Eine Barzahlung oder Aktien bietet Hochtief den Abertis-Aktionären für ihre Anteile. Im M&A-Rennen haben die Essener allerdings Konkurrenz von der Benetton-Familie.

Hochtief

19.10.17
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Hochtief gibt Milliardengebot für Abertis ab

Der Baukonzern Hochtief will den spanischen Infrastrukturanbieter Abertis kaufen. Die Essener bieten rund 17,1 Milliarden Euro für die Aktien – inklusive Schulden dürfte der Preis deutlich höher sein.

Der Essener Baukonzern Hochtief ist in das Ringen um den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis eingestiegen. Nachdem das Investmentvehikel Atlantia der italienischen Unternehmerfamilie Benetton mit einem Gebot über 16,3 Milliarden Euro für das Eigenkapital von Abertis vorgelegt hatte, bietet Hochtief jetzt rund 17,1 Milliarden Euro. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass die Transaktion inklusive ebenfalls zu übernehmender Schulden allerdings auf ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro kommen wird. 

Die Essener sind bei der Transaktion der Intermediär ihres Mutterkonzerns ACS , der 72 Prozent an Hochtief hält: Ein Angebot von ACS für Abertis stand seit längerer Zeit im Raum. Die Spekulationen, dieses könne über Hochtief abgewickelt werden, haben sich nun bestätigt. Am Markt wird jetzt erwartet, dass die Benetton-Familie mit einem höheren Gebot nachzieht. 

Hochtief stellt Abertis-Aktionäre vor die Wahl

Hochtief will sein Angebot nur zum Teil in bar bezahlen. Einen gewichtigen Anteil der Aktien möchte das Unternehmen mit Hochtief-Anteilsscheinen zeichnen. Der Aktienkurs der Essener hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. 

Hochtief Aktie

Hochtief Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Das Hochtief-Management stellt die Abertis-Aktionäre vor die Wahl: Die Essener bieten 18,76 Euro in bar für jede Aktie, oder 0,1281 Aktien an Hochtief für jede Abertis-Aktie. Den genauen Gegenwert des Barangebots von 18,76 erhält man für 0,1281 Hochtief-Aktien, wenn diese bei rund 146,44 Euro stehen. 

Zur Finanzierung steht Hochtief Berichten zufolge im Erfolgsfall ein Kreditrahmen von 15 Milliarden Euro zur Verfügung. Zudem könnten neue Aktien im Gesamtwert von 3,6 Milliarden Euro für die Abertis-Aktionäre ausgegeben werden, die die Aktienkomponente wählen. 

Hochtief will Mindestannahme der Aktienkomponente

Sein Angebot knüpft Hochtief an Bedingungen: So wollen die Essener mindestens 50 Prozent des Aktienkapitals der Abertis plus einer Aktie annehmen. Hinzu kommt: Mindestens 193,5 Millionen Abertis-Aktien müssen als Gegenleistung für Hochtief-Aktien angedient werden. Gemessen an der Gesamtmenge von rund 990 Millionen Abertis-Aktien wären dies etwa 19,5 Prozent der Anteile. 

Die Anteilseigner will das Hochtief-Management mit einer neuen Dividendenpolitik für den Zusammenschluss begeistern. Künftig soll eine höhere Dividende von bis zu 90 Prozent des ausschüttungsfähigen Jahresüberschusses der kombinierten Gruppe aus Hochtief und Abertis unter die Aktionäre verteilt werden. Einzige Voraussetzung: Das Investmentgrade-Rating von Standard & Poor's soll in jedem Fall erhalten bleiben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de