Newsletter

Abonnements

Hedgefonds torpediert Brenntags geplanten Mega-Deal

Brenntag verhandelt mit dem US-Konkurrenten Univar über einen möglichen Zusammenschluss. Foto: Brenntag
Brenntag verhandelt mit dem US-Konkurrenten Univar über einen möglichen Zusammenschluss. Foto: Brenntag

Kaum hat Brenntag die Gespräche über einen möglichen Mega-Merger mit dem US-amerikanischen Rivalen Univar bekanntgegeben, formiert sich bereits erheblicher Widerstand gegen den M&A-Deal. Denn der Hedgefonds und Univar-Aktionär Engine Capital hat sich mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet und wendet sich an das Management des M&A-Targets.

Nach Ansicht von Engine Capital solle das Unternehmen den Deal mit Brenntag nicht ohne Weiteres eingehen. Stattdessen fordert der Aktionär den Univar-Vorstand auf, den Weg eines formalen Verkaufsprozesses zu gehen, indem zusätzliche Bieter teilnehmen können. Der Hedgefonds sieht Univar am Markt als unterbewertet.

Engine Capital fordert formalen Verkaufsprozess von Univar

Engine Capital, das laut eigenen Angaben rund 1 Prozent an Univar hält, begrüße zwar Brenntags Interesse und sehe durchaus die industrielle Logik eines Zusammenschlusses der beiden Parteien, heißt es in dem Brief. Aber es seien auch Finanzinvestoren in der Branche aktiv. Mit dem vorgeschlagenen Prozess glaubt der Hedgefonds einen Verkaufspreis von 38 bis 44 US-Dollar pro Aktie einzuholen. Die Univar-Aktie wurde am Donnerstag mit knapp 33 US-Dollar gehandelt.

Sollte Univar auf den von Engine Capital gewünschten Verkaufsprozess setzen, würde sich der Kaufpreis für die Aktien auf 6,2 Milliarden bis 7,2 Milliarden US-Dollar belaufen. Zuzüglich der von Univar zuletzt ausgewiesenen Nettofinanzverschuldung von 2,2 Milliarden Dollar könnte der Deal Brenntag dann fast 10 Milliarden Dollar kosten.

Brenntag-Aktie bricht ein

Damit wird der potentielle M&A-Deal für Brenntag immer komplizierter. Der Chemikalienhändler hatte erst am vergangenen Wochenende bestätigt, sich in Gesprächen über eine mögliche Übernahme von Univar zu befinden. Demzufolge sei Brenntag mit Univar erst am Anfang der Verhandlungen, ein Ergebnis sei noch nicht abzusehen. Es wäre der größte Zukauf in der traditionsreichen Geschichte von Brenntag.

Trotz des frühen Stadiums reagierten die Brenntag-Aktionäre geschockt. Die Papiere der Essener brachen diese Woche zeitweise um mehr als 10 Prozent auf 60 Euro pro Aktie ein. Grund für den Absturz dürfte auch verlorengegangenes Vertrauen in das Management um CEO Christian Kohlpaintner und die seit April amtierende CFO Kristin Neumann sein: Erst vor wenigen Wochen hatte der Brenntag-Vorstand bekanntgegeben, dass das Budget für Übernahmen auf 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr erhöht worden sei. Der Univar-Deal läge voraussichtlich um den Faktor zehn darüber.

Alles zum Thema

M&A

Welche die spannendsten M&A-Deals sind, wie ein klassischer M&A-Prozess aussieht und welche Trends den M&A-Markt derzeit dominieren, zeigt unsere FINANCE-Themenseite.

Brenntag wäre klare Nummer eins am Weltmarkt

Durch den Zukauf könnte Brenntag sich zu einem Weltkonzern aufschwingen. Brenntag gilt eigenen Angaben zufolge als Weltmarktführer in der Branche, Univar als Nummer zwei. Mit der Übernahme würde der Essener Konzern seine Präsenz in den USA deutlich ausbauen.

Sollte der Zusammenschluss der beiden Chemikalienhändler gelingen, würde ein Unternehmen mit gut 30 Milliarden US-Dollar (rund 28,8 Milliarden Euro) Umsatz entstehen. Die Marktkapitalisierung von Univar beläuft sich am heutigen Donnerstag auf gut 5,4 Milliarden US-Dollar. Brenntag kommt aktuell auf einen Börsenwert von rund 9,3 Milliarden Euro. Bei einem Zusammenschluss wäre das Unternehmen also mit gut 15 Milliarden Euro bewertet.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.

Themen