Der geplante Gamesa-Zukauf könnte Siemens eine halbe Milliarde Euro mehr kosten. Der Dax-Konzern muss nun Gamesas JV-Partner Areva herauskaufen.

Gamesa

22.03.16
Deals

Gamesa-Zukauf wird für Siemens immer teurer

Der geplante Zukauf des spanischen Windkraftanlagenbauers Gamesa nimmt für Siemens immer größere Dimensionen an. Der Dax-Konzern muss nun offenbar Gamesas Joint-Venture-Partner Areva herauskaufen. Der Kaufpreis würde dadurch in die Höhe schießen.

Der eigentlich längst auf der Zielgeraden gewähnte Kauf des spanischen Windanlagenbauers Gamesa nimmt für Siemens immer größere Dimensionen an. Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Dienstagsausgabe berichtet, muss Siemens-CEO Joe Kaeser den französischen Energieriesen Areva wohl aus einem Joint Venture mit Gamesa herauskaufen, um den Deal zu retten.

Siemens will mit Gamesa selbst ein Gemeinschaftsunternehmen gründen und sein Windturbinengeschäft mit den Spaniern zusammenlegen. Der Dax-Konzern will 60 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen halten. Größter Gamesa-Aktionär ist der spanische Energiekonzern Iberdrola, der knapp 20 Prozent hält. Dem Vernehmen nach will Siemens Iberdrola ein 10-Prozent-Paket abkaufen, um die Mehrheit an dem neu zu bildenden Unternehmen zu erlangen. Iberdrola pokert aber hart und verlangt deutlich mehr, als Siemens ursprünglich zu zahlen bereit gewesen sein soll. Gamesas Börsenwert liegt derzeit bei 4,7 Milliarden Euro.

Areva will von Siemens aus Gamesa-JV herausgekauft werden

Doch Siemens hat bei dem geplanten M&A-Deal die Rechnung ohne den französischen Areva-Konzern gemacht: Vor zwei Jahren gründeten Gamesa und Areva ein Gemeinschaftsunternehmen für Windkraftanlagen auf hoher See, sogenannten Offshore-Anlagen. Siemens wollte dort wohl nur in die Rolle Gamesas schlüpfen, die Übernahme von Arevas Anteilen an dem Gemeinschaftsunternehmen war ursprünglich nicht angedacht gewesen, schreibt die SZ. Siemens will sich zu dem Bericht nicht äußern.

Nun scheint Areva den Vollzug der gesamten Gamesa-Transaktion zu bremsen, indem sie den Austausch des Joint-Venture-Partners nicht ohne weiteres hinnehmen wollen. Die naheliegende Lösung, auch Arevas Anteil an dem Offshore-Joint-Venture zu übernehmen, dürfte für Siemens teuer werden. Die Areva-Anteile am Joint Venture wurden bei der Gründung vor zwei Jahren mit rund 280 Millionen Euro bewertet. Heute wollen die Franzosen dem Vernehmen nach mehr haben.

Siemens droht für den Gamesa-Zukauf also ein um bis zu eine halbe Milliarde Euro höheres Transaktionsvolumen als geplant – und strategische Nachteile. Schließlich ist Siemens selbst Markt- und Technologieführer im Offshore-Geschäft. Die Gamesa/Areva-Aktivitäten dürften für den Dax-Konzern daher von geringem strategischem Wert sein. Außerdem könnten sich durch eine Übernahme der Offshore-Geschäfte von Gamesa und Areva zusätzliche Kartellprobleme ergeben, die die Umsetzung des Deals verzögern, vielleicht sogar verhindern könnten.

Areva hingegen könnte das Geld aus dem Verkauf gut gebrauchen. Der französische Atomkonzern schreibt seit fünf Jahren tiefrote Zahlen. Nach einem Verlust von 4,8 Milliarden Euro im Jahr 2014 lag der Konzern auch 2015 mit 2 Milliarden Euro im Minus. Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung musste der französische Staat einspringen, um das Unternehmen zu retten.

Joe Kaeser kämpft in Paris für Zustimmung zum Gamesa-Deal

Damit fällt plötzlich der französischen Regierung eine wichtige Rolle bei der Siemens-Gamesa-Transaktion zu, obwohl die Franzosen ursprünglich eigentlich gar nicht beteiligt sein sollten. Der Gamesa-Aktionär Iberdrola jedenfalls fordert Presseberichten zufolge eine enge Abstimmung von Siemens mit Paris, damit die Transaktionssicherheit gegeben ist.

Siemens-Chef Joe Kaeser soll dem französischen Wirtschaftsministers Emmanuel Macron diese Woche bereits einen Besuch abgestattet haben. In der kommenden Woche wird angeblich auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nach Paris reisen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de