Roland Berger setzt auf Alleingang

Roland Berger

26.09.13
CFO

Roland Berger muss Alleingang wagen

Deloitte, PwC, EY – alle drei WP-Gesellschaften haben es nicht geschafft, die Fusionsverhandlungen mit Roland Berger zum Ziel zu führen. Roland Berger-Chef Burkhard Schwenker zeigt sich hartleibig – und muss jetzt schnell Klarheit schaffen, wie es weitergehen soll.

Die Ereignisse ähneln einem Déjà-vu: Bereits zum zweiten Mal sind einem Handelsblatt-Bericht zufolge die Verhandlungen zwischen Roland Berger und drei WP-Häusern Deloitte, EY und PwC, die im Frühjahr erneut aufgenommen worden waren, ins Leere gelaufen.

Ein wichtiger Grund für das erneute Scheitern des M&A-Deals: Keinem der drei Kaufinteressenten winken bei einer Übernahme von Roland Berger nennenswerte Synergien, aber bei allen droht Roland Berger nach einem Deal Geschäft zu verlieren in Ländern, die Beratung und Prüfung strikt voneinander trennen. Nach einer Übernahme wäre Berger daher vermutlich weniger wert als vor dem Deal – eine schwierige Verhandlungssituation. Dazu passt, dass FINANCE-Informationen zufolge vor allem unterschiedliche Preisvorstellungen den Deal verhindert haben und nicht die Frage nach der Tiefe der Integration Bergers in eine der Prüfgesellschaften.

Da Berger-CEO Burkhard Schwenker nun wie sein Vorgänger Martin Wittig, von dem er im Mai 2013 das Ruder übernommen hatte, die Fusionsnuss nicht knacken konnte, braucht Roland Berger einen Plan B.

Alleingang mit regionalem Fokus

Und Schwenker muss jetzt schnell sein, denn spätestens nach dem nächsten halbjährlichen Partnertreffen im Dezember muss wieder Ruhe einkehren und die Mannschaft wissen, wie es weitergeht, nachdem Berger nun schon bald fünf Jahre lang „im Spiel“ ist, wie es am M&A-Markt heißt.

Offenbar kann sich das neue Führungstrio um Schwenker – ebenso wie Gründer Roland Berger –  einen Alleingang gut vorstellen. Da auf diese Weise die Münchner Berater aber nicht von dem internationalen Netzwerk der großen Prüfgesellschaften profitieren könnten, führte dann  vermutlich kein Weg mehr an einer stark regionalen Fokussierung vorbei. Von globalen Ambitionen wird sich Berger dann verabschieden müssen.

Anstatt die internationale Präsenz breit auszubauen, dürfte Roland Berger gezwungen sein, außerhalb der Auslandsmärkte wie China, in denen die Münchener stark sind, auf projektbezogene Initiativen vor Ort zu setzen. Zu diesem Zweck wurde im Juli 2013 der Führungszirkel um acht Regionalverantwortliche erweitert, die für eine zügige Umsetzung von Kundenmandaten vor Ort Rechnung tragen. Das heißt aber auch, dass Berger im Deal-Sourcing weiterhin große Nachteile gegenüber wirklich global aufgestellen Strategieberatern haben wird – ein Großteil der Projekte würde auch künftig aus Europa heraus generiert und abgewickelt werden, gestützt auf temporäre Infrastruktur in Überseemärkten, wenn große Kundenprojekte dies erfordern. Dies ließe sich mit vergleichsweise bescheidenem Kapitaleinsatz realisieren.

Katz-und-Maus-Spiel seit drei Jahren

Auf jeden Fall muss Schwenker nun zur Abwechslung einmal für sein eigenes Unternehmen eine klare Strategie formulieren, um der Hängepartie ein Ende zu bereiten. Denn die Geduld vieler Mitarbeiter könnte langsam ausgereizt sein.  Bereits Ende 2010 stand Roland Berger schon einmal kurz vor einer Fusion mit Deloitte . In allerletzter Minute legten die Partner von Berger jedoch ein Veto ein.  Die Münchner Berater entschieden sich damals für ihre Unabhängigkeit und nahmen die internationale Expansion auf eigene Faust in Angriff. Ausgestattet mit rund 100 Millionen Euro – Firmengründer Roland Berger steuerte allein die Hälfte bei – startete das Beratungsunternehmen das Vorhaben.

Seitdem ächzt Berger unter einen hohen Schuldenlast, die die internationale Expansion hemmt. Auszuschließen ist daher nicht, dass in drei Jahren die Verhandlungen erneut aufs Tapet kommen. Berger wird „im Spiel“ bleiben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de