Nächster Milliardendeal beim Medizinkonzern Fresenius: Diesmal soll die erst 2012 gekaufte Bluttransfusionssparte an den Mann gebracht werden.

Fresenius

13.05.19
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Fresenius will Milliardendeal zurückdrehen

Der Medizinkonzern Fresenius sucht Interessenten für sein Transfusions- und Zelltherapiegeschäft. Erst 2012 kaufte Fresenius hier den Bluttransfusionstechniker Fenwal zu. Nicht nur Wettbewerber stehen als mögliche Käufer zur Diskussion.

Erst 2012 hat Fresenius den amerikanischen Transfusionstechnik-Anbieter Fenwal übernommen, nun will Fresenius-Chef Stephan Sturm die gesamte Transfusions- und Zelltherapiesparte schon wieder verkaufen: Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) zufolge hat der Bad Homburger Dax-Konzern über die Investmentbank Goldman Sachs bereits mögliche Käufer für sein Bluttransfusionsgeschäft angesprochen. Sowohl Fresenius als auch Goldman Sachs wollten hierzu gegenüber der F.A.Z. keine Stellung beziehen.

Fenwal gehört zur Sparte Fresenius Kabi und läuft dort unter der Einheit „Medizintechnische Produkte / Transfusionstechnologie“, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 1,1 Milliarden Euro machte. Welchen Anteil davon Fenwal erwirtschaftete, ist unklar. Im Jahr bevor Fresenius die US-Firma übernahm, erlöste Fenwal einen Umsatz von 614 Millionen Dollar sowie ein bereinigtes Ebitda von rund 90 Millionen Dollar. Damit dürfte heute der Großteil des Geschäfts der zum Verkauf stehenden Sparte auf die frühere Fenwal entfallen. Fresenius arbeitet bereits daran, das Transfusionsgeschäft als eigenständige Einheit aufzustellen – ein wichtiger Hinweis auf einen näher rückenden Verkauf.

Geht Fenwal zurück an Private Equity?

2012 bezahlte Fresenius für Fenwal rund 1,1 Milliarden Dollar. Verkäufer waren die beiden US-Private-Equity-Investoren Texas Pacific Group (TPG) und Maverick, die Fenwal 2007 dem Fresenius-Konkurrenten Baxter abgekauft hatten.

Nun könnte Fenwal – das Teil des Fresenius-Bluttransfusionsgeschäfts ist – wieder zurück in die Private-Equity-Welt wandern. Wie groß der Anteil von Fenwal an der Transfusions- und Zelltherapiesparte ist, wollte Fresenius auf Nachfrage nicht bekannt geben.

Der F.A.Z. zufolge stehen auch einige PE-Häuser auf der Liste der möglichen Käufer. Für direkte Wettbewerber hingegen könnte eine Übernahme kartellrechtlich schwierig werden, da Fresenius in diesem Markt auf einen Weltmarktanteil von rund 33 Prozent kommt.

FINANCE-Köpfe

Stephan Sturm, Fresenius SE & Co KGaA

1989 startet Sturm bei der Unternehmensberatung McKinsey. Zwischen 1991 und 1998 arbeitet Sturm in diversen führenden Positionen im Investmentbanking, unter anderem bei der BHF Bank und der UBS in Frankfurt und London. 1998 wechselt er als Geschäftsführer zu Credit Suisse First Boston, wo er ab dem Jahr 2000 das Investmentbanking in Deutschland und Österreich leitet. In dieser Funktion ist er auch Mitglied des European Management Committee der CSFB.

Im Januar 2005 wechselt er als Finanzchef zu seinem langjährigen Kunden Fresenius. Im Juli 2016 steigt Sturm bei den Bad Homburgern zum Konzernchef auf.

zum Profil

Ob sich das Investment in Fenwal nach Abschluss des M&A-Prozesses rückblickend als glücklich erweisen wird, ist offen.

Einerseits sind die Bewertungs-Multiples für Healthcare-Anbieter seit 2012 am globalen M&A-Markt deutlich gestiegen. Andererseits zeigt der Markt für Bluttransfusionen wenig Dynamik: Laut F.A.Z. wird das Nachfragewachstum aus den Schwellenländern durch rückläufige Umsätze in Europa und Nordamerika wieder aufgezehrt – im Ergebnis bewegt sich das Marktvolumen seitwärts. Damit verwässert das Business gegenwärtig die Performance des Fresenius-Konzerns, der seinen Investoren für die nächsten Jahre ein jährliches Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich versprochen hat.

olivia.harder[at]finance-magazin.de