Elliott hat beim Chiphersteller Dialog Semiconductor zugekauft.

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16.11.15
Deals

Elliott erhöht den Druck auf Dialog Semiconductor

Elliott hat beim Chiphersteller Dialog Semiconductor zugekauft. Die geplante Übernahme von Wettbewerber Atmel ist dem Hedgefonds ein Dorn im Auge.

Der US-Investor Elliott erhöht den Druck auf den schwäbischen Chiphersteller und Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor. Der aktivistische Aktionär hat am vergangenen Freitag seinen Anteil an dem im TecDax notierten Unternehmen von 3 Prozent auf 5 Prozent aufgestockt. Elliott versucht, die geplante Übernahme von US-Wettbewerber Atmel durch Dialog zu verhindern. Mit dem Aktienkauf rüstet der Investor nun für die Hauptversammlung am kommenden Donnerstag noch einmal auf.

Vernichtet Dialog Semiconductor mit M&A-Deal 500 Millionen Dollar?

Elliott kritisiert vor allem den hohen Kaufpreis von 4,6 Milliarden US-Dollar. Dieser entspreche einer Prämie von 92 Prozent auf den tatsächlichen Wert, den so genannten Fair Value, des Unternehmens. Das sei eine der höchsten Aufschläge in der Halbleiterindustrie seit 2012, schreibt Elliott.

Dem US-Investor zufolge sei eine solche Prämie nur zu rechtfertigen, wenn Atmel beispielsweise eine hohe Wachstumsrate vorweisen könne. Die jährlichen Verkäufe Atmels waren jedoch 2012 und 2013 rückläufig, im vergangenen Geschäftsjahr waren sie mit 1,9 Prozent zwar leicht positiv, aber dennoch deutlich unter den Durchschnittswerten in der Halbleiterindustrie.

Atmels Gewinne je Aktie in den vergangenen drei Geschäftsjahren hätten zudem um beinahe 60 Prozent abgenommen. Zwar erwarten Analysten, dass sich diese stabilisieren könnten. Allerdings, argumentiert Elliott, hätte Atmel in der Vergangenheit des Öfteren die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Insgesamt erwartet der Investor, dass der Zukauf etwa 500 Millionen Dollar an Aktionärsgeld vernichtet.

Elliott fürchtet Dialogs hohe Verschuldung

Sorgen bereitet dem US-Investor Elliott auch, dass Dialog Semiconductor für die Akquisition Atmels rund 2,1 Milliarden Dollar Schulden aufnehmen wolle, dadurch würde das Verhältnis der Nettoverschuldung zu dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 3x steigen – einem der höchsten Werte in der Halbleiterindustrie. Diese Entwicklung würde das Risikoprofil Dialogs erheblich verschlechtern. Der aktivistische Aktionär ist der Meinung, das Geld könne für die Dialog-Aktionäre gewinnbringender investiert werden.

Dialog Semiconductor verweist auf Elliots Eigeninteressen

Dialog Semiconductor hält an seinen Übernahmeplänen fest. Das TecDax-Unternehmen sagt, die Prämienberechnung Elliotts beruhe auf einer unkonventionellen Methode. Der Aufschlag auf den Schlusspreis in den 60 Tagen vor der Transaktionsankündigung betrage nach Dialogs Berechnungen nur 24 Prozent – deutlich weniger als Elliots veranschlagte 92 Prozent.

Auch die hohe Verschuldung bereite dem Dialog-Management rund um CFO Jean-Michel Richard keine Sorgen. Andere Unternehmen in der Halbleiterindustrie wie Avago oder Intel hätten bereits bewiesen, dass M&A-Deals in der Branche durchaus mit Schulden finanziert werden können. Dialog will einen großen Teil seiner Schulden in den ersten drei Jahren nach der Akquisition zurückzahlen.

Dialog verweist zudem darauf, dass Elliott bei Atmel eine sogenannte Short-Option hat. Dadurch würde der US-Investor von einer negativen Entwicklung der Atmel-Aktie profitieren, mit der zu rechnen wäre, sollte Dialog die Transaktion abblasen.

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