Kein guter Tag für Aixtron: Berlin hat die Genehmigung für die Übernahme durch Fujian zurückgezogen. Steckt ein Konkurrent dahinter, der den Deal verhindern will?

Aixtron

24.10.16
Deals

Übernahme von Aixtron durch Fujian wackelt

Der Kauf von Aixtron durch die chinesische Fujian war schon fast in trockenen Tüchern. Doch jetzt prüfen die Behörden den M&A-Deal erneut. Offenbar geht es um Militärtechnologie.

Der geplante Kauf des kriselnden Chip-Anlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Investor Fujian Grand Chip (FGC) wackelt. Wie das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Herzogenrath am heutigen Montagmoren mitteilte, hat das Bundeswirtschaftsministerium seine bereits Anfang September ausgestellte Unbedenklichkeitsbescheinigung widerrufen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel werde das Prüfverfahren der deutschen Tochtergesellschaft Grand Chip Investment (GCI) wieder aufnehmen, heißt es. Aixtron habe dies am späten Freitagabend erfahren. 

Bundeswirtschaftsministerium prüft Aixtron-Kauf erneut

Was zu der Rolle rückwärts des Ministeriums geführt hat, schreibt Aixtron nicht. FINANCE-Informationen zufolge haben neue Erkenntnisse zu der erneuten Prüfung geführt. Demnach verfügt Aixtron über Know-how bezüglich sicherheitsrelevanter Technologien, die im Verteidigungssektor eine Rolle spielen. Diese Ansicht wurde wohl kurzfristig von Dritten an Berlin herangetragen. Denkbar ist, dass ein Konkurrent versucht, den M&A-Deal zu torpedieren.

Auch politische Gründe könnten eine Rolle spielen: In den vergangenen Monaten haben chinesische Konzerne vermehrt deutsche Unternehmen übernommen. Der Staatskonzern Chem China hat den Maschinenbauer Krauss Maffei übernommen, der Haushaltsgerätehersteller Midea ist neuer Eigner von Kuka. Und der Halbleiterkonzern San’an Optoelectronics will angeblich den Münchener Lichtkonzern Osram kaufen. Kritiker befürchten durch die Übernahmen, dass deutsches Know-how nach China abfließen könnte. In Politikkreisen rumort es, der Übernahmewelle aus China einen Riegel vorzuschieben.

Aixtron-Aktien brechen ein

Bitter für Aixtron: Das erneute Prüfverfahren kommt in letzter Sekunde, die Übernahme durch FGC befand sich bereits auf der Zielgeraden. Bis Ende vergangener Woche hatten sich die Chinesen in der verlängerten Annahmefrist 65 Prozent der Aixtron-Aktien gesichert und damit die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent übertroffen.

FGC bietet den Aixtron-Aktionären 6 Euro je Aktie – 50 Prozent mehr als der gewichtete Durchschnittskurs der drei Monate vor dem Übernahmeangebot. Das Angebot entspricht einem Börsenwert von 670 Millionen Euro. Weil Aixtron über eine Nettoliquidität von 35 Millionen Euro verfügt, bewertet FGC Aixtron insgesamt mit 635 Millionen Euro.

Für Aixtron wäre ein Platzen der Übernahme durch FGC ein schwerer Schlag, denn die Aachener durchlaufen eine schwere Krise. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat sich die Talfahrt der vergangenen Jahre fortgesetzt, der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere 31 Prozent auf knapp 56 Millionen Euro eingebrochen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich zwar leicht, lag aber immer noch bei minus 26 Millionen Euro.

China gilt als der wichtigste Wachstumsmarkt der Halbleiterindustrie, die Übernahme wäre für Aixtron die Eintrittskarte in den lukrativen Markt. Entsprechend heftig reagierten die Aktionäre auf die schlechte Nachricht: Der Aktienkurs von Aixtron gibt um fast 6 Prozent nach. Derzeit notieren die Papiere bei unter 5,50 Euro. Aixtron steht jetzt vor ungewissen Wochen: Ob es sich bei dem Verfahren um eine kurze Nachprüfung handelt oder um einen monatelangen Prozess, ist nicht abzusehen. 

jakob.eich[at]finance-magazin.de