Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius verkauft seine auf Kinderwunschkliniken spezialisierte Eugin-Gruppe an IVI RMA, ein Portfoliounternehmen von KKR, und den Private Equity-Fonds GED Capital. Bis zu 500 Millionen Euro, inklusive Meilensteinzahlungen, soll Fresenius dafür erhalten.
Eugin wird in das Unternehmen IVI RMA integriert, das weltweit in der Fruchtbarkeitsmedizin tätig ist. Rund 4.400 Mitarbeitende sind an mehr als 150 Standorten in 14 Ländern beschäftigt. Mit dem Zukauf integriert IVI RMA ein Unternehmen mit einem Umsatz von 227 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.
Der Verkauf betrifft ausschließlich die Eugin-Gruppe. Weitere Fruchtbarkeitsbehandlungen in ausgewählten Krankenhäusern und ambulanten Zentren wie etwa bei Helios verbleiben dort. Der Deal soll vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im ersten Quartal 2024 abgeschlossen werden. Lazard fungierte als Transaktionsberater und Freshfields Bruckhaus Deringer als Rechtsberater für Fresenius.
Eugin muss gehen für Future Fresenius
Mit dem Verkauf von Eugin könne Fresenius sich auf seine Kerngeschäftsfelder konzentrieren, sagte Michael Sen, der seit Oktober 2022 neuer CEO bei Fresenius ist. Solch eine Fokussierung auf die Kerngeschäftsfelder wird von Analysten und Investoren schon lange gefordert, befand sich die Fresenius-Aktie sich seit Jahren auf Talfahrt.
Doch erst Sen brachte brachte frischen Wind herein. Neben einem frisch aufgelegten Sparprogramm sowie weitere Maßnahmen unter dem Motto „Future Fresenius“, ging er die Entflechtung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FCM) an. Bis Jahresende soll die Kommanditgesellschaft zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die Folge: Fresenius muss die schwächelnde FMC als Aktiengesellschaft nicht mehr voll bilanzieren.
Dekonsolidierung von Fresenius Medical Care
Das Oberlandesgericht Bamberg habe den Rechtsformwechsel mittlerweile gestattet, teilte Fresenius bei Vorlage der Zahlen aus dem dritten Quartal mit. Damit kann der Rechtsformwechsel in das Handelsregister eingetragen werden, so Fresenius. Der Dax-Konzern rechnet damit, dass die Dekonsolidierung im Dezember wirksam wird.
Bisher scheint der Umbau erste Früchte zu tragen. Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal konzernweit im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf knapp 5,52 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) – ohne FMC – fiel mit einem Plus von 8 Prozent auf 519 Millionen Euro besser aus als von Finanzexperten erwartet. Denn Fresenius Medical Care wird nun gemäß IFRS 5 als „Zur Dekonsolidierung vorgesehenen Aktivitäten“ klassifiziert.
Auch FMC blickt positiv auf die diesjährige Gewinnentwicklung. Das Unternehmen erwartet für 2023 weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Im dritten Quartal sank der Umsatz jedoch um 3 Prozent. Unterm Strich sackte das Ergebnis um fast zwei Drittel auf 84 Millionen Euro ab.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
