Wer macht das Rennen bei Hensoldt? Der US-Finanzinvestor KKR, der den Analysten von Warburg Research zufolge aktuell noch 68 Prozent an dem Rüstungselektronik-Hersteller hält, will bis zu 21,5 Prozent seiner Anteile verkaufen und hat bereits mehrere Angebote erhalten. Neben Interessenten wie Saab sowie den Rüstungskonzernen Leonardo aus Italien und Indra aus Spanien soll vor allem der französische Konzern Thales den Amerikanern ein „finanziell hochattraktives Angebot“ für die einstige Airbus-Tochter aus Taufkirchen gemacht haben, wie das „Manager Magazin“ einen Beteiligten zitiert. Demnach wolle man Sparten zusammenlegen und so auf lange Sicht die Führung bei Hensoldt übernehmen.
Für KKR ist es ein weiterer Schritt zum Exit: Von dem derzeit noch 68-prozentigen Anteil des Private-Equity-Investors ist bereits der Verkauf einer 25,1-prozentigen Sperrminorität an den Bund vereinbart, wenn auch offenbar noch nicht vollzogen. KKRs Rückzug begann im vergangenen September. Damals hat der Investor den Rüstungselektroniker an die Börse gebracht.
Bund hat bei Hensoldt mitzureden
Wie Hensoldt inzwischen bestätigt hat, führt KKR nun mit den Interessenten Gespräche über deren strategische Absichten. Die dürften auch den Bund interessieren, der Medienberichten zufolge 450 Millionen Euro für den Erwerb der Sperrminorität zahlt und damit deutlich mehr als den aktuellen Kurs von rund 15 Euro je Aktie. Mit dem Einstieg will der Bund „ungewollte strukturelle Entscheidungen“ bei dem Rüstungskonzern verhindern, dessen Radar- und Verschlüsselungstechnik auch bei der Bundeswehr im Einsatz ist. Hensoldt liefert unter anderem Komponenten für den Eurofighter und für Schiffe der Marine.
Der staatliche Ankeraktionär hat damit einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Handlungsoptionen der möglichen Käufer. Deren Interesse an Hensoldt ist nicht neu. Schon vor dem Einstieg des Bundes hatten Thales und Leonardo die deutsche Rüstungsschmiede ins Visier genommen.
Von Vorteil ist dabei, dass es sich bei den Interessenten um europäische Konzerne handelt. Christian Cohrs, Analyst bei Warburg Research, hält es daher für wahrscheinlich, dass der Bund dem Verkauf einer weiteren Minderheitsbeteiligung an einen europäischen Rüstungspartner grünes Licht geben dürfte. Schließlich arbeite Deutschland bei verschiedenen Rüstungsprojekten wie dem Eurofighter ohnehin bereits eng mit den europäischen Nachbarn zusammen. Es ist jedoch absehbar, dass der Bund bei der Auswahl und der Ausgestaltung der Beteiligung ein Wörtchen mitreden wird.
KKR behält Restbeteiligung
KKR, das die ehemalige Radarsparte von Airbus im Jahr 2017 übernommen hat, käme dem Ausstieg aus dem Investment damit einen weiteren Schritt näher. Abzüglich der Aktienpakete an den Bund sowie den nun zu findenden neuen Investor, behielte das Private-Equity-Haus noch einen Anteil von 18 Prozent. Eine Beteiligung in dieser Größenordnung könnte KKR perspektivisch ohne große Schwierigkeiten über die Börse weiter abverkaufen.
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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
