M&A-Deals: BASF, Deutz, Wolf-Gruppe

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BASF gliedert das Lackgeschäft gemeinsam mit Carlyle aus. Foto: SNEHIT PHOTO - stock.adobe.com
BASF gliedert das Lackgeschäft gemeinsam mit Carlyle aus. Foto: SNEHIT PHOTO - stock.adobe.com

BASF gliedert Lacksparte aus

BASF setzt seine Restrukturierung fort und gliedert die Geschäftseinheiten Fahrzeugserienlacke, Autoreparaturlacke und Oberflächentechnik (Coatings) aus. Die Private-Equity-Gesellschaft Carlyle, in Partnerschaft mit der Qatar Investment Authority, erwirbt 60 Prozent des Unternehmens. BASF behält die restlichen 40 Prozent der Anteile. BASF Coatings ist in Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien-Pazifik tätig und erzielte 2024 einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro.

Der Unternehmenswert der Transaktion wird mit 7,7 Milliarden Euro beziffert. Nach Abschluss soll BASF 5,8 Milliarden Euro erhalten. Der neue Mehrheitseigner Carlyle kennt sich in der Branche aus und hat in der Vergangenheit mit Axalta, Atotech und Nouryon bereits Carve-outs in der Chemie- und Industriebranche als eigenständige Unternehmen etabliert.

Deutz will bei Arx Robotics einsteigen

Deutz will sich als Lead-Investor an der strategischen Finanzierungsrunde von Arx Robotics beteiligen und sich so eine Minderheit an dem deutschen Rüstungs-Scale-up sichern. Abgeschlossen werden soll die Finanzierungsrunde in den kommenden Wochen. 

Laut Deutz ist das Investment Teil einer geplanten strategischen Partnerschaft mit Arx Robotics, für die bislang aber lediglich eine unverbindliche Absichtserklärung geschlossen wurde. Demnach will Deutz seine Antriebssysteme für den Einsatz in unbemannten Landfahrzeugen von Arx Robotics sowie mobile Energieinfrastruktur und sein globales Produktionsnetzwerk bereitstellen.

Wolf-Gruppe wird britisch

Einer der größten deutschen Wursthersteller ist künftig in britischer Hand. Die Wolf-Gruppe wird von der Morliny Foods Holding übernommen. Der bayerische Wursthersteller soll dabei weiter unter der Leitung von Christian Wolf und der bestehenden Geschäftsführung bleiben. Von der Übernahme durch Morliny Foods erhofft sich die Wolf-Gruppe neue Wachstumschancen und eine internationalere Ausrichtung.

Der Käufer möchte mit der Übernahme des Unternehmens mit rund 1.800 Mitarbeitern die eigene Präsenz in Europa stärken und das Geschäft mit Fleischwaren und Convenience-Produkten weiter ausbauen. Morliny Foods selbst ist Teil der WH Group, einem chinesischen Unternehmen, welches zu den weltweit größten Fleischproduzenten und -verarbeitern gehört.

Funke Digital kauft Kitchen Stories

Funke Digital erweitert seine Präsenz im Food-Segment durch die Übernahme der Kochplattform Kitchen Stories. Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 wurde die App von Kitchen Stories über 25 Millionen Mal installiert. Funke Digital sieht in der Übernahme von Kitchen Stories eine strategische Investition, um die Position als Digital-Publisher im Food-Bereich in der DACH-Region weiter auszubauen.

Die Integration von Kitchen Stories soll technologische Innovationen fördern und die Plattform als bevorzugten digitalen Kochbegleiter etablieren. Funke Digital ist die Digitalgesellschaft der Funke Mediengruppe und bündelt die digitalen Aktivitäten des Konzerns in den Bereichen Content, Plattformen und Technologie. Baker Tilly stand Funke Digital bei der Transaktion beratend zur Seite.

Nürnberger geht nach Österreich

Die Übernahme der Nürnberger Versicherung durch die Vienna Insurance Group (VIG) ist in trockenen Tüchern. Nachdem die Nürnberger Anfang der Woche mitgeteilt hatte, dass die VIG dem Vorstand ein unverbindliches Angebot an die Aktionäre in Höhe von 115 Euro pro Aktie vorgelegt hatte, meldet der Versicherer heute die Unterzeichnung der Zusammenschlussvereinbarung.

Die Österreicher haben ihr Angebot im Gegensatz zum unverbindlichen Angebot von Anfang der Woche sogar noch einmal erhöht. Der Angebotspreis wird 120 Euro pro Nürnberger Aktie betragen, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Dies entspricht einem Aufschlag von 173 Prozent im Vergleich zum unverzerrten volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs der Aktie. 

VIG hat der Nürnberger im gleichen Zug mitgeteilt, dass sie bereits unwiderrufliche Andienungsvereinbarungen unter anderem mit mehreren Großaktionären über die Einlieferung ihrer Aktien in das Angebot abgeschlossen hat, die zusammen rund 64,4 Prozent des Grundkapitals der Nürnberger ausmachen. Die beteiligten Parteien planen, die Aktien der Versicherungsgesellschaft von allen Handelsplätzen zu entfernen, sobald die Transaktion abgeschlossen ist.

Weitere M&A-Deals

Birkenstock übernimmt den langjährigen Vertriebspartner Birkenstock Australia. Von der Übernahme erhofft sich Birkenstock, den größten Markt innerhalb des asiatisch-pazifischen Raums weiter für sich zu erschließen. Im Zuge der Transaktion übernimmt die Tochtergesellschaft Birkenstock International Asia alle Verträge, Vermögenswerte und Mitarbeiter des ehemaligen Distributionspartners. Birkenstock Australia, mit Sitz in Melbourne, betreibt zwei eigene Geschäfte, einen Onlineshop und ein Vertriebsnetz mit über 300 Partnern. Zuletzt konnten die Australier einen Jahresumsatz von 88,6 Millionen Australischen Dollar (rund 49,4 Millionen Euro) erwirtschaften.

Fresenius hat den Deal über den Verkauf des österreichischen Unternehmens Vamed neu strukturiert. Anstelle der ursprünglichen Vereinbarung mit einem Konsortium aus Porr und Strabag, schloss Fresenius nun einen direkten Vertrag mit Porr über den Verkauf des Projektgeschäfts und des Thermenbetriebs der Vamed Vitality World. Die Zustimmung der Behörden steht noch aus. Parallel dazu führt Fresenius Gespräche mit Strabag über das Betriebsführungsgeschäft des Allgemeinen Krankenhauses Wien. Diese Schritte sind Teil der Strategie, sich auf Fresenius Kabi und Fresenius Helios zu konzentrieren.

Rheinmetall will ein Joint Venture mit dem größten polnischen Rüstungsunternehmen gründen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Vertreter von Rheinmetall und der Polska Grupa Zbrojeniowa (PGZ). PGZ ist eine von der polnischen Regierung gegründete Holdinggesellschaft, die polnische Staatsunternehmen der Verteidigungsindustrie zusammenführt. Mit dem Jointventure soll ein europäisches Zentrum für Unterstützungsfahrzeuge geschaffen werden, das Bergepanzer, gepanzerte Pionierfahrzeuge mit Minenräumfähigkeit sowie gepanzerte Brückenlegefahrzeuge herstellen soll.

Die Laumann Group übernimmt die britische Epwin Group im Rahmen eines empfohlenen Arrangement-Plans. Die Transaktion bewertet das gesamte Aktienkapital von Epwin mit 167,3 Millionen Pfund Sterling (rund 192 Millionen Euro). Laumann bietet 120 Pence (rund 1,38 Euro) pro Aktie, was einem Aufschlag von 31,9 Prozent entspricht. Die Übernahme soll Laumanns Wachstumspläne in Großbritannien beschleunigen und Synergien schaffen. Die Laumann Group bietet verschiedene Produkte und Services für die Baubranche, unter anderem Fensterprofile aus PVC oder Aluminium, aber auch digitale Lösungen und SAP-Beratung. Houlihan Lokey war als exklusiver Finanzberater von Laumann tätig.

Bertrand steigt in die skandinavische Bahnindustrie ein. Zusammen mit dem norwegischen Partner Dahlrail konnte sich das baden-württembergische Unternehmen einen Rahmenvertrag mit dem norwegischen Staatsunternehmen Norske tog sichern. Diese Partnerschaft ermöglicht die Entwicklung und Montage von Bauteilen, einschließlich Re-Engineering von Hard- und Softwarekomponenten für Schienenfahrzeuge. Bertrandt erweitert damit sein Portfolio im Bereich Engineering.

Die taiwanesische MPI Corporation erwirbt 100 Prozent der Anteile an Automatisierungstechnik Voigt. Mit dieser Übernahme plant MPI, seine Präsenz in Europa zu stärken und die Betriebsabläufe sowie den technischen Support vor Ort zu verbessern. ATV, ein in Dresden ansässiges Unternehmen, bietet seit über 20 Jahren Automatisierungslösungen für die Halbleiterindustrie an. Die Kanzlei Gleiss Lutz beriet MPI bei diesem Deal.

Deals in Verhandlung

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von bis zu 100 Prozent der Anteile von Curevac durch Biontech genehmigt. Die Transaktion erfolgt durch einen Aktientausch, wobei jede Curevac-Aktie in Biontech-ADSs getauscht wird. Pro Aktie zahlt das Mainzer Unternehmen rund 5,46 US-Dollar (circa 4,72 Euro), was einer Bewertung von circa 1,25 Milliarden US-Dollar (circa 1 Milliarde Euro) impliziert. Die Übernahme soll Biontechs Position in der mRNA-Industrie stärken und die Fähigkeiten in der Krebsimmuntherapie erweitern.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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