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Vonovia startet nächsten Übernahmeversuch auf Deutsche Wohnen

Vonovia plant einen neuen Anlauf für die Deutsche-Wohnen-Übernahme.
Vonovia

Der Wohnungskonzern Vonovia startet einen weiteren Anlauf, um die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Nachdem der Bochumer Immobilienkonzern Ende Juli mit der versuchten Übernahme des Wettbewerbers zunächst gescheitert war, legte Vonovia nun wie angekündigt ein neues Angebot vor: Der Dax-Konzern bietet den Deutsche-Wohnen-Aktionären jetzt 53 statt 52 Euro pro Aktie. Damit erhöht sich der Kaufpreis für das Berliner Unternehmen von 17,9 Milliarden auf 18,2 Milliarden Euro.

Die Offerte liegt damit um 17,8 Prozent höher als der Schlusskurs vom 21. Mai dieses Jahres. Gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate bis zum 21. Mai zahlen die Bochumer eine Prämie von 24,9 Prozent.

Ende Mai hatte Vonovia seine M&A-Pläne bei der Deutschen Wohnen publik gemacht. Doch der Deal platzte, weil der Konzern die selbstgesteckte Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent nicht erreichte. Vonovia wurden nur 47,6 Prozent der Aktien angedient. Weil die Mindestannahmeschwelle nicht erreicht wurde, war das Angebot hinfällig. Derzeit hält der Konzern 29,9 Prozent der Anteile an der Deutschen Wohnen.

Vonovia geht auf Hedgefonds ein

Trotz dieser Erfahrung hält Vonovia im neuen Angebot an der Mindestannahmeschwelle fest. Das Management um Vonovia-Chef Rolf Buch und CFO Helene von Roeder, die im Falle einer erfolgreichen Übernahme der Deutsche Wohnen Digitalchefin werden soll, setzen darauf, dass die Nachbesserung des Angebots auch die Hedgefonds überzeugt.

Sie hatten sich bei der Transaktion als Zünglein an der Waage herausgestellt. Viele Hedgefonds hatten wohl auf einen späteren Beherrschungsvertrag spekuliert, in dessen Zuge sie eine höhere Abfindung hätten kassieren können und ihre Aktien deshalb zurückgehalten. Das will Vonovia nun verhindern. In dem neuen Angebot haben die Bochumer den Abschluss eines solchen Vertrags für mindestens drei Jahre ausgeschlossen.

An den geplanten Synergien in Höhe von 105 Millionen Euro halten Buch und von Roeder aber dennoch fest. Man sei „zuversichtlich“ die Verbundeffekte durch gegenseitige Dienstleistungsverträge heben zu können, teilte Vonovia mit. Noch nicht eingerechnet seien dabei mögliche Kosteneinsparungen aus der gemeinsamen Finanzierung.

Vonovia schließt drittes Übernahmeangebot aus

Hinzu kommt: Auf ein noch besseres Angebot dürfen die Aktionäre nicht hoffen. Das hatte Vonovia-Chef Buch bereits in den vergangenen Wochen deutlich gemacht. Jetzt steht es auch in der neuen Offerte: „Eine Erhöhung des Angebotspreises ist während der Annahmefrist und der Weiteren Annahmefrist unwiderruflich ausgeschlossen. Ebenso ist ein drittes Angebot an die Aktionäre der Deutschen Wohnen ausgeschlossen.“

Eigentlich hätte der Immobilienkonzern auch die zweite, nachgebesserte Offerte nicht so schnell vorlegen dürfen. Doch die Finanzaufsicht Bafin hat Vonovia von der zwölfmonatigen Sperrfrist befreit, die nach einem gescheiterten Übernahmeversuch sonst greift.

Nun wollen die Bochumer die Übernahme schnell noch vor der Bundestagswahl am 26. September über die Bühne bringen: Die Aktionäre erhalten eine Angebotsfrist bis voraussichtlich zum 20. September. Vonovia wird bei in der Investorenkommunikation von Morgan Stanley, Perella Weinberg, Bank of America Merrill Lynch und ParkView Partners beraten.

Vonovia schmiedet an Plan B

Ein Ass hat Vonovia aber noch im Ärmel, sollten sich die Hedgefonds weiterhin quer stellen. Der Immobilienriese könnte 12,7 Millionen Aktien übernehmen, die bisher im Eigenbestand der Deutsche Wohnen waren. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte zudem die Deutsche Wohnen weitere 3,4 Millionen Aktien aus dem Eigenbestand an Vonovia verkaufen. Damit würde sich der Anteil der Bochumer an der Deutschen Wohnen weiter erhöhen. Das sei derzeit aber nur Plan B, erklärte ein Sprecher gegenüber FINANCE. Priorität habe das Übernahmeangebot.

Sollte auch das nicht reichen, gibt es noch die Option einer Kapitalerhöhung. Die Deutsche Wohnen könnte so 19,6 Millionen neue Aktien an den Dealpartner ausgeben. Was einem Anteil von weiteren 2,7 Prozent entsprechen würde. Der Kaufpreis liege damit bei 19,3 Milliarden Euro. Zusammen wollen beide auf einen Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Euro und einen Bestand von erstmal 500.000 Wohnungen kommen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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