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Hannover Finanz erweitert Investitionsstrategie

Die Hannover Finanz-Chefs Andreas Schober (Mitte) und Jürgen von Wendorff investieren jetzt auch über die Debt-Seite in Mittelständler.
Annette Hausmanns / Hannover Finanz

Der Mittelstandsinvestor Hannover Finanz sieht sich auf Grund des anhaltend schwachen Dealflows und seines sehr hohen Liquiditätspolsters gezwungen, die seit fast 30 Jahren bewährte Investitionsstrategie zu erweitern. „Wir haben uns jetzt auch für Investments aus Sondersituationen heraus geöffnet“, erklärte Hannover Finanz-Vorstandssprecher Andreas Schober heute bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Damit gehören jetzt auch Bilanzsanierungen und Debt-Transaktionen zum Repertoire der Niedersachsen.

So hat Hannover Finanz vor Kurzem mit einem deutlichen Abschlag einen großen Teil der Kredite des Maschinenbauers Teupen übernommen, der seit 2008 zum Portfolio des PE-Investors Nord Holding gehört. Dadurch hat die Hannover Finanz jetzt Zugriff auf bis zu 35 Prozent der Teupen-Anteile. „Es muss sich aber um operativ gesunde Unternehmen handeln“, schränkte Vorstandsmitglied Jürgen von Wendorff den neuen Beteiligungsansatz ein. „Von echten Sanierungsfällen lassen wir nach wie vor die Finger.“ 

Hannover Finanz verhandelt mit Familienunternehmen

Die Beteiligungsgesellschaft leidet unter den steigenden Preisen für Neuinvestments und dem schwachen Nachschub an neuen M&A-Deals. „Wir sehen immer noch viele proprietäre Transaktionsmöglichkeiten“, berichtete Schober. „Aber unterm Strich war das Angebot an neuen Investitionsgelegenheiten in den vergangenen Monaten dürftig.“

Dabei könnte die Hannover Finanz deutlich mehr investieren als im vergangenen Jahr, als der Mittelstandsinvestor für eine Gesamtsumme von 51,5 Millionen Euro sechs Neuinvestments und einige Add-on-Akquisitionen auf Ebene der Portfoliounternehmen abgeschlossen hat. Einem Portfoliowert von inzwischen 369 Millionen Euro (plus 4 Prozent gegenüber 2011) standen Ende vergangenen Jahres mehr als 200 Millionen Euro an Cash und Investitionszusagen von Investoren (Commitments) gegenüber. Aktuell dürfte die Liquidität dank des kürzlich erfolgten Verkaufs der Sporthandelskette Runners Point an den US-Konzern Foot Locker noch höher liegen. Schober hofft, in den nächsten Monaten einen Teil davon anlegen zu können: „Wir befinden uns in einigen guten Gesprächen mit Familienunternehmen, um an einer Nachfolgeregelung teilzunehmen.“

Das bestehende Hannover Finanz-Portfolio mit rund 50 Unternehmen hat sich auch im vergangenen Jahr gut entwickelt. Der Umsatz aller Portfoliounternehmen wuchs – auch zukaufsbedingt – von 4,0 auf 4,8 Milliarden Euro. Aus Exits und Teilverkäufen erlöste die Hannover Finanz 37,5 Millionen Euro, dazu flossen wie schon in den Jahren zuvor über 30 Millionen Euro Dividenden in die Kasse der Beteiligungsgesellschaft. An ihre Investoren schüttete die Hannover Finanz 45 Millionen Euro aus, 50 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 12 Prozent des gesamten Portfoliowerts.