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02.08.18
Deals

Leifeld: Börse statt Chinesen

Nach dem Platzen des geplanten Verkaufs nach China wegen eines drohenden Vetos aus Berlin soll der Maschinenbauer Leifeld nun an die Börse gehen. Eigentümer Georg Kofler spart nicht mit Kritik an dem vereitelten M&A-Prozess.

Der westfälische Maschinenbauer Leifeld Metal Spinning wird keinen chinesischen Eigentümer bekommen: Das chinesische Unternehmen Yantai Taihai wollte das Ahlener Unternehmen eigentlich über eine französische Tochter übernehmen, nimmt jetzt aber Abstand von dem Deal: „Der Interessent hat seinen Antrag auf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung beim Wirtschaftsministerium zurückgezogen“, sagte Leifeld-Hauptaktionär Georg Kofler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Grund für den Rückzug: die politischen Bedenken der Bundesregierung. Der chinesische Käufer wie auch der Ahlener Mittelständler sind auch im Nukleargeschäft aktiv, was Sicherheitsbedenken gegenüber der Transaktion auslöste. Obwohl die Chinesen mit ihrem freiwilligen Rückzug einem Veto des Bundeswirtschaftsministeriums zuvorkamen, hat das Bundeskabinett einen Verkauf von Leifeld nach China im Nachgang trotzdem noch vorsorglich untersagt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Kreise des Wirtschafsministeriums.

Kofler will Umsatz von Leifeld mehr als verdoppeln

Leifeld-Eigentümer Georg Kofler, lange Jahre Chef des TV-Konzerns ProSiebenSat.1, kritisierte die Haltung des Bundesregierung: „Wir glauben, dass diese sicherheitspolitischen Bedenken nicht angebracht sind.“ Man habe es aber nicht geschafft, sie zu entkräften. Kofler zufolge ist der Kaufvertrag schon vor einem Jahr unterschrieben worden. Doch die Ansicht der Dealpartner, der anschließende Genehmigungsprozess aus Berlin sei keine große Hürde mehr, erwies sich als Fehleinschätzung.
 
Kofler hat aber bereits ein Alternativplan angestoßen: Er will Leifeld nun an die Börse bringen. Mehr als 50 Prozent Streubesitz und ein Handel im regulierten Markt werden angestrebt. „Das soll möglichst noch in diesem Jahr über die Bühne gehen“, sagt Kofler.

Leifeld benötigt frisches Kapital, um seinen Expansionskurs fortzusetzen. Das Unternehmen, das mit 200 Mitarbeitern hochfeste Materialien zum Beispiel für die Luft- und Raumfahrt-, aber auch die Atomindustrie herstellt, operiert seit längerem an der Kapazitätsgrenze. Mit einem IPO-Erlös würde Kofler die Kapazitäten ausbauen, die Auslandsexpansion vorantreiben und außerdem auch versuchen, Zukäufe einzufädeln. Aktuell liegt der Umsatz nur bei 40 Millionen Euro. Koflers Ziel sind aber 100 Millionen.

Umfeld für chinesische Investitionen wird schwieriger

Obwohl es sich bei Leifeld um ein kleines Unternehmen handelt, hat die Intervention aus Berlin Signalwirkung. Leifeld ist schon der zweite Deal in kurzer Zeit, der auf Einwirken der Regierung hin platzt, ohne, dass sie ein Verbot aussprechen muss: Erst vor wenigen Tagen beendete Berlin die Übernahmeversuche des chinesischen Stromnetzbetreibers SGCC bei 50 Hertz, indem sie die Staatsbank KfW ein großes Aktienpaket kaufen ließ.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de