Das BMW-Angebot Drive Now und der Wettbewerber Car2Go von Daimler wachsen beide mit 25 bis 30 Prozent. Eine Bündelung würde für beide Kosten sparen.

BMW Group

24.01.18
CFO

F.A.Z.: BMW und Daimler vor Milliardendeal

BMW und Daimler stehen offenbar kurz vor der Fusion ihrer beiden Carsharing-Töchter Drive Now und Car2Go. Dem Mitgesellschafter Sixt steht damit ein warmer Geldregen ins Haus.

Bereits seit über einem Jahr halten sich die Spekulationen, dass BMW und Daimler ihre Carsharing-Dienste auf einer gemeinsamen Plattform bündeln wollen. Der F.A.Z. zufolge steht dieser Schritt nun unmittelbar bevor: Die Verhandlungen über einen Zusammenschluss der Töchter Drive Now (BMW) und Car2Go (Daimler) seien auf der Zielgeraden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Bereits im Februar könne die Fusion bekanntgegeben werden. Von Seiten der Autokonzerne gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme.

Bewertung von 1 Milliarde Euro für Carsharing-Marken

Wie die F.A.Z. weiter berichtet, sollen auch nach der Fusion beide Marken erhalten bleiben, allerdings auf einer gemeinsamen IT-Basis laufen. Damit könnten die Unternehmen massiv Kosten senken, während gleichzeitig die deutliche Vergrößerung der Plattform die Nutzung der Angebote für die Kunden an Attraktivität gewinnen dürfte. Bei dem M&A-Deal soll das Carsharing-Geschäft der beiden Autokonzerne zusammen mit rund 1 Milliarde Euro bewertet werden.

Die Bewertung ist wichtig, da sowohl BMW als auch Daimler noch Mitgesellschafter abfinden oder beteiligen müssen. An der Daimler-Plattform Car2Go ist der Autovermieter Europcar mit 25 Prozent beteiligt. An dem BWM-Angebot Drive Now hält Sixt 50 Prozent der Anteile. Der F.A.Z. zufolge soll Sixt in die Rolle eines Minderheitspartners gehen, über ein Kaufangebot für die restlichen Anteile und die Markenrechte seien Sixt und BMW sich handelseinig. Alles in allem dürfte der Sixt-Anteil weit über 100 Millionen Euro wert sein. Warburg Research taxiert den Wert in einer heute erschienen Kurzeinschätzung sogar auf 240 Millionen Euro.

Carsharing könnte den Markt drastisch verändern

Durch eine Fusion ihrer Marken würden BMW und Daimler ihre starke Stellung im deutschen und europäischen Carsharing-Markt noch einmal deutlich ausbauen. Die Kombination aus Drive Now und Car2Go könnte sich als europäischer Platzhirsch etablieren und ein Gegengewicht zur internationalen Konkurrenz bilden. Diesen Schritt jetzt zu tun ist wichtig, da auch US-amerikanische und asiatische Anbieter wie Uber und Didi Chuxing ihre Plattformen weiter ausrollen. Weitere Veränderungen stehen dem Carsharing-Markt bevor, wenn in fünf bis zehn Jahren erstmals in größerer Anzahl autonom fahrende Autos in die Städte drängen werden.

Dann droht auch dem Geschäftsmodell der Autokonzerne eine Umwälzung. Leben die Konzerne jetzt noch vom Verkauf ihrer Neuwagen, glauben ihre eigenen Strategen, dass die Einnahmen in Zukunft stark dadurch generiert werden könnten, dass die Kunden für die Autonutzung lediglich kilometergenau abgerechnete Gebühren an die Autokonzerne bezahlen. Das Disruptionspotential für die Branche und auch für Daimler und BMW ist hoch: Beide Dax-Konzerne verkauften im abgelaufenen Jahr weltweit über 2 Millionen Fahrzeuge, jeweils rund 300.000 davon in Deutschland.

Car2Go und Drive Now wachsen mit rund 30 Prozent

Den Carsharing-Markt besetzte Daimler erstmals vor knapp zehn Jahren mit Carsharing-Wagen für die eigene Belegschaft am Standort Ulm. Die Zahl der weltweit für Car2Go registrierten Kunden ist im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf rund 3 Millionen gestiegen, rund 870.000 Kunden leben in Deutschland. Drive Now steigerte die Zahl der registrierten Nutzer um 25 Prozent auf 1 Million und zählt 720.000 Kunden im deutschen Markt. Gemeinsam haben die Angebote damit eine Kundenbasis von mehr als 1,5 Millionen Menschen allein in Deutschland.

Für Daimler und BMW wäre ein Zusammenschluss des Carsharing-Geschäfts nicht die erste Kooperation. Gemeinsam mit weiteren Investoren sind beide Konzerne auch an dem Kartendienst Here beteiligt. Der Aktienmarkt nahm die Meldung zur weiteren Zusammenarbeit positiv auf, beide Unternehmen starteten am Mittwoch mit leichten Zugewinnen in den Handel und gehörten am Morgen zu den fünf Top-Performern im Dax.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de