Der Immobilienkonzern Adler strebt beim Konkurrenten die Mehrheit im Verwaltungsrat an. Der österreichische Wettbewerber wehrt sich.

Conwert

12.02.16
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Adler probt Machtübernahme bei Conwert

Der Immobilienkonzern Adler strebt beim Konkurrenten Conwert die Mehrheit im Verwaltungsrat an. Der österreichische Wettbewerber wehrt sich.

Nachdem Vonovia mit der Übernahme von Deutsche Wohnen Mitte der Woche gescheitert ist, zeichnet sich die nächste M&A-Schlacht im Immobiliensektor ab: Die Frankfurter Adler Real Estate will ihre Macht bei dem österreichischen Konkurrenten Conwert ausweiten.

Hierfür hat Adler über die Tochtergesellschaft Mountain Peak einen Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung gestellt. Adler will drei von vier Positionen im Verwaltungsrat des Konkurrenten mit eigenen Wunschkandidaten besetzen. Adler ist zwar größter Conwert-Aktionär, hält aber nur 22,4 Prozent der Anteile.

Der Verwaltungsrat ähnelt dem deutschen Aufsichtsrat, ist operativ aber wesentlich einflussreicher. Er ist weisungsbefugt, kann der Geschäftsführung also Vorschriften machen. Dort drei Viertel der Sitze mit eigenen Kandidaten zu kontrollieren, würde Adler erheblichen Einfluss auf Conwert sichern.

Adler bemängelt fehlende Deutschland-Expertise bei Conwert

Als Grund für den Antrag gibt Adler Conwerts mangelnde Expertise im deutschen Immobiliensektor an. 80 Prozent von Conwerts rund 30.000 Wohnungen liegen in Deutschland. Adler will den Verwaltungsrat daher mit Managern besetzen, die über Erfahrung im deutschen Markt verfügen. Adlers Wunschkandidaten sind der langjährige Adler-Aufsichtsratschef Dirk Hoffmann, der frühere Deutsche-Annington-CEO Wijnand Donkers und Hermann Anton Wagner, Aufsichtsratsvorsitzender bei Deutsche Mittelstands Real Estate.

Das Verlangen von Adler muss jetzt juristisch geprüft werden. Wenn der Antrag rechtens ist, was Branchenbeobachtern zufolge wahrscheinlich ist, dann wäre Conwert verpflichtet, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Auf dieser bräuchte Konkurrent Adler dann eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden Conwert-Stimmrechte.

Conwert kritisiert Verschuldung von Adler

Conwert wehrt sich vehement gegen den Versuch der Machtausweitung durch den Konkurrenten Adler. Der derzeitige Verwaltungsrat sei von den Conwert-Aktionären bis 2019 und 2020 bestellt worden. Das Unternehmen sei dabei, alle Ziele für 2015 und 2016 zu erreichen, teilten die Österreicher mit. Zudem habe Adler die Strategie bislang unterstützt.

Auch der Finanzsituation Adlers nimmt Conwert Anstoß: Der Verschuldungsgrad Adlers sei einer der höchsten im Branchenvergleich, finden die Österreicher. Conwert befürchtet, dass Adler im weiteren Verlauf eine Fusion anstreben könnte, etwa in Form einer Verschmelzung oder indem Adler Vermögenswerte an Conwert veräußert. Adler könnte so unter anderem seine Schulden reduzieren, so die Mutmaßung aus Wien.

Es ist nicht das erste Mal, das Conwert zum Gegenstand einer möglichen Übernahme wird: Vor einem Jahr versuchte die Deutsche Wohnen, Conwert zu übernehmen, scheiterte aber an einer zu niedrigen Annahmequote der Conwert-Aktionäre. Aber auch Conwert selbst ist nicht untätig im Merger Endgame auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Erst die Übernahme des Unternehmens KWG Kommunale Wohnen Ende 2012 machte die Österreicher zu einem relevanten Player auf dem deutschen Immobilienmarkt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de