Blohm+Voss/Hamburg

28.02.17
CFO

Ex-CFO restrukturiert Blohm+Voss

Zu hohe Kosten, schwache Auftragslage, versäumte Investitionen – die Traditionswerft Blohm+Voss ist laut dem neuen Eigentümer Lürssen in einem kritischen Zustand. Allein-Geschäftsführer und Ex-CFO Dieter Dehlke kündigt eine umfassende Restrukturierung an.

Blohm+Voss steht vor tiefen Einschnitten: Rund 300 von knapp 1.000 Arbeitsplätzen bei der Hamburger Werft sollen wegfallen. Außerdem seien in den kommenden Monaten „Anpassungen auf allen Ebenen notwendig“, um die Werft langfristig wieder wettbewerbsfähig und wirtschaftlich profitabel zu machen. Das teilten Geschäftsführer Dieter Dehlke und Aufsichtsratschef Klaus Borgschulte am Dienstag bei einer Betriebsversammlung mit.

Dabei fanden die Manager drastische Worte: „Lürssen hat Blohm+Voss übernommen, weil wir von dem Standort und seinem Potential überzeugt sind“, sagte Borgschulte, der zugleich technischer Geschäftsführer bei dem Schiffsbauer Lürssen ist, gegenüber den Mitarbeitern. „Unsere mehrwöchige Analyse zeigt allerdings, dass dringend erforderliche Investitionen in den letzten Jahren ausgeblieben sind, Konstruktions- und Fertigungsprozesse nicht ausreichend modernisiert und die Kostenstrukturen nicht den realen Bedingungen angepasst wurden.“

Lürssen zeigt sich nach Übernahme von Blohm+Voss ernüchtert

Das Bremer Familienunternehmen hatte Blohm+Voss erst vor wenigen Monaten von dem Private-Equity-Investor Star Capital übernommen. Lürssen soll schon vorher an den Hamburgern interessiert gewesen sein, war zuvor aber nicht zum Zuge gekommen. Offenbar haben sich die Bremer den Zukauf daher einiges kosten lassen: Star Capital hat seinen Einsatz eigenen Angaben zufolge in den fünf Jahren seit der Übernahme von ThyssenKrupp verdreifacht.

Die heutige Bestandsaufnahme klang dagegen ernüchternd: „Blohm+Voss ist in einem kritischen Zustand“, sagte Geschäftsführer Dieter Dehlke. Der Manager, der seit Mitte der 1990er Jahren für diverse Unternehmen als Finanzchef tätig war, kam im Juli 2016 zunächst als CFO zu den Hamburgern. Nach der Übernahme durch Lürssen stieg der 52-Jährige im November zum Alleingeschäftsführer der Werft auf. Bei Blohm+Voss werden die Cost-Cutting-Kenntnisse des erfahrenen Finanzers jetzt dringend benötigt.

Lürssen konzentriert Jacht-Reparatur in Hamburg

Dehlke und Aufsichtsratschef Borgschulte präsentierte heute außerdem die neue strategische Ausrichtung von Blohm+Voss innerhalb der Lürssen-Gruppe. Demnach soll sich die Hamburger Werft künftig einerseits auf den Marineschiffbau konzentrieren. Dafür sind auch Investitionen in die Fertigungsstrukturen geplant. Anderseits will das Familienunternehmen, dem seit 2012 auch die Hamburger Norderwerft gehört, auch den zivilen Bereich der neuen Tochter stärken: Die gruppenweiten Aktivitäten zur Reparatur und oft luxuriösen Überholung von Jachten sollen in Hamburg konzentrieren werden. Beim Neubau von Luxusjachten – einem der wesentlichen Standbeine der Lürssen-Gruppe – wird Blohm+Voss dagegen offenbar keine Rolle spielen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Siemens, Gea Group, P+S-Werften, Bigpoint - das ist nur ein kleiner Auszug der Karrierestationen des Geschäftsführers von Blohm+Voss. Alles über den Werdegang des Ex-CFOs erfahren Sie auf dem Köpfe-Profil zu Dieter Dehlke.