Der tschechische Investor PPF liefert seinen Anteil an dem Senderbetreiber ProsiebenSat.1 Media in das verlängerte Übernahmeangebot der Berlusconi-Holding Media for Europe (MFE) ein. PPF gibt gut 36,5 Millionen Aktien an MFE weiter, meldete das Unternehmen am Dienstag. Das entspricht rund 15,68 Prozent am Grundkapital von ProsiebenSat.1. Verbleibende Finanzinstrumente in ProsiebenSat.1 würden abgewickelt.
Gemeinsam mit dem Anteil von PPF kommt die Medienholding der Berlusconi-Familie also zum Ende der verlängerten Annahmefrist am 1. September voraussichtlich auf mindestens 59,25 Prozent. MFE erreichte mit Ende der ersten Angebotsfrist am 13. August bereits eine Beteiligung von 43,57 Prozent und verlängerte diese in der Folge. ProsiebenSat.1 befürwortete zuletzt ebenfalls das MFE-Angebot.
Medienstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hatte im Laufe des Bieterrennens Sorge um die journalistische Unabhängigkeit von ProSiebenSat.1 geäußert und angekündigt, sich Anfang September mit Berlusconi treffen zu wollen. Bis dahin dürfte eine Anteilsmehrheit für MFE sicher sein. Die österreichischen Kartell- und Medienwächter hatten sich für die dortige Prosieben-Töchter mit MFE bereits 2024 auf Auflagen verständigt.
PPF verzichtet auf Rolle als strategischer Investor
PPF begründete den Schritt damit, dass die PPF-Gruppe aufgrund der geringen Annahmequote ihres Angebots die „ursprüngliche Rolle als strategischer Investor mit dem Anspruch, auf Augenhöhe mit MFE zusammenzuarbeiten und ihre Expertise beim Aufbau digitaler Medienplattformen einzubringen“, nicht fortführen könne. Zu den Beteiligungen von PPF gehört unter anderem die zentral- und osteuropäische Sendergruppe Central European Media Enterprises (CME) mit 47 Sendern in sechs Ländern, darunter Tschechien und Rumänien.
Trotz des Rückzugs aus dem Senderbetreiber ProSiebenSat.1 bleibt der deutsche Markt für PPF von zentraler Bedeutung, teilte die Gruppe weiter mit. Dies zeige sich in den Beteiligungen an Vitronic, einem Anbieter industrieller Bildverarbeitung, und an Škoda Transportation, einem Lieferanten von Straßen- und Stadtbahnen für zahlreiche deutsche Städte.
Prosieben-Tochter gründet neue Produktionsfirma
Die ProsiebenSat.1-Tochter SevenOne Studios hat derweil selbst eine neue Produktionsfirma gegründet, Studio Flitz. Dessen Geschäftsführer wird Thomas Münzner, bislang Programmchef bei der Streamingplattform Joyn. Eines der wichtigsten Formate von Studio Flitz soll die Abenteuer-Show „The Race“ werden, die ab sofort unter dem Dach der neuen Gesellschaft entsteht. SevenOne Studios übernimmt auch die Rechte an der neuen Staffel der Show.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
