Letzte Hoffnung Frankfurt: Shearman & Sterling konzentriert sich in Deutschland voll auf einen Standort.

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30.04.13
CFO

Shearman & Sterling bricht in Deutschland auseinander

Die US-Kanzlei Shearman & Sterling schließt bis Jahresende ihre Büros in Düsseldorf und München, zahlreiche Partner stehen vor dem Absprung. Der Rückzug habe sich seit längerem angekündigt, berichtet ein Marktkenner gegenüber FINANCE.

Shearman & Sterling schließt bis zum Ende des Jahres seine Standorte in Düsseldorf und München. In Deutschland wird die Wirtschaftskanzlei dann nur noch aus Frankfurt heraus arbeiten. „Für Wirtschaftskanzleien ist Deutschland derzeit kein Wachstumsmarkt. Das bisherige Gefüge mit drei Standorten passte nicht mehr“, begründet Ulrike Aretz von Ogilvy Public Relations, die Sprecherin von Shearman & Sterling in Deutschland, die tiefen Einschnitte.

Wie das Team in Frankfurt künftig aufgestellt sein wird, ist allerdings offenbar noch völlig in der Schwebe: „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es Partnerwechsel geben wird“, sagt Aretz. Aktuell beschäftigt die Kanzlei etwa 60 Anwälte in Deutschland. Die Schwerpunkte sollen künftig in den Bereichen M&A, Finanzen und Steuern sowie Schiedsgerichtbarkeit und Arbitration liegen. Im Kapitalmarktrecht wird Shearman & Sterling in Deutschland keine Rolle mehr spielen  – gezwungenermaßen, nachdem einige wichtige Partner die Kanzlei im vergangenen Jahr verlassen hatten.

Für Marktbeobachter kommen die Einschnitte nicht überraschend: „Es ist schon länger bekannt, dass das Deutschlandgeschäft von Shearman & Sterling nicht fliegt“, sagt ein Marktkenner gegenüber FINANCE. Mit der Abspaltung des Mannheimer Büros im Jahr 2008, das der renommierteste und erfolgreichste Teil der Kanzlei  gewesen sei, habe das Unheil begonnen: „Viele wichtige Seniorpartner sind damals gegangen. Das war der erste Sargnagel.“ Auch, dass der Rückbau gerade jetzt verkündet wird,  überrasche nicht: „Viele US-Kanzleien überdenken derzeit ihr Europageschäft.“

Kapitalmarktrecht: Aderlass bei Shearman & Sterling

Offenbar hat der Abgang der Mannheimer Partner eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die schließlich das gesamte Kapitalmarktteam erfasst hat. 2012 hatten zahlreiche wichtige Anwälte die Kanzlei verlassen: Im Februar war das Kapitalmarktrecht-Duo Stephan Hutter und Katja Kaulamo zu Skadden Arps Slate Meagher & Flom gewechselt, im April gingen Marco Sustmann und Andreas Merkner zu Glade Michel Wirtz,  im Herbst kehrte schließlich auch Steuerpartner Johannes Frey Shearman & Sterling den Rücken. Vorige Woche erklärte dann auch Hans Diekmann seinen Rückzug, laut des Anwaltsmagazins Juve  eine der Schlüsselfiguren der Kanzlei in Deutschland.

Dennoch hat die Sozietät bis zum Schluss so getan, als sei alles in bester Ordnung: Rainer Wilke, Partner bei Shearman & Sterling Düsseldorf, hatte noch am 19. April im Interview mit der Rheinischen Post gesagt: „Für Shearman & Sterling ist Düsseldorf ein idealer Standort.“

Das deutet darauf hin, dass die deutsche Führungsmannschaft bis zum Schluss über die Pläne des US-Managements nicht im Bilde gewesen ist: „Das war eine Geschichte, die merkwürdig aussieht“, gibt Sprecherin Aretz zu. Und schiebt den Schwarzen Peter über den großen Teich: „Aber man muss wissen, dass die Entscheidung nicht allein aus Deutschland, sondern international gefallen ist.“

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