Das Familienunternehmen Freudenberg kauft seinem schwedischen JV-Partner Trelleborg für fast 1 Milliarde Euro die Beteiligung an Vibracoustic ab.

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08.04.16
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Freudenberg kauft Schweden Vibracoustic-Anteil ab

Das Familienunternehmen Freudenberg kauft seinem schwedischen Joint-Venture-Partner Trelleborg für fast 1 Milliarde Euro die 50-Prozent-Beteiligung an Vibracoustic ab. Der geplante IPO ist damit vom Tisch. Freudenberg prüft jetzt andere strategische Optionen.

Das baden-württembergische Familienunternehmen Freudenberg zahlt seinen Joint-Venture-Partner Trelleborg aus und übernimmt den Darmstädter Automobilzulieferer Vibracoustic vollständig. Der Kaufvertrag werde derzeit verhandelt, teilte Freudenberg mit. Die Übernahme solle im zweiten Quartal abgeschlossen und dann rückwirkend zum 1. Januar 2016 wirksam werden.

Laut Trelleborg liegt der geplanten Transaktion ein Unternehmenswert von 1,8 Milliarden Euro zugrunde. Die Schweden bekommen eigenen Angaben zufolge 733 Millionen Euro in bar plus eine bereits im Dezember 2015 ausgeschüttete Sonderdividende über 151 Millionen Euro. Insgesamt kassiert Trelleborg also 884 Millionen Euro für seine 50-Prozent-Beteiligung.

Freudenberg prüft strategische Optionen für Vibracoustic

Trelleborg hatte schon seit längerem Interesse bekundet, aus dem 2012 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen auszusteigen. Vibracoustic ist ein Spezialist für Lager, Federn und Dämpfer für Autos und Lastwagen, die Geräusche und Vibrationen reduzieren sollen. Der Wettbewerb in dieser Nische des Automobilbaus ist hart, die Margen vergleichsweise niedrig. Dennoch bewertet Freudenberg die Darmstädter, die 2015 fast 2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten, mit nahezu einem kompletten Jahresumsatz.

Die Joint-Venture-Partner Freudenberg und Trelleborg hatten eigentlich den Börsengang von Vibracoustic angestrebt, den der zu Beginn des Jahres berufene CFO Stefan Eck begleiten sollte.  Vor allem Trelleborg war an einem schnellen Mittelrückfluss interessiert, da die Schweden eigene Großakquisitionen refinanzieren müssen. Doch in dem aktuellen Börsenumfeld schien ein IPO von Anfang an kein einfaches Unterfangen zu sein. Die IPO-Pläne sind nun durch den M&A-Deal bis auf weiteres vom Tisch.

Allerdings lässt sich Freudenberg nicht in die Karten schauen und gibt kein eindeutiges Bekenntnis ab, dass Vibracoustics langfristig voll zum Konzernkreis gehören wird. Das Familienunternehmen wolle langfristiger Ankeraktionär bleiben, prüfe aber auch strategische Optionen „zur bestmöglichen Entwicklung des Unternehmens“, schreiben die Weinheimer.

Welche das konkret sind, wollte Freudenberg auf FINANCE-Anfrage nicht mitteilen. Man konzentriere sich jetzt voll und ganz auf das Closing der Transaktion, sagte eine Sprecherin.

jakob.eich[at]finance-magazin.de