Busch legt bei Pfeiffer Vacuum nach: Ein höheres Übernahmeangebot soll doch noch die gewünschte Aufstockung bringen.

Pfeiffer Vacuum Pressebild

29.03.17
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Busch lässt bei Pfeiffer-Vacuum-Übernahme nicht locker

Der Pumpenspezialist Busch gibt im Übernahmekampf um Pfeiffer Vacuum ein Comeback: Überraschend lanciert das Familienunternehmen ein neues Übernahmeangebot – mit 110 Euro allerdings unter dem aktuellen Aktienkurs.

Unerwartetes Comeback am M&A-Markt: Die Industriegruppe Busch hat sich erneut mit einem Übernahmeangebot an die Aktionäre von Pfeiffer Vacuum gewandt. Erst vor rund zwei Wochen hatte Pfeiffer Vacuum eine erste Übernahmeofferte abgewehrt. Der Vorstand hatte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und damit eine Vollzugsbedingung des Übernahmeangebots verletzt.

Auf der inzwischen wieder abgesagten außerordentlichen Hauptversammlung wollte der Vorstand den Aktionären erklären, warum er die Offerte kritisch sieht. Das Pfeiffer-Management und auch einige Analysten hatten das erste Übernahmeangebot von Busch über 96,20 Euro als zu niedrig kritisiert.

Diesem Punkt begegnet Busch nun, das neue Angebot liegt mit 110 Euro pro Aktie deutlich höher. Allerdings ist der Aktienkurs von Pfeiffer Vacuum in der vergangenen Woche deutlich gestiegen: Noch am 22. März notierte die Aktie bei 105 Euro, bis zum Mittag des heutigen Mittwochs war sie bereits auf mehr als 117 Euro geklettert. Damit liegt der Aktienkurs erneut höher als das Angebot von Busch. 

Busch will in den Aufsichtsrat von Pfeiffer Vacuum

Die Pfeiffer-Vacuum-Aktionäre, die Busch ihre Aktien andienen, würden allerdings für 2016 auch noch die angekündigte Dividende von 3,60 Euro kassieren. Die Abwicklung des neuen Übernahmeangebots soll erst nach der ordentlichen Hauptversammlung am 23. Mai und damit nach dem Dividendenzahltag erfolgen.

Die Busch-Gruppe ist bereits Großaktionär von Pfeiffer Vacuum und will ihre Beteiligung von derzeit 29,98 Prozent weiter ausbauen. Das Familienunternehmen betonte erneut, man habe nicht die Absicht, Pfeiffer Vacuum in die Busch-Gruppe zu integrieren. Das Unternehmen solle an der Frankfurter Börse notiert bleiben und weiterhin von einem separaten Management geführt werden. Bedarf für ein eigenes strategisches Konzept sieht Busch nicht. Allerdings möchte die Busch-Gruppe über „eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat“ ihren Einfluss geltend machen.

Ihr neues Angebot untermalt die Busch-Gruppe mit einer Charmeoffensive: Nach eigenen Angaben haben die Busch-Vertreter kürzlich einen Dialog mit dem Vorstand aufgenommen, den Busch weiter fortführen möchte. Pfeiffer-Chef Manfred Bender gilt jedoch als Gegner eines weiteren Vordringens von Busch bei Pfeiffer Vaccum. Busch hat auch die Arbeitnehmervertreter von Pfeiffer Vacuum zu Gesprächen eingeladen. 

Busch finanziert Pfeiffer-Vacuum-Übernahme über LBBW

Seine Hartnäckigkeit begründet Busch mit den positiven Wachstumsaussichten: „Nicht zuletzt haben die erfreulichen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 und der positive Branchenausblick uns in der Überzeugung bestärkt, unser Investment in Pfeiffer Vacuum aufzustocken und langfristig abzusichern“, sagte Sami Busch, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Busch-Gruppe.

Kartellrechtlich stünde einem Aufstocken der Beteiligung nichts mehr im Wege: Die Kartellbehörden in den USA und in Deutschland hatten bereits während der ersten Offerte am 7. März die Freigabe für einen Zusammenschluss erteilt. Eine Mindestannahmeschwelle ist in dem neuen Busch-Angebot nicht vorgesehen.

Für die Finanzierung hat die Busch-Gruppe nach eigenen Angaben eine feste Finanzierungszusage von der Landesbank Baden-Württemberg erhalten. Busch rechnet mit einem Abschluss des Übernahmeangebots im zweiten Quartal 2017. Pfeiffer Vacuum hat bislang noch nicht auf den Vorstoß der Busch-Gruppe reagiert.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de