Tokai Rubber übernimmt Anvis: Der M&A-Deal ging innerhalb weniger Monate über die Bühne.

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29.01.13
Deals

Behind the Deal: Tokai kauft Anvis

Mit der Übernahme des hessischen Unternehmens Anvis will der japanische Automobilzulieferer Tokai Rubber seine Präsenz in Deutschland stärken. Der ungewöhnliche M&A-Deal kam ohne strukturierten Prozess aus und ging innerhalb weniger Monate über die Bühne. Für PE-Investor H.I.G. dürfte es ein lukrativer Deal gewesen sein.

Die Zulieferbranche hat einen globalen Player mehr. Die hessische Anvis und die japanische Tokai Rubber Industries stellen beide ein Produkt her, für das die Fachwelt den klangvollen Begriff „Schwingungsdämpfungskomponenten“ geprägt hat. Vor wenigen Tagen hat die börsennotierte japanische Tokai (Börsenwert rund 800 Millionen Euro) das hessische Unternehmen mit rund 300 Millionen Euro Jahresumsatz übernommen, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.

Der M&A-Deal ging innerhalb von nicht einmal vier Monaten über die Bühne – ein ungewöhnlich rasches Tempo, zumal M&A-Verhandlungen mit Japanern als langwierig gelten. Allerdings ging der Übernahme kein klassischer M&A-Prozess voraus: Anvis und Tokai gründeten 2012 bereits ein Joint-Venture in Mexiko. Unternehmensbeobachtern zufolge ging die Initiative dafür von den Japanern aus, die ihre Basis außerhalb Japans verstärken wollten. Zwar soll eine mögliche Übernahme damals nicht konkret thematisiert worden sein. Das Thema wurde allerdings konkret, als ein Dritter auf Anvis aufmerksam wurde. Demnach bekundete ein chinesischer Bieter Interesse an Anvis, Tokai machte ein Gegenangebot – und erhielt den Zuschlag.

M&A-Deal soll Marktzugang sichern

Die Strategie hinter der Verbindung klingt durchaus plausibel: Seit Mai 2011 betreibt Tokai die Firma Tri Europe in Wolfsburg, um die Sales-Aktivitäten in Europa zu stärken. Mit der Übernahme von Anvis dürfte der Zugang zu den europäischen Autoherstellern um einiges leichter werden. Umgekehrt ist für Anvis, die speziell im Kleinwagensegment stark sind, der Zugang zu Asien attraktiv.

Über den Kaufpreis wurde offiziell Stillschweigen vereinbart, in einigen Medien wurde ein Preis von 132 Millionen Euro genannt. In Wirklichkeit war der Kaufpreis jedoch sogar deutlich höher, wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat. Für den PE-Investor H.I.G. Europe dürfte das Engagement bei Anvis sehr lukrativ gewesen sein. Marktkreisen zufolge zahlte H.I.G bei der Übernahme von Anvis 2010 zwischen 60 und 70 Millionen Euro.

Als H.I.G. Europe Anvis im Dezember 2010 gemeinsam mit CEO Olaf Hahn von Arques Industries übernahm, hatte das Unternehmen harte Zeiten hinter sich. Anvis hatte Marktbeobachtern zufolge kaum enge Kontakte zu Autobauern, war nirgends unter den Top-Suppliern und kämpfte mit einer veralteten Infrastruktur. Investitionen waren unter Vorbesitzer Arques kaum getätigt worden, im Gegenteil: Angeblich zog der kriselnde Mutterkonzern sogar noch Geld aus der Tochter ab.

2009 hatte Anvis bei 210 Millionen Euro Umsatz Verlust gemacht, 2010 erwartete das Unternehmen einen Umsatz von 250 Millionen Euro und positive Erträge. Arques räumte beim Verkauf ein, dass die Sanierung noch nicht abgeschlossen sei. Unter dem PE-Investor H.I.G. hat sich die Lage anscheinend beruhigt, Unternehmensbeobachtern zufolge zählt Anvis mittlerweile bei Großkunden wie VW zu den 100 Top-Zulieferern und erzielt mittlerweile  ein deutlich positives Ebitda. Der Jahresumsatz von Anvis lag H.I.G. Europe zufolge zuletzt bei mehr als 300 Millionen Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de