Der Börsengang des Ulmer Rüstungskonzerns Hensoldt verlief schleppend.

Hensoldt

25.09.20
Finanzierungen

Auch der IPO von Hensoldt enttäuscht

Wie zuletzt der Wohnmobil-Hersteller Knaus Tabbert konnte auch der Rüstungskonzern Hensoldt nur mit großen Abstrichen an der Börse platziert werden. Warum sich das Investment für KKR trotzdem noch lohnen könnte.

Es sind dieser Tage vor allem die Private-Equity-Investoren, die den deutschen IPO-Markt am Laufen halten: Am heutigen Freitag gingen die Aktien des Rüstungselektronikkonzerns Hensoldt an der Frankfurter Börse in den Handel. Der Start verlief allerdings enttäuschend: Die Aktie gab zunächst um knapp 10 Prozent nach und notierte am frühen Vormittag nur bei rund 10,80 Euro.

Dass die Investoren dem Finanzinvestor KKR die Aktien von Hensoldt wohl nicht aus der Hand reißen würden, deutete sich bereits am Vorabend an, als das Unternehmen den endgültigen Angebotspreis bekannt gab. Dieser lag mit 12 Euro am untersten Ende der avisierten Preisspanne, die bis 16 Euro reichte. 

Hensoldt ist 2,3 Milliarden Euro wert

Insgesamt wurden nun 38,3 Millionen Aktien zugeteilt, was einem Emissionserlös von rund 460 Millionen Euro entspricht. Dem Unternehmen selbst fließen dabei rund 300 Millionen Euro zu. Der Finanzinvestor KKR erlöst mit dem IPO zunächst 160 Millionen Euro, wird jedoch weiterhin rund 60 Prozent der Aktien halten. Der erwartete Streubesitz der Hensoldt-Aktien beträgt rund 37 Prozent.

Hensoldt kommt zum Zeitpunkt des Börsengangs damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,3 Milliarden Euro. Inklusive Schulden bringt der Konzern rund 2,3 Milliarden Euro Unternehmenswert auf die Waage. Marktexperten hatten mit einer Bewertung von 2,5 bis 3 Milliarden Euro gerechnet. 

Als KKR im März 2016 die Mehrheit an Hensoldt von dem Flugzeugbauer Airbus übernahm, bezahlte der Finanzinvestor inklusive Schulden 1,1 Milliarden Euro. Seit September 2018 war KKR Alleineigentümer. 

Für KKR könnte sich Hensoldt-Investment noch lohnen

Über die Jahre tätigte KKR für Hensoldt sechs Add-on-Transaktionen. Der Umsatz legten von 2017 bis 2019 jährlich im Schnitt um 4,6 Prozent zu und beläuft sich nun auf 1,1 Milliarden Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich von 15,2 Prozent auf 19,3 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2019 bei 216 Millionen Euro.

Die Investoren scheinen diese Wachstumszahlen an der Börse jedoch nicht zu goutieren. Für KKR könnte sich das Investment trotz der Abstriche beim IPO trotzdem lohnen. Für gewöhnlich investiert ein Private-Equity-Investor pro Transkation rund 50 Prozent Eigenkapital. Bei einem Unternehmenswert von 1,1 Milliarden Euro wären das bei KKRs Einstieg rund 500 Millionen Euro gewesen. 

Aktuell ist Hensoldt an der Börse rund 1,2 Milliarden Euro wert. KKR sind davon rund 720 Millionen Euro zuzurechnen. Addiert man dazu noch die 160 Millionen Euro, die KKR bereits erlöst hat, dürfte das Eigenkapital-Investment von KKR bei Hensoldt derzeit in etwa rund 880 Millionen Euro wert sein. Nach derzeitigem Stand hätte KKR seinen Equity-Einsatz in vier Jahren noch nicht einmal verdoppelt - eine eher durchschnittliche Performance für ein Private-Equity-Investment, die sich allerdings noch deutlich verbessern kann, sollte der Aktienkurs von Hensoldt bis zu KKRs vollständigem Ausstieg noch steigen. 

Auch der IPO von Knaus Tabbert misslang

Eine ähnliche Skepsis wie bei Hensoldt zeigten Investoren vor wenigen Tagen auch beim Börsengang von Knaus Tabbert. Der Wohnmobil-Herstellers befindet sich ebenfalls in Private-Equity-Hand und gehört dem Finanzinvestor HTP, der mit dem IPO ebenfalls weniger verdiente als geplant. Auch Knaus Tabbert wurde mit 58 Euro nur am untersten Ende der Preisspanne platziert.

Deutlich besser lief es dagegen für Bentley Systems. Das Software-Unternehmen feierte sein Börsen-Debüt aber auch nicht in Frankfurt sondern in den USA an der Nasdaq. Die Aktien der Siemens-Beteiligung wurden zu 22 Dollar zugeteilt – einem Preis, der über der bereits angehobenen Preisspanne von 19 bis 21 Dollar lag. Bentley Systems wird nun mit mehr als 5,7 Milliarden Dollar bewertet.

In Deutschland dagegen ist das Markumfeld für Börsengänge nicht zuletzt aufgrund der Coronavirus-Pandemie derzeit nicht das Beste. Obwohl sich die Aktienmärkte wieder etwas beruhigt haben, sind viele Investoren weiterhin vorsichtig was Neu-Investments anbelangt. 

Langfristig könnte KKR mit der börsennotierten Hensoldt dennoch Freude haben, denn Rüstungskonzerne wie Hensoldt oder Rheinmetall profitieren davon, dass Regierungen weltweit immer mehr Geld für das Militär ausgeben. Hensoldt hat derzeit beispielsweise einen Großauftrag zur Modernisierung des Radars der deutschen und spanischen Eurofighter-Flotte, der dem Unternehmen 1,4 Milliarden Euro einbringen soll. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de