Offenbar ist die Deutsche Bahn im Verkaufsprozess ihrer Tochter Arriva einen entscheidenden Schritt voran gekommen.

Volker Emersleben

17.05.19
Deals

Deutsche Bahn treibt M&A-Prozess bei Arriva voran

Bei der Deutsche-Bahn-Tochter Arriva bringen sich potentielle Kaufinteressenten in Stellung. Die Gebote könnten bis zu 4 Milliarden in die Kassen des Staatskonzerns spülen – Kapital, das die Bahn dringend gebrauchen kann.

Der Verkaufsprozess der Deutschen-Bahn-Tochter Arriva nimmt Fahrt auf: Wie die „Wirtschaftswoche“ am heutigen Freitag unter Berufung auf Finanzkreise berichtete, soll es für den Bus- und Bahnbetreiber Arriva Interessenten „im deutlichen zweistelligen Bereich“ geben.

Als mögliche Käufer kämen demnach das französische Eisenbahnunternehmen Transdev, die britischen Arriva-Wettbewerber Stagecoach und First sowie die französische SNCF-Tochter Keolis in Frage. Auch Finanzinvestoren und Infrastrukturfinanziers werden dem Bericht zufolge als potentielle Interessenten gehandelt. So soll die australische Investmentbank Macquarie ihre Hand gehoben haben. Die Deutsche Bahn wollte zu diesen Informationen keine Stellungnahme abgeben.

Im Sommer geht Arriva-Verkauf in die heiße Phase

Dass die Bahn ihre britische Tochter verkaufen will, ist bereits seit längerem bekannt: Ende April macht das Unternehmen den M&A-Prozess über eine Anzeige in der „Financial Times“ öffentlich. Darin hieß es, Arriva solle bevorzugt als Ganzes in einer einzigen Transaktion verkauft werden. Interessenten hätten bis zum 3. Mai Zeit, sich bei den begleitenden Banken – der Deutschen Bank sowie der Citi – zu melden.

Nun wird die heiße Phase eingeläutet: Im Sommer wolle die Deutsche Bahn den Käufern ihre konkreten Businesspläne vorlegen, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Bis zum September erwarte das Unternehmen dann die offiziellen Angebote der Interessenten. Parallel dazu bereitet die Bahn auch einen Börsengang von Arriva vor.

Arriva könnte mit bis zu 4 Milliarden Euro bewertet werden

Der Staatskonzern hatte die britische Gesellschaft 2010 für rund 2,8 Milliarden Euro erworben. Damals erzielte Arriva bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 326 Millionen Euro. Seither hat sich der Umsatz im Schnitt um jährlich 7 Prozent erhöht auf nunmehr 5,4 Milliarden Euro. Das Ebitda legte im gleichen Zeitraum ebenfalls im Schnitt um 7 Prozent auf 575 Millionen Euro zu, wie FINANCE erfuhr.

Im Hinblick auf die Bewertung der Bahn-Tochter Arriva kursieren in Finanzkreisen nun allerdings vorsichtigere Schätzungen als noch vor einigen Wochen: Die Gebote dürften sich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro bewegen, hieß es. Ende April wurde der Wert der britischen Tochter noch auf 4 Milliarden Euro taxiert, was einem immer noch konservativen Ebitda-Multiple von 6,9x entspräche. In der Bilanz der Bahn steht Arriva mit einem Buchwert von 2 Milliarden Euro.

Deutsche Bahn kämpft mit hoher Verschuldung

Das frische Kapital könnte Bahn-CFO Alexander Doll dringend gebrauchen: Die Bahn ist hochverschuldet, im vergangenen Jahr lag die Nettofinanzverschuldung bei 23,8 Milliarden Euro. In Relation zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) entsprach dies einem Verschuldungsmultiple von 4,8. Der Zielwert der Bahn liegt bei höchstens 3. Demgegenüber steht der hohe Investitionsbedarf der DB: Gemäß des Strukturprogramms des Unternehmens könnten für Fahrzeuge, Personal, Infrastrukturinvestments und Digitalisierungsmaßnahmen in den kommenden Jahren bis zu 5 Milliarden Euro Kosten anfallen.

FINANCE-Köpfe

Alexander Doll, Deutsche Bahn AG

Alexander Doll entwickelt sich auf einem untypischen Weg in den Finanzbereich: Nach dem Abitur studiert er Philosophie und Biologie. Darauf folgen eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein betriebswirtschaftliches Studium, das er mit einem MBA in Atlanta abschließt. Nebenbei arbeitete er als Kofferboy und Komparse an der Oper.

Nach dem Berufsstart bei Lehman Brothers in New York arbeitet Alexander Doll von 2001 an acht Jahre lang als Managing Director bei der Schweizer UBS. 2009 wechselt er zur Investmentbank Lazard, für die er die nächsten Jahre weltweit die Bereiche Transport und Logistik leitet. 2013 wird Doll Chef des Deutschlandgeschäfts der britischen Großbank Barclays. Nach fünf Jahren in dieser Position folgt im April 2018 der Wechsel zur Deutschen Bahn, wo er für die Bereiche Güterverkehr und Logistik verantwortlich zeichnet. Im Januar 2019 übernimmt er zusätzlich die Position des CFOs.

zum Profil

Bis 2030 rechne die DB-Tochter mit einem weiteren Umsatzwachstum von rund 20 Milliarden Euro. So zitiert die Wiwo aus dem Prospekt, das die Citi und die Deutsche Bank an Interessenten verschickt haben. Besonders in Kontinentaleuropa sei Arriva gut aufgestellt: Mehr als die Hälfte des Betriebsgewinns stammt aus den Geschäften in Skandinavien, Osteuropa und Spanien.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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