Der CFO gilt in Unternehmen nichts als Treiber der Digitalisierung und findet sich in der Außenseiterrolle wieder.

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14.11.16
CFO

CFOs bei Digitalisierung noch in Außenseiterrolle

CFOs gelten im Mittelstand bislang nicht als Treiber der Digitalisierung, zeigt eine neue Studie. Dabei können Finanzchefs die Performance des Unternehmens verbessern – wenn sie eine veränderte Rolle akzeptieren.

Das Modethema Digitalisierung treibt deutsche Unternehmen um. Mittelständler suchen nach der richtigen Strategie, um sich auf die sich ändernden Aufgaben und Möglichkeiten einzustellen und so einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Doch gerade bei dieser wichtigen Entwicklung sind Finanzchefs in eine Außenseiterrolle gerutscht, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Horváth & Partners ergeben hat, die FINANCE in Teilen exklusiv vorliegt.

Hauptverantwortliche der Digitalisierung sind nach Meinung der Befragten der CEO (37 Prozent) und der CIO (33 Prozent). Mit weitem Abstand folgen der Chief Marketing Officer (8 Prozent) und der Chief Strategy Officer (4 Prozent) – vom CFO so weit keine Spur. Für die Studie wurden 201 Manager aus verschiedenen Branchen und Unternehmensebenen befragt. Aus dem Bereich Finanzen/Controlling kommen nur 2 Prozent der Teilnehmer.

Fragt man die Finanzchefs selbst, dürften sie das freilich anders sehen: Immerhin gaben in einer Studie des ERP-Softwareanbieters IFS 69 Prozent der Finanzchefs an, dass sie selbst federführend bei der digitalen Transformation seien.

Unternehmen wollen Forecasts verbessern

Die Ergebnisse der Horváth-Studie kommen auch insofern überraschend, weil Finanzchefs ihren Unternehmen mit ihrer Analyse-Expertise durchaus beim Digitalisierungsprozess helfen können. Bei den Finanzern muss allerdings ein Umdenken stattfinden, sagt Stefan Tobias, Partner bei Horváth & Partners: „Im Zuge der Digitalisierung sollte der CFO immer mehr zum Chief Performance Officer werden.“

Speziell beim Strukturieren des immer größeren Datenwusts könnten Finanzer helfen, die Zahlenberge für präzisere Auswertungen zu nutzen: „Der Funktionsbereich Finanzen sollte hoheitlich für den Aufbau einer Governance für Daten und Modelle verantwortlich sein“, sagt Tobias. Nur dann seien die gewonnenen Daten für das Management auch nützlich.

Die Steuerung des Unternehmens ist der Studie zufolge ein zentraler Punkt für den Mittelstand. Vier von fünf Teilnehmern erhoffen sich eine bessere Entscheidungskompetenz durch eine verbesserte Aufbereitung von Fakten. Ebenso viele erwarten eine stärkere Zukunftsorientierung durch den Einsatz von Predictive Analytics. Auch ein hoher Automatisierungsgrad bei Forecasts und Planungen (79 Prozent) spielt eine wichtige Rolle.

Das sind alles klassische Expertisen von Finanzchefs und ihren Mitarbeitern. Wohl auch deshalb will jeder zweite CFO in die Datenanalyse investieren, wie der Personaldienstleister Robert Half bei einer Umfrage unter 200 Finanzchefs herausfand.

Finanzierung von Digitalisierungsprojekten ein Problem

Ein klassisches CFO-Thema ist bei Digitalisierungsprojekten ebenfalls wichtig: Jedes fünfte Unternehmen gab bei der Horváth-Studie an, dass es bei der Implementierung und Umsetzung der neuen Prozesse Finanzierungsprobleme gebe. In solchen Fällen müssen die CFOs den einzelnen Bereichen beratend zur Seite stehen.

Die Effizienz vieler Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren bereits verbessert, auch im Finanzbereich: Auf die Frage, in welchen Bereichen Kosten gesenkt oder die Produktivität gesteigert wurden, rangiert der Bereich Finanzen/Controlling auf Platz vier (52 Prozent) von insgesamt 14 betrachteten Bereichen. Auf dem Treppchen befinden sich die IT (70 Prozent), der Bereich Logistik/Supply Chain Management (60 Prozent) und der Vertrieb (58 Prozent).

jakob.eich[at]finance-magazin.de