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Holcim verkauft Brasilien-Geschäft für 1 Milliarde US-Dollar

Holcim verkauft das Brasilien-Geschäft für über 1 Milliarde Dollar an einen brasilianischen Wettbewerber. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Holcim verkauft das Brasilien-Geschäft für über 1 Milliarde Dollar an einen brasilianischen Wettbewerber. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

M&A-Deal in der Baubranche: Holcim (ehemals LafargeHolcim) verkauft sein Brasilien-Geschäft für einen Unternehmenswert von 1,025 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 870 Millionen Euro) an das brasilianische Stahl- und Bergbauunternehmen Companhia Siderúrgica Nacional (CSN). Das gaben die Schweizer am heutigen Freitag bekannt. Teil der Transaktion sind fünf Zementwerke, vier Mahlwerke, sechs Zuschlagstoffwerke und 19 Transportbetonwerke.

„Diese Veräußerung ist ein weiterer Schritt in unserer Transformation zum weltweit führenden Anbieter von innovativen und nachhaltigen Baulösungen. Sie gibt uns die Flexibilität, in attraktive Wachstumsmöglichkeiten zu investieren”, begründet Vorstandschef Jan Jenisch die M&A-Transaktion. Der Schweizer Konzern durchleuchtet derzeit sein Portfolio und trennt sich von verschiedenen Einheiten. Ziel des Umbaus ist auch, stärker auf nachhaltige Geschäftsaktivitäten zu setzen.

Brasilien-Geschäft von Holcim wird mit 11,4x Ebitda bewertet

Das Brasilien-Geschäft wird ohne Schulden verkauft, teilte Holcim auf Nachfrage von FINANCE mit. Demnach fließt den Schweizern voraussichtlich fast die komplette Summe abzüglich Transaktionskosten zu. Zuvor waren Marktbeobachter allerdings von einer höheren Unternehmensbewertung ausgegangen: Anfang August dieses Jahres hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, der Geschäftsbereich könne sogar mit bis zu 1,5 Milliarden Dollar bewertet werden.

Das Brasilien-Geschäft kommt laut einer Schätzung der UBS auf einen jährlichen Umsatz von 300 Millionen US-Dollar und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 15 Millionen Dollar. Nach Einschätzungen der Investmentbank befindet sich die brasilianische Wirtschaft aber in einer Erholungsphase, sodass die Bank für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ebitda von rund 90 Millionen Dollar rechnet.

Gemessen an diesem Wert dürfte das Bewertungs-Multiple laut UBS bei 11,4x Ebitda liegen – und damit deutlich über dem Multiple von Holcim selbst, das die Analysten mit 7,3x Ebitda beziffern. Die aktuellen FINANCE-Multiples suggerieren für große Unternehmen (ab einem Umsatz von 250 Millionen Euro) aus der Baubranche ein durchschnittliches Multiple von 8,8x Ebit.

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Holcim-Analysten befürworten M&A-Deal

Für die UBS kommt der Verkauf des Brasilien-Geschäfts nicht überraschend, da die Profitabilität der Einheit in der Vergangenheit keine konstanten Levels halten konnte. Die Analysten der Züricher Kantonalbank befürworten den Verkauf, schreibt das Portal „Finanzen.ch“: Der brasilianische Zementmarkt sei stark fragmentiert und wegen Überkapazitäten stark unter Druck geraten, die Ergebnisbeiträge der vergangenen fünf Jahren seien wohl mehrheitlich negativ gewesen. Positiv sehen die Analysten zudem den Abbau des kapital- und energieintensiven Zementgeschäfts sowie den stärkeren Fokus auf margen-stärkere, spezialisiertere Geschäfte.

Der Erlös aus dem Verkauf stärkt die Unternehmensbilanz von Holcim und reduziert die Verschuldungsquote signifikant, betont der Konzern im Zuge des Deals. Darüber hinaus sollen die Verkaufserlöse für weitere Investitionen in den Geschäftsbereich „Lösungen und Produkte“ genutzt werden und damit auf der jüngsten milliardenschweren Akquisition in diesem Segment aufbauen – der Übernahme des US-Flachdachspezialisten Firestone Building Products für 3,4 Milliarden Dollar.

Der Deal hat dazu beigetragen, die Verschuldung wieder nach oben zu schrauben: Nach dem ersten Halbjahr 2021 betrugen die Nettofinanzschulden 12,4 Milliarden Schweizer Franken, das sind umgerechnet rund 11,4 Milliarden Euro. 2020 waren es noch rund 8,4 Milliarden Schweizer Franken. Die Investmentbank UBS erwartet, dass dem Konzern eine rasche Reduktion der Schulden gelingen wird: Für das laufende Jahr rechnen die Analysten mit einer Reduktion der Nettofinanzschulden auf rund 10 Milliarden Schweizer Franken, auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll sich in den kommenden Jahren positiv entwickeln. Daher rechnet die UBS zum Jahresende mit einem Leverage von 1,6x.

Holcim kämpft mit rechtlichen Altlasten

Während es an der M&A-Front gut läuft, arbeitet der Konzern an anderer Stelle noch an rechtlichen Baustellen. Die Schweizer werden mit Vorwürfen wegen möglicher Verfehlungen während des syrischen Bürgerkriegs konfrontiert. Wie das Portal „Cash.ch“ in der vergangenen Woche berichtete, ermittele nun auch das US-Justizministerium gegen den Konzern. Es geht um mutmaßliche Schutz- und Lösegeldzahlungen an islamistische Terrorgruppen. Die UBS rechnet damit, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern könnte, bis in der Sache eine Einigung erzielt wird.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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