Milliarden-M&A-Deal im Biotech-Sektor: Biontech greift nach dem Konkurrenten Curevac. Das gaben beide Parteien, die vor allem als Corona-Impfstoffentwickler bekannt geworden sind, am heutigen Donnerstag bekannt.
Die Mainzer wollen alle Curevac-Papiere via Aktientausch übernehmen. Gut 50 Prozent der Anteile befinden sich im Streubesitz, die restlichen Anteile entfallen auf die Holding des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, Hopp selbst, das Biopharmaunternehmen GSK sowie die KfW und weitere Asset Manager.
Eine Curevac-Aktie wird im Zuge des Deals mit rund 5,46 US-Dollar bewertet, was einer Gesamtunternehmensbewertung von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar entspricht. Curevac-Aktionäre erhalten nach Abschluss der Transaktion Biontech-Aktien. Curevac-Aktionäre sollen künftig zwischen 4 Prozent und 6 Prozent des neuen Unternehmens halten.
Biontech und Curevac rechnen mit dem Abschluss der Übernahme in diesem Jahr, wobei noch behördliche Genehmigungen ausstehen. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 80 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat beider Firmen haben dem Deal bereits einstimmig zugestimmt.
Biontech verfügt über 16 Milliarden Euro an Cash
Nach der Übernahme wird die operative Tochtergesellschaft von Curevac eine hundertprozentige Tochter von Biontech. Der Forschungs- und Produktionsstandort in Tübingen soll zudem in das Biontech-Netzwerk integriert werden.
Um das weitere gemeinsame Wachstum zu finanzieren, hat Biontech einen auskömmlichen Cash-Puffer ausgesammelt. Die Mainzer, die 2023 die Auszeichung für das „Treasury des Jahres“ ergatterten, verfügen nach eigener Aussage über 15,9 Milliarden Euro an liquiden Mitteln (Stand Ende März).
Biontech erhält Rückendeckung von Curevac-Großaktionären
Die aktuelle Transaktion wird von Curevacs Hauptaktionären unterstützt. Wichtige Curevac-Aktionäre, die zusammen 36,76 Prozent der Anteile halten, haben bereits zugesichert, ihre Aktien im Rahmen des Umtauschangebots anzudienen, so die Tübinger. Dazu gehört etwa die Holding des Unternehmers Hopp. Das sorgt für zusätzliche Transaktionssicherheit.
Auch die deutsche Bundesregierung hat signalisiert, der Übernahme grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Sie ist über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 13,32 Prozent an Curevac beteiligt. Beide Unternehmen sind daher zuversichtlich, dass die KfW ihre Beteiligung ebenfalls im Rahmen der Transaktion einbringen wird.
Biontech und Curevac komplementieren sich
Mit der Übernahme von Curevac will Biontech die Position in der Forschung und Entwicklung von mRNA-basierten Krebsimmuntherapien stärken. Der Deal bringt zwei komplementäre Unternehmen zusammen und erweitert Biontechs Expertise in Bereichen wie mRNA-Design und -Herstellung, heißt es aus Mainz.
Diese strategische Akquisition ist laut dem Unternehmen „der nächste Meilenstein“ in der Umsetzung der Onkologie-Strategie, die sich auf sogenannte pan-tumorale mRNA-basierte Therapieansätze und die Entwicklung von neuen Antikörperkandidaten konzentriert.
Biontech schnappte sich chinesisches Biotech Biotheus
„Unser Ziel ist es, die Entwicklung von innovativen und transformativen Krebsbehandlungen voranzutreiben und in den kommenden Jahren neue Behandlungsstandards für verschiedene Krebsarten zu etablieren“, lässt sich Biontech-Mitgründer Ugur Sahin zitieren.
„Seit über zwei Jahrzehnten verfolgen beide Unternehmen ähnliche Ziele und sind dabei oft Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln angegangen. Mit dieser Transaktion wollen wir komplementäre wissenschaftliche Kompetenzen, proprietäre Technologien und Fertigungskompetenz im Bereich mRNA unter einem Dach vereinen“, ergänzt Curevac-CEO Alexander Zehnder.
Als Rechtsberater bei der Transaktion fungieren Covington & Burling, Hengeler Mueller, Loyens & Loeff, Nautadutilh sowie Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom. PJT Partners ist exklusiver Finanzberater von Biontech, Goldman Sachs von Curevac.
Der jüngste Deal von Biontech ist noch gar nicht so lange her: Mitte November hatten die Mainzer das chinesische Biotech Biotheus für knapp 1 Milliarde Dollar gekauft.