Verstärkung für die Gabelstaplerphalanx: Kion steigt mit dem Kauf von Dematic groß ins Automatisierungsgeschäft ein

Kion

21.06.16
Deals

Kion kauft Logistiker Dematic für 3,25 Milliarden Dollar

Der Gabelstaplerhersteller Kion nimmt viel Geld in die Hand, um einen Spezialisten für Automation und Industrie 4.0 zu kaufen. Den Aktionären ist der Deal zu teuer.

Der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion kauft Dematic, einen Anbieter für Lösungen im Bereich Automatisierung und Lieferketten-Optimierung. Die Verkäufer sind die Finanzinvestoren AEA und Ontario Teachers‘ Pension Plan. Die Dematic-Holding sitzt in Luxemburg, die Europazentrale ist in Frankfurt am Main.

Für die Anteile zahlt Kion 2,1 Milliarden US-Dollar in bar, dazu kommen Verbindlichkeiten. Inklusive Schulden liegt der Kaufpreis für Dematic bei 3,25 Milliarden US-Dollar. 2015 erwirtschaftete Dematic einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 166 Millionen US-Dollar. Damit liegt die Unternehmensbewertung bei etwa dem 20-Fachen des Ebit – ein überdurchschnittlich teurer Zukauf, den die Kion-Aktionäre am Dienstag Vormittag mit einem Kursrückgang um 5 Prozent quittieren.

Dematic soll Automatisierungs-Angebot von Kion verstärken

Kion rechtfertigt den Preis mit dem starken Wachstum von Dematic, das seit 2013 bei mehr als 12 Prozent pro Jahr gelegen habe. Vor  allem aber wirbt Kion mit der Logik des Deals: Als Anbieter für Technologie, Software und Dienstleistungen rund um automatisierte Lieferketten verstärke Dematic das Angebot von Kion in diesem Bereich. Kion hat als einer der weltgrößten Gabelstaplerhersteller seine Stärken eher in der Hardware, die Kundenwünsche entwickeln sich allerdings weg vom Kauf einzelner Stapler und hin zum Bezug kompletter Logistiksysteme.

Durch die Transaktion sieht sich Kion „perfekt positioniert, um am attraktiven und profitablen Wachstum teilzuhaben, das von Megatrends wie Industrie 4.0, Digitalisierung und E-Commerce getrieben wird“. Dematic sei vor allem im Automatisierungsgeschäft in den USA und Europa stark.

Kion bezahlt Dematic mit Brückenkredit über 3 Milliarden Euro

Dematic wird bei Kion eine eigene Abteilung („Operating Unit“) bilden. Mit unter dieses Dach sollen mit Egemin und Retrotech zwei kleinere Logistik- und Automatisierungs-Firmen wandern, die Kion in den vergangenen zwölf Monaten gekauft hatte.

Kion finanziert den Deal zunächst durch einen Brückenkredit über 3 Milliarden Euro. Diesen stellen die Kernbanken des MDax-Konzerns, die Kion aber auch auf Anfrage nicht nennen wollte. Anschließend ist eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 Prozent geplant. Dadurch könnte Kion-CFO Thomas Toepfer beim gegenwärtigen Börsenkurs rund 470 Millionen Euro erlösen. Der chinesische Großaktionär Weichai, der derzeit 38,3 Prozent der Kion-Aktien kontrolliert, hat angekündigt, bei der Kapitalerhöhung mitziehen zu wollen.

Später soll der Brückenkredit dann auch durch „langfristige Kapitalmarktfinanzierungen“ abgelöst werden. Der Appetit der Investoren nach neuen Kion-Papieren dürfte hoch sein, zumal Kion derzeit nicht am Bondmarkt präsent ist. Einen Highyield-Bond über 450 Millionen Euro, der noch aus der Zeit stammte, in der Kion in Private-Equity-Hand lag, zahlte Toepfer Mitte Februar zurück. „Unsere gute Crossover-Bonität soll gewahrt bleiben“, sagte der Finanzchef zur Finanzierungsstrategie nach dem Kauf von Dematic. Standard & Poor’s bewertet kions Bonität derzeit mit BB+, das Moody’s-Rating liegt bei Ba1.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Mehr über Karriere und Werdegang des Kion-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Thomas Toepfer.