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Biotest wird spanisch

Biotest wechselt in spanische Hände. Das bedeutet der Deal für die Spanier. Foto: dkHDvideo - stock.adobe.com
Biotest wechselt in spanische Hände. Das bedeutet der Deal für die Spanier. Foto: dkHDvideo - stock.adobe.com

Spanier greifen nach Biotest: Wie der Arzneimittelhersteller aus Hessen am Freitag bekanntgab, rutscht der Konzern unter das Dach des spanischen Konkurrenten Grifols.

Der Deal erfolgt in zwei Schritten. Zunächst übernimmt Grifols 90 Prozent von dem Mehrheitseigentümer, dem chinesischen Konzern Creat. Creat ist 2018 bei Biotest für 1,3 Milliarde Euro inklusive Schulden eingestiegen. Die Übernahme wackelte zwischenzeitlich, weil der US-Ausschuss CIFIUS sein Veto einlegte. CEO und CFO Michael Ramroth, der damals nur den CFO-Posten inne hatte, rettete den Deal, indem er das US-Geschäft binnen weniger Wochen abspaltete.

Im Juni dieses Jahres kündigte Creat nun an, „strategische Optionen“ für Biotest zu prüfen. Für den Anteil von Creat zahlen die Spanier jetzt 773 Millionen Euro und übernehmen zudem ein Gesellschafterdarlehen von 313 Millionen Euro. Eine Vereinbarung wurde bereits getroffen, heißt es.

Grifols bewertet Biotest mit 2 Milliarden Euro

Im zweiten Schritt legt Grifols den übrigen Aktionären, die rund 10 Prozent halten, ein Übernahmeangebot vor. Der spanische Wettbewerber bietet 43 Euro je Aktie, für Vorzugsaktien je 37 Euro, das ist der gleiche Preis, den Grifols der chinesischen Creat geboten hat. Mit dem Übernahmeangebot bewertet Grifols das Eigenkapital von Biotest mit rund 1,6 Milliarden Euro, der Unternehmenswert liegt bei 2 Milliarden Euro.

Es gibt keine Mindestannahmeschwelle. Vorstand und Aufsichtsrat werden noch eine Stellungnahme zu dem Angebot an die übrigen Aktionäre veröffentlichen, heißt es seitens des Unternehmens. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt aufsichtsrechtlicher Genehmigungen, das Closing erfolgt voraussichtlich bis zum Ende des ersten Halbjahres 2022. Als Berater bei der Transaktion agieren Osborne Clarke, Proskauer Rose, Nomura Securities und UBS.

CFO-Profil

Dr. Michael Ramroth, Biotest AG

Dr. Michael Ramroth

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Biotest AG

Biotest ist in roten Zahlen

Biotest mit Sitz in Dreieich verkauft Medikamente für Hämatologie, Immunologie und Intensivmedizin. Auch der spanische Gesundheitskonzern stellt Arzneimittel aus Blutplasma her und hat sich auf die Transfusionsmedizin spezialisiert.

Durch die Übernahme will Grifols das Angebot an Plasmatherapien ausweiten und einen besseren Zugang zu Medikamenten bekommen. Zudem profitieren die Spanier von Biotests 26 Plasma-Zentren in Europa. Biotest setzte 2020 484 Millionen Euro um, das ist ein Plus von 15,5 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei rund 28 Millionen Euro. Unterm Strich stand allerdings in Verlust von über 31 Millionen Euro zu Buche. Im Vorjahr lag der Verlust noch bei rund 5 Millionen Euro. Als Grund nannte Biotest unter anderem die Herausforderungen der Corona-Pandemie. Auch im ersten Halbjahr schrieb Biotest noch rote Zahlen.

Bis 2024 erwarten die Spanier bei dem kombinierten Unternehmen einen Umsatz von 7 Milliarden Euro sowie ein Ebitda von 2 Milliarden Euro. Die Ebitda-Marge soll höher als 30 Prozent sein, der Leverage unter 3,5x. Das klingt für Analysten der Deutschen Bank vielversprechend: „Die Übernahme ist strategisch sinnvoll“, so Analysten der Deutschen Bank. Mit der Festigung des bestehenden Oligopols bei Plasma könne Grifols dem Wettbewerbsdruck besser standhalten.

So finanziert Grifols den Deal

Für den Deal hat Grifols von der BofA Securities eine Überbrückungsfinanzierung von 2 Milliarden Euro erhalten. Zudem plant das Unternehmen, seine Finanzierungsoptionen für unbesicherte Schulden zu prüfen. Grifols peilt keine größeren Fusionen und Übernahmen oder Bardividenden an, bis der Verschuldungsgrad unter 4x liegt, beteuert das Unternehmen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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