Asklepios will das Rhön-Klinikum in zwei Schritten übernehmen.

Asklepios Kliniken

28.02.20
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Asklepios will Rhön-Klinikum übernehmen

Großer Deal im Krankenhausmarkt: In zwei Schritten will Asklepios den Wettbewerber Rhön-Klinikum übernehmen – und beendet damit möglicherweise ein jahrelanges Tauziehen um den Konzern.

Asklepios greift nach dem Rhön-Klinikum. Dazu geht der Großaktionär mit Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch in einem ersten Schritt ein Joint Venture ein. Asklepios bringt seine bereits bestehenden 28,7 Prozent zusammen mit den Anteilen von Eigentümer Münch, seiner Frau und deren Beteiligungsgesellschaft HCM in das neu gegründete Joint Venture ein. Gemeinsam kommen sie damit auf 49 Prozent, wie das Klinikum am Freitag bekannt gab.

Anschließend will Asklepios den anderen Anteilseignern eine Offerte von 18 Euro je Aktie unterbreiten, also 25 Prozent mehr, als die Aktien vor der Bekanntgabe kosteten. Inklusive einer Nettofinanzverschuldung von rund 44 Millionen Euro in den ersten 9 Monaten 2019 bewertet Asklepios Rhön mit diesem Angebot mit über 1 Milliarde Euro.

Eine Mindestannahmeschwelle ist nicht geplant. Das Closing wird vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung für das zweite Quartal erwartet. Das Rhön-Klinikum soll weiter eigenständig agieren, betonen die Unternehmen. 

Fusion bringt Asklepios und Rhön näher an Helios

Die Übernahme würde Rhön neue Möglichkeiten eröffnen, „die Ertragskraft und Leistungsfähigkeit in einem schwierigen Marktumfeld nachhaltig zu stabilisieren“, erklärte Eigentümer Münch. Die gesamte Branche steht derzeit vor regulatorischen und demografischen Herausforderungen. So wird etwa die vom Bundestag beschlossene Personaluntergrenze in der Pflege das Ergebnis 2020 belasten, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Neunmonatszahlen ankündigte.

Hafid Rifi, Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA

Hafid Rifi beginnt seine Karriere als Wirtschaftsprüfer und spezialisiert sich in dieser Zeit auf die Beratung und Prüfung von börsennotierten Unternehmen aus dem Healthcare-Sektor sowie von kommunalen Klinikketten und Universitätskliniken.

Im September 2009 stößt er als Konzernbereichsleiter für Rechnungswesen, Steuern & Controlling zu dem Klinikkonzern Asklepios. Im Dezember 2015 wird er zudem zum Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Hamburg berufen, im März 2016 schließlich zum Konzern-CFO der Asklepios Kliniken. Anfang 2019 wird Hafid Rifi zusätzlich stellvertretender CEO.

zum Profil

Mit der Übernahme würden sich die zwei führenden Kliniken hinter dem Marktführer Fresenius Helios zusammenschließen. 2018 zählte Rhön 860.000 Patienten und machte einen Umsatz von 1,23 Milliarden Euro. Bei Asklepios waren es 2018 2,3 Millionen Patienten und ein Umsatz von 3,41 Milliarden Euro. Die Nummer 1 am deutschen Markt, die Fresenius-Tochter Helios, zählte 5,6 Millionen Patienten und erwirtschafte 6 Milliarden Euro und bleibt damit trotzdem der unangefochtene Marktführer.

Endet der Machtkampf um Rhön-Klinikum?

Mit dem Deal würde Asklepios aber auch das jahrelange Tauziehen um Rhön beenden. „Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen, um die Pattsituation im Eigentümerkreis von Rhön aufzulösen und dem Unternehmen damit einen wichtigen, neuen Impuls zu geben“, so Münch. Zwischen den Eigentümern herrscht seit Jahren ein erbitterter Machtkampf.

Dieser begann, nachdem Münch 2013 einige Häuser an Helios verkaufen wollte. Um das zu verhindern, kauften sich Asklepios und der Medizintechnikhersteller B. Braun in das Unternehmen ein. Der Verkauf kam dennoch zustande, doch seitdem streiten die Großaktionäre immer wieder um die Strategie des Rhön-Klinikums. Aktuell hält B. Braun noch über 25 Prozent an dem Unternehmen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de