Nächstes Duell zwischen einem Finanzinvestor und einem chinesischen Strategen in der deutschen Autoindustrie? Der Österreicher Stefan Pierer lanciert ein Übernahmeangebot für SHW und setzt den chinesischen Großaktionär Anhui ARN damit unter Zugzwang.

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16.06.17
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Großaktionäre geraten bei SHW unter Druck

Der österreichische Investor Stefan Pierer will bei dem Autozulieferer SHW einsteigen. Andere SHW-Großaktionäre wie die chinesische Anhui ARN Group geraten dadurch unter Zugzwang.

Um den börsennotierten Automobilzulieferer SHW bahnt sich eine Übernahmeschlacht an. Der österreichische Investor Stefan Pierer hat den Stein ins Rollen gebracht. Der Chef und Miteigentümer des Motorradproduzenten KTM, er bietet über sein Vehikel Pierer Industrie 35 Euro je SHW-Aktie. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 30 Prozent. Zudem hat Pierer zur Bedingung des Übernahmeangebots gemacht, dass Kapitalmaßnahmen seitens SHW unterbleiben. Sollten sich das Unternehmen oder das Kapitalmarktumfeld während der Angebotslaufzeit wesentlich zum Nachteil verändern, wäre das Angebot ebenfalls vom Tisch.

Der SHW-Vorstand um CEO Frank Boshoff und den seit September 2016 amtierenden CFO Martin Simon reagierte nüchtern auf das Angebot. Dieses sei nicht mit dem Unternehmen abgestimmt. SHW will „zu gegebener Zeit Stellung nehmen“, nannte jedoch keinen genauen Zeitpunkt. 

Stefan Pierer kooperiert mit QCP Swiss

Um die 30-Prozent-Schwelle zu erreichen, hat sich Pierer Unterstützung gesichert. Pierer Industries  selbst hält nach eigenen Angaben vom Mittwochabend bislang nur 1.000 SHW-Aktien, das entspricht lediglich 0,02 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der SHW.

Allerdings hat Pierer sich über sein Vehikel Pierer Swiss eine Mehrheit von 75 Prozent an der QCP Swiss gesichert. Dieses Vehikel hat Mitte Mai die 15-Prozent-Schwelle bei SHW überstiegen und hält mittlerweile 18,9 Prozent der Stimmrechte, die nun Pierer zugerechnet werden. Im Rahmen einer Stimmbindungsvereinbarung haben QCP Swiss und Pierer vereinbart, dass die von beiden gehaltenen SHW-Aktien wechselseitig zugerechnet werden. QCP hat sich zudem verpflichtet, die gehaltenen Aktien nicht in das Übernahmeangebot einzuliefern. Damit würde Pierer in die Nähe der oder sogar über die 50-Prozent-Schwelle stoßen, wenn ihm im Zuge des Angebots tatsächlich 30 Prozent der SHW-Aktien angedient werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Pierer und die Schweizer gemeinsam an einem Investment arbeiten: Sowohl Pierer als auch die QCP-Swiss-Mutter Ocean Consulting waren in der Vergangenheit auch beide schon bei All for one Steeb sowie der österreichischen WP AG investiert.

Anhui ARN muss auf Pierer-Vorstoß reagieren

Dass aus Sicht von Pierers Investorengruppe die Übernahme von SHW reibungslos verläuft, ist allerdings nicht zu erwarten. Die SHW-Aktionäre dürfen vielmehr auf einen lukrativen Bieterwettstreit hoffen, denn Pierer und QCP Swiss sind nicht die einzigen Großaktionäre bei SHW. So erreichte die luxemburgische Vermögensverwaltung Notz, Stucki Europe Ende Januar einen Anteil von mehr als 10 Prozent der Stimmrechte.

Größter Konkurrent um strategischen Einfluss bei SHW dürfte aber die chinesische Anhui ARN Group sein: Die Chinesen hatten im März die 10-Prozent-Schwelle bei SHW überschritten und kündigten damals an, innerhalb der folgenden zwölf Monate weitere Stimmrechte erwerben zu wollen. Anhui ARN will zudem im Aufsichtsrat präsent sein. Seitdem ist der Anteil der Chinesen wieder auf 9,38 Prozent gesunken. Den Chinesen wurde lange Zeit ein ernsthaftes Übernahmeinteresse nachgesagt.

Commerzbank hält Bieterwettstreit um SHW für wahrscheinlich

Wenn sie Pierer nicht kampflos das Feld überlassen wollen, werden die Chinesen, die im August 2016 bei SHW eingestiegen sind, kontern müssen. Das hält auch Commerzbank-Analystin Yasmin Steilen für wahrscheinlich. Die Marktreaktion auf das Pierer-Angebot zeige, dass dieses bei Anlegern kaum auf Akzeptanz stoße.

Die SHW-Aktie ist nach Bekanntwerden des Angebots von 32,80 Euro zwischenzeitlich bereits auf 36,80 Euro und damit deutlich über den von Pierer gebotenen Preis von 35 Euro gestiegen. Das letzte Wort dürfte bei SHW noch nicht gesprochen sein.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de