Knorr-Bremse will den Kampf um Haldex unbedingt gewinnen.

Haldex

16.09.16
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Knorr-Bremse bietet Ebit-Multiple von 18x für Haldex

Der Übernahmekrimi um Haldex steuert auf seinen Höhepunkt zu: Heute hat Knorr-Bremse das Angebot von ZF Friedrichshafen erneut überboten. Der Bremssystemhersteller ist sogar bereit, einen Ebit-Multiple von 18x zu zahlen.

Der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse will Haldex unbedingt haben: Im Übernahmekampf um den schwedischen Konkurrenten hat das Unternehmen jetzt sein Barangebot an die Haldex-Aktionäre noch einmal erhöht. Knorr-Bremse bietet 125 Schwedische Kronen (SEK) je Aktie, das sind 15 SEK mehr als bei dem jüngsten Angebt von Knorr-Bremse vor rund zehn Tagen.  

Knorr-Bremse überbietet mit seiner neuen Offerte auch seine Mitbewerber vom Bodensee deutlich: Das neue Angebot ist ein Aufschlag von 13,6 Prozent im Vergleich zu der Offerte, die ZF Friedrichshafen vor wenigen Tagen vorgelegt hat. Die Knorr-Bremse-Offerte bietet einen Aufschlag von 46,6 Prozent auf den letzten Schlusskurs von Haldex vor Bekanntwerden der Übernahmeschlacht. Als erster hatte der Konkurrent SAF Holland Mitte Juli ein erstes Angebot abgegeben, inzwischen ist SAF Holland aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen.

Insgesamt bietet Knorr-Bremse 5,53 Milliarden Schwedische Kronen, das sind umgerechnet fast 580 Millionen Euro. Inklusive der Nettofinanzverschuldung von Haldex, die Ende Juni 2016 bei 500 Millionen SEK (rund 52 Millionen Euro) lag, bewertet Knorr-Bremse Haldex mit 632 Millionen Euro. Bei einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Geschäftsjahr 2015 von umgerechnet 35 Millionen Euro würde Knorr-Bremse damit ein Ebit-Multiple von rund 18x zahlen.

Knorr-Bremse hat Mindestannahmeschwelle empfindlich gesenkt

Um die Haldex-Aktionäre von dem Angebot zu überzeugen, hat Knorr-Bremse außerdem die Mindestannahmeschwelle von 90 Prozent auf 50 Prozent signifikant gesenkt. Das Unternehmen hat bereits weitere Anteile von Haldex erworben und hält inzwischen 11,35 Prozent an dem schwedischen Unternehmen.

Mit diesem neuen Vorstoß fährt Knorr-Bremse schwere Geschütze für die Übernahme auf. Bisher sah es so aus, als hätte Konkurrent ZF Friedrichshafen die Nase vorn. Erst vor wenigen Tagen hatte ZF sein Angebot auf 110 SEK aufgestockt und hat damit mit dem vorherigen Angebot von Knorr-Bremse gleichgezogen. Allerdings hatte ZF einen anderen Trumpf in der Hand: Der Konzern teilte mit, es hätten bereits mehrere Investoren eine Verkaufsvereinbarung für ihre Anteile mit ZF abgeschlossen.

Zusammen mit den rund 4 Prozent, die ZF bereits selbst hält, kontrolliert das deutsche Unternehmen nach eigenen Angaben damit einen Anteil von rund 21 Prozent an Haldex. Das Board of Directors bei Haldex hat sich außerdem einstimmig auf die Seite von ZF gestellt. Auch ZF hatte die Mindestannahmeschwelle vor wenigen Tagen von 90 Prozent auf 50 Prozent reduziert.

ZF Friedrichshafen hat die bessere Verhandlungsposition

ZF hat einen weiteren Vorteil: Das Unternehmen hat laut eigener Aussage die kartellrechtlichen Freigaben beisammen. Das ist bei Knorr-Bremse nicht der Fall, weil Knorr-Bremse und Haldex in einem sehr ähnlichen Bereich tätig sind. Es wird erwartet, dass es bei der kartellrechtlichen Freigabe zu einigen Hürden kommt. Knorr-Bremse will alle Zweifel aus der Welt schaffen: „Wir betonen, dass wir absolut überzeugt sind, die Transaktion erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, lässt sich Knorr-Bremse-Chef Klaus Deller zitieren.

Begonnen hatte der Übernahmekampf um Haldex Mitte Juli, als der Nutzfahrzeughersteller SAF Holland umgerechnet rund 450 Millionen Euro für Haldex geboten hat. Nachdem ZF Friedrichshafen im August erhöht hatte, war SAF allerdings ausgestiegen. Anfang September war schließlich Knorr-Bremse in die Übernahmeschlacht eingestiegen. Alle Bieter erhoffen sich, durch den Deal einen großen Schritt bei dem Zukunftsthema Automatisierungslösungen bei Fahrzeugen voranzukommen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de