen ist die variable Vergütung verantwortlich. „Die Vorstandsvergütung besteht zum weit überwiegenden Anteil aus variablen Vergütungskomponenten, der mit einer Mittelfristkomponente verbundenen Jahreserfolgsvergütung und der Langfristkomponente“, erklärt die Deutsche Post die Vergütungsstruktur auf FINANCE-Nachfrage.
Den größten Einfluss auf Kreis‘ Gehalt haben dabei Long-Term Incentives (LTI). Damit sind mehrjährige Vergütungselemente gemeint, die häufig an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt sind und damit einen langfristigen Anreiz für die Manager darstellen sollen. „Die Höhe der variablen Vergütung hängt zunächst vom Grad der Zielerreichung ab und ist daher naturgemäß Schwankungen unterworfen“, bestätigt die Deutsche Post gegenüber FINANCE.
LTI schwankt stark
So flossen der 1971 geborenen Managerin daraus für 2023 etwa 3,5 Millionen Euro zu. Deutlich übertrumpft wurde dieser Bonus aber bereits zwei Jahre zuvor mit 8,1 Millionen Euro. 2022 betrug der LTI hingegen lediglich 336.000 Euro.
Wie kann der Bonus so stark schwanken? LTIs bei der Deutschen Post haben eine Laufzeit von vier Jahren. Für den Langzeitbonus erwerben die Deutsche-Post-Vorstände sogenannte Stock Appreciation Rights (SAR), zu Deutsch „Aktienkurssteigerungsrechte“. Mit diesen Mitarbeiterbeteiligungen kann das Unternehmen den Vorständen finanzielle Anreize bieten, während diese von der Wertsteigerung des Aktienkurses profitieren. Bei der Deutschen Post basiert der Wert der SAR auf einem Eigeninvestment der Vorstandsmitglieder in Höhe von 10 Prozent ihres Grundgehalts.
Ein vierjähriger LTI-Plan ist komplett an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt. Für die LTI-Tranche 2019 im Zeitraum vom 1. September 2019 bis 31. August 2023 hat die DHL Group sechs Ziele definiert, die zum einen mit vier Zwischenzielen an die Wertsteigerung des eigenen Aktienkurses geknüpft sind. Zwei weitere Ziele sind an den europäischen Index Stoxx Europe 600, in dem die 600 größten Unternehmen Europas gelistet sind, gebunden. Die DHL hatte sich dabei das Ziel gesetzt, dass die eigene Aktie mindestens 10 Prozent besser performt als der Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen in Europa.
DHL hat LTI-Ziele übertroffen
Laut des Vergütungsberichts wurden alle sechs gesetzten Ziele erreicht. Der Ausgabepreis lag zum Stichtag am 1. September 2019 bei 28,88 Euro pro Aktie. Dieser Wert wurde seinerzeit auf Grundlage des 20 Tages-Durchschnittskurses der Deutsche-Post-Aktie vor dem Stichtag berechnet. Am Ende der Sperrfrist sollte der Endkurs der Aktie mindestens 10, 15, 20 oder 25 Prozent über dem Ausgabepreis liegen, wie die DHL zuvor als konkrete Ziele festlegte.
Am Ende der Sperrfrist des LTIs im Sommer 2023 lag der Durchschnittkurs der vergangenen 60-Handelstage schlussendlich bei 44,16 Euro. Damit stieg der Aktienkurswert um knapp 53 Prozent und übertraf das Steigerungsziel von 25 Prozent deutlich. Somit erhielt Kreis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 einen Bonus von knapp 3,1 Millionen Euro aus der LTI-Tranche 2019.
Zusätzliche Ausübungsfrist für DHL-Vorstände
Außergewöhnlich ist hierbei, dass die Vorstände die Möglichkeit haben, ihr Recht auf die LTI-Auszahlungen erst zu einem späteren Zeitpunkt geltend zu machen. Dafür haben die CFO und ihre Vorstandskollegen eine zweijährige Ausübungsfrist, mit der Intention, dass der Kurs in dieser Zeit weiter ansteigt. Doch damit würden die Vorstände auch ein gewisses Risiko eingehen – denn sollte nach der zusätzlichen Zwei-Jahres-Frist der Wert unter dem Ausgabepreis von 2019 in Höhe von 28,88 Euro liegen, erhält der jeweilige Vorstand für den LTI keine Zahlungen.
Finanzchefin Kreis ist 2023 auf Nummer sicher gegangen hat gemeinsam mit vier von sieben weiteren Vorstandskollegen ihren Bonus bereits mit Ablauf des LTIs ausgeübt. „Entsprechend den regulatorischen Erfordernissen werden die Zahlungen hieraus jeweils in den Jahren ausgewiesen, in denen die Rechte tatsächlich ausgeübt worden sind“, heißt es von der Deutschen Post.
Dass sich die Gehälter der Finanzchefin jährlich stark unterscheiden, liegt zum einen daran, dass nicht jedes Jahr eine LTI-Zahlung fällig wird. Zum anderen war die Aktie der Deutschen Post in den vergangenen Jahren sehr volatil – im Herbst 2022 lag der Kurs bei gerade einmal 29 Euro, während im Sommer 2021 der Preis an der 60-Euro-Marke kratzte.
DHL Group mit Umsatzrückgang
Die verbliebenen 457.000 Euro der variablen Vergütung der Finanzchefin Kreis für 2023 stammen aus einem sogenannten Deferral. Damit ist die Hälfte des STIs von 2021 gemeint. Denn eine weitere Besonderheit in der Vergütung des Dax-Konzerns ist, dass die Vorstände den einjährigen Bonus nur zur Hälfte für das entsprechende Jahr erhalten.
Die anderen 50 Prozent des Bonus‘ sind an Ziele für die zwei Folgejahre geknüpft – sprich die Zahlungen erhalten die Vorstandsmitglieder erst nach Ablauf dieser Zeit und wenn sie währenddessen die Ziele realisiert haben. Ein ungewöhnliches Vorgehen, finden auch Marktexperten. Denn damit müssen die DHL-Manager überdurchschnittlich lange auf Bonuszahlungen warten.
Während sich Finanzvorständin Kreis für 2023 über hohe Boni-Zahlungen freuen kann, muss der Gesamtkonzern einen Umsatz- und Gewinnrückgang verkraften. So sank der Umsatz nach dem Rekordjahr 2022 von 94,4 Milliarden Euro auf 81,8 Milliarden Euro und das operative Ergebnis sank im Vorjahresvergleich von 8,4 Milliarden auf 6,3 Milliarden Euro. Für Kreis könnte der Umsatzrückgang Grund genug gewesen sein, ihre LTI-Tranche von 2019 direkt auszuüben und nicht auf bessere zwei Jahre zu hoffen.
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
