Der Chipanlagenbauer Aixtron hat die Hürden für einen erneuten Verkaufsversuch deutlich gesenkt: Für einen Preis zwischen 45 und 55 Millionen US-Dollar wollen die Aachener ihr US-Geschäft mit Anlagen zur Fertigung spezieller Speicherchips verkaufen. Käufer ist das koreanische Technologieunternehmen Eugene. Stimmen die Behörden dem Deal zu, soll das Closing noch in diesem Jahr erfolgen.
Aixtron: „Deal lässt keine Rückschlüsse auf neuen Verkaufsversuch zu“
Dass das Einholen der notwendigen Freigaben aber nicht trivial ist, hat Aixtron im vergangenen Jahr am eigenen Leib erfahren: Der US-Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS) vereitelte wegen Sicherheitsbedenken den geplanten Verkauf des TecDax-Unternehmens nach China. Der Grund war, dass die Aixtron-Technik nach Sichtweise der US-Behörden in sensiblen Militärbereichen eingesetzt wird. Die Amerikaner wollten nicht, dass diese Geschäfte in chinesische Hände fallen.
Die Vermutung, dass Aixtron mit dem jetzt angestoßenen Verkauf der kalifornischen Tochter in erster Linie M&A-strategische Ziele verfolgt, um einem erneuten Verkaufsversuch den Weg zu ebnen, wies ein Unternehmenssprecher jedoch zurück, wie die „FAZ“ berichtet: Die geplante Transaktion lasse keinen Rückschluss auf einen zweiten Anlauf zu, Aixtron zu verkaufen, zitiert die Zeitung den Sprecher. Die Amerikaner besäßen trotzdem nach wie vor ein Mitspracherecht bei einem möglichen M&A-Deal in der Zukunft.
Aixtron-Aktie steigt über den Übernahmepreis von Fujian
Wirtschaftlich betrachtet ist die Trennung von der US-Sparte für Aixtron nicht unerheblich. Analystenschätzungen zufolge erwirtschaftete die Tochter zuletzt einen Umsatz zwischen 20 und 30 Millionen Euro und arbeitete leicht defizitär. Das erzielte Umsatzvolumen entspricht deutlich mehr als einem Zehntel des Aixtron-Geschäfts: Das Tech-Unternehmen erwartet für dieses Jahr einen Gesamtumsatz von 180 bis 210 Millionen Euro.
2015 und 2016 lagen die Umsätze bei knapp unter 200 Millionen Euro, der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 21,4 beziehungsweise 26,7 Millionen Euro. Der Aixtron-Vorstand rechnet frühestens im kommenden Jahr mit der Rückkehr in die Gewinnzone.
Trotzdem greift unter den Aixtron-Investoren wieder Zuversicht um sich. Mit 6,10 Euro notiert die Aktie inzwischen sogar wieder über den 6 Euro, die der chinesische Bieter Fujian zu zahlen bereit war. Nachdem die Amerikaner kurz vor Weihnachten den Deal zu Fall gebracht hatten, war die Aixtron-Aktie auf 3 Euro abgestürzt.
