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Lebenszeichen am PE-Markt

Montage bei Brötje-Automation: Den Maschinenbauer hat die DBAG Ende vergangenen Jahres erworben. Jetzt ist die Kriegskasse des Finanzinvestors wieder neu gefüllt.
DBAG

Mit dem Einwerben neuer Mittel haben die Frankfurter Finanzinvestoren Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und ECM sich für die nächsten Jahre einen Spitzenplatz am deutschen Private-Equity-Markt gesichert. Ihre Kassen sind jetzt für die nächsten fünf Jahre gefüllt. Allerdings hat insbesondere ECM bereits Probleme, seinen laufenden Fonds zu investieren.

Das PE-Haus ECM, dem unter anderem die Bäckereikette Kamps und die Maredo-Steakhäuser gehören, hat sich von seinen Investoren Finanzierungszusagen über 230 Millionen Euro gesichert. Die DBAG hat in einer ersten Runde sogar 451 Millionen Euro eingesammelt und plant, den neuen Fonds in wenigen Wochen bei Finanzierungszusagen von 650 Millionen Euro endgültig zu schließen. Damit würde die DBAG einen der größten deutschen Buy-out-Fonds aller Zeiten an den Start bringen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die DBAG das Zielvolumen erreicht. Der Fonds wäre dann rund 20 Prozent größer als sein Vorgänger, der ein Volumen von 539 Millionen Euro hatte und inzwischen zu 80 Prozent ausinvestiert ist. Rechnet man das bei Transaktionen hinzukommende Fremdkapital ein, könnten DBAG und ECM über die nächsten Jahre zusammengenommen Deals von bis zu 2 Milliarden Euro abschließen.

DBAG und ECM an der Spitze des Fundraising-Felds

Im Vergleich zu internationalen Top-Häusern wie Blackstone, KKR oder CVC, die Fondsvolumina  von mehr als 10 Milliarden US-Dollar mobilisieren, wirken die neuen Fonds der Mittelstandsinvestoren klein. Im deutschen Private-Equity-Markt allerdings, der seit jeher nicht von Milliardendeals, sondern von Transaktionen zwischen 20 und 300 Millionen Euro geprägt wird, liegen ECM und die DBAG damit vorn. In den vergangenen vier Jahren haben deutsche PE-Häuser pro Jahr im Schnitt weniger als 2 Milliarden Euro neue Fondsmittel eingeworben (siehe Grafik).

Auch in diesem Jahr lief das Fundraising bislang zäh. Den bislang größten Erfolg verbuchte der Münchener Turnaround-Investor Orlando, der im Frühjahr seinen neuen Fonds bei 230 Millionen Euro geschlossen hat. 

DBAG investiert gegen den Trend

Die DBAG und ECM werden es freilich schwer haben, die zugesagten Gelder unterzubringen. Im Moment herrscht Flaute am PE-Markt. Weil die Banken wieder äußerst restriktiv bei der Vergabe von Buy-out-Krediten geworden sind, stemmen die Finanzinvestoren kaum noch neue Deals.  DBAG-Manager Jürgen Fischer, der die Beziehungen zu den Fondsinvestoren betreut, glaubt, dass die DBAG sich gegen diesen Trend stemmen kann: „Die gegenwärtige Zurückhaltung der Banken trifft uns nicht so sehr, da wir für unsere Investitionsstrategie weniger Leverage als die meisten unserer Wettbewerber einsetzen.“ Tatsächlich konnte die DBAG im Lauf der vergangenen zwölf Monate trotz des schwachen Marktes gleich drei Unternehmen übernehmen, in die das Investmenthaus zusammen rund 135 Millionen Euro Eigenkapital investiert hat: die Maschinenbauer Brötje-Automation und Romaco sowie Spheros, ein Hersteller von Klimaanlagen für Busse.   

Vor einem Jahr hatte die DBAG bereits das Fundraising für einen zweiten Fonds im Volumen von 242 Millionen Euro abgeschlossen, der Minderheitsbeteiligungen eingehen soll. Aus diesem Fonds hat sie bislang aber noch kein Investment abgeschlossen.

Alt-Fonds von ECM erst zur Hälfte investiert

ECM hat größere Probleme, sich bei neuen Transaktionen durchzusetzen. Seit dem Einstieg bei Kamps vor zwei Jahren hat der Investor kein Neuinvestment mehr getätigt. Den Grund sieht ECM in einer "konservativen Investmentphilosophie" und hohen Preiserwartungen der Verkäufer. So ist rund die Hälfte des vorherigen Fonds über 250 Millionen Euro noch nicht investiert, obwohl die Investitionsperiode schon in diesem September enden wird. Einen Teil der noch verfügbaren Mittel werde ECM für Folgeinvestitionen und Add-on-Akquisitionen reservieren, kündigte ECM-Partner Axel Eichmeyer gegenüber FINANCE an, doch einen signifikanten Teil der Finanzierungszusagen wird ECM wohl an die Investoren zurückgeben.

Der letzte Exit liegt nicht so lang zurück: Vor einem Jahr gelang es den Frankfurtern, den Logistiker InTime an den Investor Equistone weiterzureichen. Die Performance des Fonds scheint gut zu sein. Eichmeyer zufolge rangieren die beiden jüngsten ECM-Fonds mit ihrer Rendite jeweils unter den besten 10 Prozent der europäischen Mittelstandsfonds.

Damit sich das für die Investoren künftig auch richtig auszahlt und sie nicht wieder einen großen Teil ihrer Finanzierungszusagen vergeblich vorhalten müssen, will und muss ECM sein Investitionstempo nun aber erhöhen. Eichmeyer setzt dafür speziell auf Nachfolgeregelungen. Diese halten allerdings schon seit vielen Jahren bei weitem nicht das, was sie auf dem Papier an Transaktionsvolumen versprechen.

Doch diesmal seien die Voraussetzungen anders, meint Eichmeyer: „Wir sehen eine neue Generation von Verkäufern. Seit einigen Monaten zieht der Dealflow bei Nachfolge-Situationen stark an." Auch Basel III werde die Nachfrage  deutscher Unternehmen nach Private Equity verstärken: „Die traditionellen Hausbankenbeziehungen werden schwächer, die Finanzierung wird für Unternehmen schwieriger. Das ist eine Chance für Private Equity und Investoren wie ECM.“ Doch noch ist Deutschlands Industrie von einer Kreditklemme weit entfernt.