Henkel hat einen Käufer für sein Russland-Geschäft gefunden. Für rund 600 Millionen Euro übernimmt ein Konsortium von russischen Private-Equity-Firmen die dortigen Geschäftsaktivitäten des Konsumgüterherstellers. Zu dem Konsortium gehören die Gesellschaften Augment Investments, Kismet Capital Group und Elbrus Services. „Alle Erwerber verfügen über etablierte und langjährige Geschäftsbeziehungen in westlichen Ländern und unterliegen keinen EU- oder US-Sanktionen“, betont Henkel in einer Mitteilung.
Henkel hatte schon im vergangenen Jahr das Geschäft mit Industrieklebestoffen eingestellt und rund 200 Millionen Euro auf das russische Geschäft abgeschrieben. Zum Verkauf stand jetzt das Privatkonsumentengeschäft, das die Bereiche Waschmittel, Kosmetik und Konsumentenklebstoffe umfasst.
Deal bringt Henkel deutlichen Verlust
Henkel dürfte bei einem Verkaufspreis von 600 Millionen Euro einen erheblichen Verlust gemacht haben. „Das ist natürlich kein realistischer Preis, aber Henkel war auch in keiner normalen Verkaufssituation. Von daher dürfte die Erleichterung überwiegen, dass dieses Kapitel nun geschlossen ist“, schätzt Ulle Wörner, Analyst der LBBW den Verkauf ein.
Henkel beschäftigte in Russland rund 2.500 Mitarbeiter in elf Werken, die 2021 rund 1 Milliarde Euro Umsatz erwirtschafteten. Das sind etwa 5 Prozent des Gesamtumsatzes von Henkel in Höhe von 20 Milliarden Euro. Die Düsseldorfer hatten vorigen April unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine angekündigt, sich von ihrem russischen Geschäft trennen zu wollen.
Henkel bilanzierte im jüngsten Geschäftsbericht seine Vermögenswerte in Russland mit rund 526 Millionen Euro. Der Anteil der russischen Tochtergesellschaft würde sich damit auf weniger als 2 Prozent der Konzernvermögenswerte belaufen. Der Deal sollte nach den ursprünglichen Plänen Henkels eigentlich bis zum Ende des 1. Quartals 2023 über die Bühne gegangen sein.
Russland gestattet Henkel-Deal nur unter Auflagen
Allerdings: Russland macht es ausländischen Unternehmen seit Kriegsbeginn zusehends schwerer, sich von ihrem Geschäft zu trennen. Ohne Zustimmung des russischen Finanzministeriums ist ein Verkauf nicht möglich. Dieses hatte im Dezember 2022 neue Auflagen veröffentlicht. Demnach können Unternehmen nur noch mit einem Abschlag von 50 Prozent des festgestellten Marktwerts verkauft werden. Zusätzlich muss der Kaufpreis ein bis zwei Jahre gestundet werden. Eine Zahlung an den russischen Staatshaushalt in Höhe von 10 Prozent des Transaktionswerts kommt noch hinzu.
Die russischen Behörden haben dem Verkauf laut Henkel bereits zugestimmt. Ob und welche Verkaufsauflagen der Konzern erfüllen muss, könne man noch nicht sagen, sagte ein Sprecher gegenüber FINANCE. Das abschließende Closing stehe noch aus.
Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.
