Endlich soll alles wieder gut werden: Windreich-Chef Willi Balz stellt einen Millionencoup in Aussicht.

Windreich

13.08.13
CFO

„Ich will nie wieder einen Liquiditätsengpass erleben“

Windreich braucht dringend Cash. Im Interview mit FINANCE erklärt Eigentümer Willi Balz, wann die Erlöse aus dem Offshore-Windpark Global Tech I fließen und wie er die beiden Mittelstandsanleihen zurückzahlen will. Bald soll ein Mega-Deal kommen.

Herr Balz, Windreich hat ein Liquiditätsproblem. Im Juli mussten Sie die Zinsen für den 2016er-Bond aus Ihrem Privatvermögen zahlen. Wann fließt denn nun endlich das Geld aus dem Offshore-Windpark Global Tech I (GTI)?
Es fließen bereits seit Mai erste Erlöse aus der Haftungsregelung. Das sind bisher 30 Millionen Euro, die unter den Anteilseignern von GTI aufgeteilt werden. Windreich stehen also 14 Prozent davon zu.

Und wieso hat das Geld dann nicht gereicht, um die Zinsen aus der Firmenkasse zu bezahlen?
Die ersten Erlöse werden zum Aufbau des Schuldendienstreservekontos für die Projektfinanzierung verwendet. Da müssen erst einmal 75 Millionen Euro zusammenkommen, bevor es dann zu einer Ausschüttung der Erlöse kommt.

Die Turbinen werden aber doch erst ab August angebracht. Wie kann der Windpark da Erlöse erzielen?
Es sind noch keine Stromerlöse, sondern Erlöse aus einer Haftungsregelung. Am 8. Mai ist das Umspannwerk errichtet worden. Seitdem stehen der Global Tech I GmbH Erlöse in Höhe von 90 Prozent der Stromerlöse zu, die der Offshorepark einfahren würde, wenn er ordnungsgemäß ans Netz angeschlossen wäre. Das wird nach jetzigem Stand erst 2014 der Fall sein, weil Siemens den notwendigen Transformator  nicht rechtzeitig liefern kann. In der Zwischenzeit stehen uns die Haftungserlöse zu. GTI konnte sich allerdings einen Interimsanschluss über den Windpark „Bard“ sichern, sodass ab Herbst erste Stromerlöse fließen werden. Der Rest wird bis zur vollständigen, ordnungsgemäßen Inbetriebnahme Ende 2014 weiter durch die Haftungsregelung gedeckt.

Wie viel Cash bringt das Windreich insgesamt?

Für 2014 rechne ich mit insgesamt 46 Millionen Euro. Bis dahin werden alle Fundamente des Windparks errichtet und funktionstüchtig sein. Für die restlichen Monate diesen Jahres erwarte ich gut 20 Millionen Euro. Die Erlöse hängen davon ab, wie schnell der Bau fortschreitet. Bisher sind 62,5 Prozent der Fundamente errichtet, und auf die erhalten wir die Haftungszahlungen.

Grenzen zwischen der Privatperson Balz und Windreich verschwimmen

Die Windreich GmbH besitzt nach Angaben von Global Tech 1 nur 0,05 Prozent an dem Windpark Global Tech One, weitere 16 Prozent befinden sich in der Hand von vier anderen Unternehmen aus Ihrem Verbund, der FC Wind 1 GmbH,  FC Wind 2 GmbH, GTU I GmbH und GTU II GmbH. Welcher Anteil der Erlöse kommt tatsächlich bei Windreich an?  
Zunächst sollte ich klarstellen: Ich halte insgesamt 14 Prozent, die anderen zwei Prozent liegen über Unterbeteiligungen an GTU I und II bei anderen Investoren. Die Erlöse aus dieser 14-Prozent-Beteiligung landen am Ende durch vertragliche Vereinbarungen vollständig bei Windreich.

Warum dann die Aufteilung auf die unterschiedlichen Töpfe?

Die Ausgliederung in die verschiedenen Gesellschaften habe ich 2011 eingeleitet, um den Verkauf der GTI-Anteile vorzubereiten. Der Käufer – eine Versicherungsgesellschaft – sprang aber 2012 ab, weil er sich von den schlechten Nachrichten, die über die Offshore Windparks verbreitet wurden, beeinflussen lies. Mit Blick auf die Liquiditätssituation von Windreich war das sicher nicht gut, aber langfristig profitieren wir. Denn der Wert der Anteile steigt mit dem Baufortschritt. Spätestens wenn Global Tech I ein Jahr hinter sich hat und erfolgreich ist, werden alle Unsicherheiten bezüglich der Windstärke und der Tauglichkeit der Maschinen beseitigt sein.

Aber das wird dann erst Ende 2015 sein. Im März  2015 müssen Sie Ihre Mittelstandsanleihe über 50 Millionen Euro zurückzahlen. Wie soll das funktionieren?
Ich gehe davon aus, dass wir schon Ende 2014 klar belegen können, wie hoch die Global Tech I Stromerlöse langfristig sein werden. Darauf deuten nicht zuletzt die herausragenden Ergebnisse des Testwindsparks Alpha Ventus hin, der die Erwartungen hinsichtlich der Stromerzeugung um 25 Prozent übertroffen hat. Ich rechne dementsprechend damit, die Beteiligung teilweise bis Ende 2014 verkaufen zu können und die Rückzahlung der Anleihe damit decken zu können.

Verkauf von Offshoreprojekt MEG I soll Cash in die Kassen spülen

Wie sieht es mit den weiteren Projekten von Windreich aus? Gibt es dort Cashflow-Potential?
Aus unseren Onshore-Anlagen erzielen wir 9 Millionen Euro Stromeinnahmen jährlich. Und bei unserem zweiten großen Offshoreprojekt MEG I, an dem Windreich 100 Prozent hält, gibt es erfreuliche Entwicklungen. Dort stehen wir kurz vor dem Abschluss eines Kaufvertrags, mit dem Windreich das komplette Projekt veräußern würde.

Wie hoch ist der Kaufpreis, und wann soll das Geld fließen?
Der Kaufpreis hängt von Meilensteinen ab. Die erste Rate soll aber bereits im Oktober fließen und exakt die 120 Millionen Euro wieder in die Kasse spülen, die wir bisher in MEG I investiert haben. Auf vier Jahre planen wir mit Rückflüssen von insgesamt 200 Millionen Euro. Auch aus diesem Mittelzufluss können wir die Anleihen 2015 und 2016 also zurückzahlen. Ich habe aus den Liquiditätsproblemen der vergangenen Monate gelernt und will das nie mehr erleben.

Wie hoch ist Ihr privates Engagement bei Windreich derzeit?
Es dürften etwa 250 Millionen Euro sein.

Haben Sie sich im Gegenzug für die Zinszahlung im Juli Sicherheiten übertragen lassen?
Nein, das habe ich nicht.

Sie haben dem Unternehmen das Geld aber doch sicher nicht geschenkt.

Es gibt natürlich die üblichen Vereinbarungen, aber sehen Sie: Ich halte 100 Prozent an Windreich. Egal, ob das Geld aus der linken oder der rechten Tasche kommt, die Hose habe ich an.

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