M&A-Deals: Siemens Energy, RWE, K+S

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Siemens Energy kauft sich Expertise für digitale Stromnetze in Nordirland ein. Foto: Ardan Fuessmann - adobe.stock.com
Siemens Energy kauft sich Expertise für digitale Stromnetze in Nordirland ein. Foto: Ardan Fuessmann - adobe.stock.com

Siemens Energy kauft Camlin Group

Siemens Energy schlägt in Nordirland zu und übernimmt die Camlin Group. Zum Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird im Laufe des Jahres erwartet. Camlin hat seinen Sitz in Lisburn bei Belfast, beschäftigt rund 650 Mitarbeitende und setzte zuletzt rund 104 Millionen Euro um.

Mit dem Zukauf baut Siemens Energy sein Angebot für digitale Stromnetze aus. Der Konzern reagiert damit auf steigende Investitionen in Netzinfrastruktur und den wachsenden Bedarf der Netzbetreiber an Echtzeitdaten, zustandsorientierter Instandhaltung und schnellerer Störungserkennung. Camlin bringt dafür sensorbasierte Überwachung, Datenanalyse und softwaregestützte Netzintelligenz ein. Das Unternehmen ist neben Großbritannien auch auf dem europäischen Festland, in Nordamerika, Australien und Asien aktiv.

Siemens Energy plant, die Technologie der Nordiren in das eigene Grid-Portfolio zu integrieren, ohne die Organisation von Camlin zu verschmelzen. So soll das Wachstumstempo des Zukaufs erhalten bleiben, während Siemens Energy den Marktzugang skaliert. Rechtsberater von Siemens Energy ist Baker McKenzie.

RWE stockt bei Focused Energy auf

RWE treibt sein Engagement in der laserinduzierten Kernfusion voran und erhöht sein Investment in das Unternehmen Focused Energy. Im Rahmen der Series-A-Finanzierungsrunde beteiligte sich der Energiekonzern nach eigenen Angaben mit weiteren 60 Millionen Euro. RWE ist bereits seit Oktober 2025 an dem Darmstädter Unternehmen beteiligt. Neben RWE und der Bundesagentur für Sprunginnovationen beteiligten sich laut Mitteilung auch Investoren aus Europa, den USA, Asien und der Golfregion.

Strategisch setzt RWE damit auf eine potentielle neue Erzeugungstechnologie und stärkt zugleich den Standort Biblis als Baustein seiner Rückbau- und Nachnutzungsagenda. Focused Energy will die Mittel vor allem in die Weiterentwicklung der Laserfusion am Standort Biblis stecken. Das Unternehmen beteiligt sich gemeinsam mit dem Land Hessen und Partnern an einer laufenden Bundesausschreibung für einen Laserfusions-Hub. Biblis soll dabei als Laserfusions-Campus dienen, der Forschung, Industrie und Entwicklung bündelt. RWE koppelt eine Bedingung an den Deal. Erhält Biblis den Hub, will der Konzern den Rückbau beschleunigen.

K+S greift nach Qemeticas Salzgeschäft

K+S baut sein europäisches Salzgeschäft aus und will zwei Siedesalzstandorte des polnischen Unternehmens Qemetica übernehmen. Die Kasseler erwerben die Werke in Staßfurt und Janikowo sowie dazugehörige Verwaltungseinheiten. Der Kaufpreis liegt nach Konzernangaben bei 350 Millionen Euro plus einer erfolgsabhängigen Prämie von bis zu 30 Millionen Euro, gekoppelt an den Geschäftserfolg der bisherigen Qemetica-Salzsparte in den Jahren 2026 und 2027. Die Sparte erzielte 2025 rund 125 Millionen Euro Umsatz und knapp 50 Millionen Euro Ebitda. Damit liegt das gezahlte Ebitda-Multiple bei rund 7x. Das Closing erwartet K+S im ersten Quartal 2027.

Die Qemetica-Standorte produzieren vor allem Salzspezialitäten, etwa für Wasserenthärtung und die Lebensmittelindustrie. K+S ergänzt damit das bestehende Portfolio und erweitert die geografische Abdeckung. Qemetica wiederum macht Kapital frei, das für strategische Vorhaben genutzt werden soll, unter anderem für den Aufbau der Einheit Resource Recovery.

Zur Finanzierung prüft K+S verschiedene Finanzierungs- und Kapitalmarktinstrumente. Bis zum Closing kann der Konzern nach eigenen Angaben auf bestehende Liquidität und zugesagte Linien zurückgreifen. Als Lead Advisor begleiten Deutsche Bank und Ashurst K+S.

Weitere M&A-Deals

TUI Suisse verkauft alle Anteile an Cruisetour an das auf Kreuzfahrten spezialisierte Onlinebuchungs- und Vergleichsportal E-Hoi und vereinbart zugleich eine langfristige Kooperation im Kreuzfahrtgeschäft. Der Deal ist Teil der Portfoliooptimierung der TUI-Gruppe, der Kaufpreis bleibt ungenannt. TUI Suisse ließ sich von Mayer Brown beraten, während die Kanzlei MLL Legal Schweizer Rechtsfragen zur Anteilsübertragung abdeckte.

Orafol baut seine USA-Präsenz aus und übernimmt den Folienhersteller Maxpro Manufacturing mit Sitz in Whiteville, North Carolina, und Logistikstandort in Chandler, Arizona. Orafol kommt aus Oranienburg und entwickelt und produziert selbstklebende graphische Folien, reflektierende Materialien, Klebebandsysteme sowie polymere Spezialfolien. Mit dem Zukauf erweitert Orafol seine Geschäftseinheit Functional Films entlang der Wertschöpfungskette von der Extrusion bis zu Beschichtungs- und Laminierungsprozessen. Deloitte Legal beriet Orafol gemeinsam mit der Kanzlei FBT Gibbons.

Die Gesellschafterfamilie Thimm verkauft ihre Anteile an der Thimm Group an Saics. Saica will die Standorte in Deutschland und Osteuropa in den bestehenden Strukturen weiterführen und knüpft damit an die seit den 1990er-Jahren bestehende Vertriebsallianz sowie ein Joint Venture in Polen an. Deloitte Legal begleitete Thimm bei dem Verkaufsprozess.

Die Managementberatung H&Z übernimmt Jupitos und baut damit ihre Kompetenzen in der Digitalisierung des Einkaufs aus, vor allem rund um Ivalua-Implementierungen im deutschsprachigen Raum. H&Z berät Unternehmen zu Strategie und Transformation, unter anderem in Einkauf und Supply Chain. Mit dem Zukauf erweitert H&Z das Angebot von der strategischen Procurement-Transformation bis zur technischen Implementierung und Optimierung der Ivalua-Plattform. Baker Tilly unterstützte H&Z bei der Transaktion.

Die De Well Group übernimmt das Hamburger Speditionsunternehmen Navis und baut damit ihre Europa-Aktivitäten aus. De Well will die Präsenz in Europa stärker mit den bestehenden Strukturen in China, der Region Asia-Pazifik und Nordamerika verzahnen. Navis betreibt Standorte in Deutschland sowie in Antwerpen und Barcelona und deckt unter anderem See- und Luftfracht, Landverkehr, Projektlogistik, Lagerlogistik und Zolldienstleistungen ab. Grant Thornton beriet De Well bei der Due Diligence sowie der Gestaltung des Kaufvertrags.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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