07.02.12
Deals

CFOs fürchten Rohstoff-Deal

Die Übernahme von Xstrata durch Glencore schafft ein Schwergewicht im Rohstoffmarkt. Unternehmen fürchten eine verstärkte Marktkonzentration. Doch die Fusion bringt auch einen weiteren Oligopolisten ins Spiel.

Es ist einer der größten Deals der vergangenen Jahre. Der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore fusioniert wieder mit dem Bergbaukonzern Xstrata, einem ehemaligen Spin-Off von Glencore. „Die Zusammenarbeit beider Unternehmen war schon immer eng und eine Fusion ist lediglich ein logischer Schritt, der seit Jahren erwogen und vorbereitet wird“, sagt Erwin Faust, Finanzvorstand bei Aurubis. Das neu erschaffene Schwergewicht deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Mine bis zur Vermarktung ab. Die Fusion könnte zu einer weiteren Marktkonzentration führen und den Zugang von Industrieunternehmen zu Rohstoffen verteuern. Denn Glencore handelt mit praktisch allen wichtigen Ressourcen, von Aluminium bis Zink sowie Energieträgern wie Kohle und Gas. Minenbetreiber Xstrata vertreibt hauptsächlich Aluminium, Kohle, Kupfer, Nickel und Zink.

Rohstoffsicherung

Das Thema Rohstoffsicherung brennt vielen Industrieunternehmen unter den Nägeln. Erst kürzlich schlossen sich daher führende deutsche Konzerne zu einer Allianz zur Rohstoffsicherung zusammen. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern zählt neben BASF, Bayer oder Evonik Industries auch Aurubis. Der CFO des Hamburger Kupferkonzerns Faust begegnet der Glencore-Übernahme mit gemischten Gefühlen. Gegenüber FINANCE sagte er: „Die Fusion wird zu einer weiteren Konzentration von Marktmacht bei diversen Geschäftsfeldern, vor allem Blei und Zink führen. „Für andere Metalle wie Kupfer wird sich voraussichtlich keine wesentliche Veränderung der mengenmäßigen Marktposition ergeben.“ Allerdings könne die Kombination von Handel und Produktion weitere Synergien schaffen, die die Wettbewerbssituation auf Teilmärkten einschränken oder verschärfen könne.Ähnliches befürchtet auch Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Er sagte auf Anfrage: "Die Fusion verstärkt die Konzentration bei den Rohstoffen und deren Vermarktung.“ Die Folge: „Der Wettbewerb wird weiter eingeschränkt und die Position der Rohstoffabnehmer spürbar geschwächt. Das bedeutet eine weitere Belastung für industrielle Wertschöpfungsketten."

Sorge über Marktkonzentration

Welche Auswirkungen dies auf rohstoffintensive Industrieunternehmen hat, ist offen. Gegenüber FINANCE zeigten sich Aurubis-CFO Faust und der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Kerkhoff besorgt über eine mögliche Marktkonzentration. Fest steht, beide Rohstoffunternehmen würden mit einem kombinierten Umsatz von 209 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Betriebsgewinn von 16,2 Milliarden US-Dollar einen neuen Rohstoffgiganten bilden, der es mit BHP Billiton (Ebitda: USD 38,5 Mrd.), Vale und Rio Tinto (USD 29 Mrd.) aufnehmen könnte. Das bisherige Oligopol der drei großen Rohstoffkonzerne würde mit Glencore Xstrata International einen weiteren Wettbewerber bekommen. „Das wiederum könnte für verarbeitende Unternehmen Vorteile im Einkauf bringen“, sagt ein Branchenkenner. Auch künftig aber wird die Abhängigkeit vieler Industrieunternehmen von nur einigen wenigen Rohstofflieferanten bestehen bleiben.

anne-kathrin.meves(*)finance-magazin(.)de