Haltermann

04.09.14
CFO

HCS Group nimmt Refinanzierung in den Blick

Vor drei Jahren hat der PE-Investor H.I.G. Capital das Chemieunternehmen Haltermann übernommen und nach zwei Übernahmen inzwischen in HCS Group umbenannt. Neben der Refinanzierung rückt langsam auch der mögliche Exit auf die Agenda von CEO Uwe Nickel und CFO Peter Stubbe.

CEO Uwe Nickel ist ein Mann der ersten Stunde bei Haltermann. Kurz nach seiner Übereinkunft mit dem europäischen Arm der Private Equity-Gesellschaft H.I.G. Mitte Juli 2011 unterzeichnet der frühere Clariant-Vorstand den Carve-Out-Deal mit dem US-Riesen Dow Chemical und wird Chef des damit übernommenen Chemieunternehmens Haltermann. Nachdem wieder eigenständige Konzernstrukturen aufgebaut sind, folgt im April 2013 ein transformatorischer Schritt: Das auf hochreine Kraftstoffe spezialisierte Hamburger Traditionsunternehmen übernimmt den drei Mal so großen Spezialchemieanbieter Petrochem Carless, ebenfalls ein Traditionsunternehmen, das für sich in Anspruch nimmt, den Begriff „Petrol“ erfunden zu haben.

Der Umsatz von Haltermann wächst durch die Übernahme des englischen Herstellers von Hochleistungsölen von rund 160 Millionen Euro auf 650 Millionen Euro. Vor der PCL-Akquisition erzielte Haltermann dabei Ebitda-Renditen von rund 10 Prozent, PCL liegt prozentual darunter und trägt absolut gesehen rund 30 Millionen Euro Ebitda Gewinn bei.

2014 wird mit dem französischen Spezialisten für Rennkraftstoffe ETSP gleich noch ein weiteres Unternehmen erworben. „Dabei ging es nicht primär um Umsatz“, sagt Nickel zur Begründung, „sondern um anwendungstechnisches Knowhow und ein Vertriebsnetzwerk zu den Rallyefirmen, das unsere bestehende Position in Spezialkraftstoffen ergänzt und ausbaut.“ Nun soll die spezifische Profitabilität der HCS Gruppe durch Wachstum und Synergien einer nun international agierenden Unternehmensgruppe noch weiter ausgebaut werden, erklären CEO Nickel und der seit Juli 2012 amtierende CFO Peter Stubbe.

Private Equity- Unternehmen HCS: Auf internationaler Expansion

HCS verfolgt mit seiner M&A-Strategie nicht nur das Ziel, neue Kundengruppen zu erschließen, sondern auch das einer breiteren internationalen Aufstellung. Dafür hat HCS, wo die H.I.G.-Vertreter Wolfgang Biedermann, Paul Canning und Johannes Natterer im Beirat sitzen, durch eine Vertriebskooperation mit der mexikanischen Beta-Gruppe auch ihre Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent erhöht. Das ist aber sicherlich noch nicht das Ende unserer Aktivitäten auf dem amerikanischen Markt, berichtet Finanzchef Stubbe.

Schon heute könne HCS gegenüber Kunden glaubhaft als weltweiter Lieferant von Großkonzernen wie Daimler oder Clariant auftreten. Mit Kunden wie diesen würde Nickel gerne weitere globale Lieferverträge aushandeln.

Gleichwohl schließt die HCS-Spitze auch weitere M&A-Deals nicht aus: „Wir schauen uns gemeinsam mit H.I.G. aktiv nach Zukäufen um“, sagt der von der japanischen Kao-Gruppe gekommene Finanzchef Stubbe.  Verschuldungskapazität wäre offenbar noch vorhanden.

Was Zahlen angeht, gibt sich das Unternehmen Private Equity-typisch schmallippig: HCS sieht sich als „konservativ finanziert“ und hat, wie Stubbe und Nickel darstellen, „ausreichend Zugang zu weiterem Kapital zur Finanzierung von Akquisitionen“. Alsbald ist auch eine Refinanzierung geplant, um die bislang bestehenden getrennten Finanzierungen von Haltermann und PCL durch eine gemeinsame Finanzierung zu ersetzen. 

Corporate-Finanzierung soll Buy-out-Kredit ablösen

Derzeit sind Haltermann und PCL durch ein Tilgungsdarlehen, eine endfällige Finanzierung sowie einen revolvierenden Kredit auf Borrowing Base-Grundlage finanziert. Darüber hinaus gehende Details lassen sich die HCS-Manager nicht entlocken.

Zur Debatte stehen statt der Private-Equity-typischen Finanzierung eine Corporate Finanzierung oder auch eine Bond-Finanzierung. Unüblich für ein Chemieunternehmen sei das Portfolio nicht zyklisch, habe in der Vergangenheit keine Delle in der Profitabilität erleiden müssen und erwartet auch keine Schwankungen in der nächsten Zeit. „Unsere Abnehmerindustrien sind breit gestreut und zudem weitestgehend nichtzyklisch“, sagt Stubbe und berichtet von einem regen Geschäftsinteresse der Banken, sich an der Neuordnung der Finanzierung zu beteiligen.

Eine aufgefrischte Passivseite würde dem Eigentümer H.I.G. auch noch aus einem anderen Grund in die Hände spielen. Mitte 2015 wird der Einstieg vier Jahre her sein – Zeit, sich nach einem Käufer umzusehen. „Wir sind auf dem Weg von einem stark Petrochemie lastigen lokalen zu einem klar ausgerichteten endkundenorientierten internationalen Petrochemie- und Spezialchemieunternehmen“, wirbt CEO Nickel schon einmal mit einer neuen Equity Story.

Exit in die Golfregion?

Keine der gängigen Exit-Optionen schließen Nickel und Stubbe aus, wenngleich der Börsengang als unwahrscheinlichste Option erscheint. „Chemieunternehmen sind manchmal etwas schwierig zu bewerten für den Kapitalmarkt aufgrund der starken Zyklizität, aber auch der nach außen durchaus komplexen Strukturen und Prozesse“, findet Nickel. HCS mit Ihrem Portfolio und Set up ist heute sowohl für strategische wie auch Finanzinvestoren interessant; für strategische aus der Petrochemie, wenn sie sich flexibel downstream aufstellen und in Spezialitäten investieren wollen, glaubt Nickel.

Für Finanzinvestoren sei HCS interessant, weil das Unternehmen neben der stabilen Cash-Entwicklung eine wachsende Pipeline an Wachstumsoptionen für die Zukunft hat. Infrage kommen wohl auch Investoren aus der Golfregion, die eine wertschöpfungsverlängernde Verzahnung mit dem Rohölgeschäft anpeilen. Aber noch ist die Story nicht rund, die großen Zukäufe müssen zunächst vollständig integriert werden.

„Langsam werden wir eine homogene Gruppe, deren Synergien seit einiger Zeit beginnen zu greifen“, sagt Uwe Nickel – für die Mitarbeiter der bisher rein national ausgerichteten Unternehmen dürfte das ein weiter Weg sein, der auch noch nicht zu Ende beschritten ist. Indiz: Für das Verbesserungsprogramm „Fit4Success“, das den Wandel in der Belegschaft auch mental flankieren soll, wurde noch kein Projektende festgelegt – das gilt wohl auch für das H.I.G.-Projekt HCS Group als Ganzes.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de