Bertelsmann könnte Penguin Random House übernehmen.

Bertelsmann

20.01.17
Deals

M&A-Deals: Bertelsmann, Concardis, Daimler

Bertelsmann könnte die weltgrößte Buchverlagsgruppe komplett übernehmen, Advent und Bain kaufen Concardis und Daimler rüstet digital auf. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

Private Equity fließt immer mehr Geld zu. Die Folge: Die Konkurrenz um Zukaufsziele wird schärfer. Das treibt Kaufpreise und Leverage-Grade in die Höhe und macht es den Private-Equity-Häusern damit immer schwerer, den Wert ihrer Beteiligungen über die Haltedauer hinweg zu steigern. Wie die Branche damit umgeht, diskutieren namhafte Fondsmanager auf der Deutschen Investorenkonferenz am 13. November in Frankfurt. Hier geht es zu Programm und Anmeldung »

Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

Bertelsmann ist an Penguin Random House interessiert

Das Medienunternehmen Bertelsmann könnte seinen Anteil von 53 Prozent an der weltgrößten Buchverlagsgruppe Penguin Random House erhöhen. Der britische Bildungsverlags Pearson will seine Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen verkaufen. Pearson rechnet in den nächsten zwei Jahren mit schwächeren Ergebnisse, 2017 soll der Betriebsgewinn bei 570 bis 630 Millionen Pfund liegen.

Bertelsmann könnte mit einer Übernahme seine Präsenz auf dem Zielmarkt USA verstärken. „Wir sind offen, unsere Anteile an Penguin Random House aufzustocken, sofern die wirtschaftlichen Konditionen angemessen sind“, kündigte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe an.

Advent und Bain übernehmen Concardis

Die beiden Private-Equity-Häuser Advent und Bain kaufen den Zahlungsverkehrspezialisten Concardis. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Nach FINANCE-Informationen kostet die Übernahme aber mehr als 600 Millionen Euro. Medienberichten zufolge war auch ein Private-Equity-Konsortium um CVC und Bridgepoint an einer Übernahme interessiert.

An Concardis sind rund 30 Banken und Verbände beteiligt, der Umsatz lag 2015 bei 480 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr soll sich das Geschäft Insidern zufolge gut entwickelt haben. Dementsprechend dürfte der Umsatz mittlerweile die 500-Millionen-Euro-Marke geknackt haben. Concardis wurde bei dem Deal von einem Team der Sozietät GvW um den Frankfurter Lead Partner Markus Rasner beraten.

Daimler übernimmt Bezahldienstleister Paycash

Der Autohersteller Daimler übernimmt über die Daimler Financial Services den elektronischen Zahlungsdienstleister Paycash. Das Unternehmen soll künftig den Namen Mercedes Pay tragen und in die Daimler Mobility Services, eine Tochtergesellschaft von Daimler Financial Services, integriert werden. Daimler-CFO Bodo Uebber sieht die Übernahme einer Mitteilung zufolge als elementaren „Bestandteil unserer Mobilitäts- und Digitalisierungsstrategie“ an. Mercedes Pay soll die Bezahlung der Mobilitäts- und Dienstleistungsservices via Smartphone möglich machen. Über die Details des Deals ist nichts bekannt.

Eneco kauft 50 Prozent an Lichtblick

Deutschlands größter Ökostromanbieter Lichtblick verkauft 50 Prozent seiner Anteile an das niederländische Energieunternehmen Eneco. Gemeinsam wollen sie grüne Energieprodukte und Dienstleistungen in Deutschland, den Niederlanden, aber auch in anderen europäischen Ländern anbieten. Lichtblick setzt jährlich knapp 700 Millionen Euro um und schreibt nach eigenen Angaben seit Jahren schwarze Zahlen. Eneco setzt mehr als vier Milliarden Euro um.

Haupteigner von Lichtblick war der Hamburger Millionär Michael Saalfeld. Wie hoch seine Anteile bisher waren, ist nicht bekannt. Im Zuge des Deals haben die beiden Gründer Michael Saalfeld und Heiko von Tschischwitz sowie zusätzliche Investoren jeweils 50 Prozent ihrer Anteile an Eneco abgeben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Eneco wurde von Luther (Federführung: Philipp Dietz und Michael Krömker) beraten.

M&A-Personalien

Burkhard Weber verstärkt das Deutschland-Geschäft von Raymond James. Europachef Melville Mummert hat den Industrials-Experten Weber von Lincoln abgeworben. Bei Lincoln war der 49-Jährige zuletzt Managing Director, die gleiche Position wird er auch bei Raymond James einnehmen.

Der langjährige IMAP-Partner Mathias Weidner verantwortet jetzt das Business Development bei der Deutschen Private Equity. Auf einem neu geschaffenen Posten soll Weidner den Bereich Business Development als Senior Partner verantworten und die Marktaktivitäten voranbringen. M&A-Experte Weidner gilt als gut vernetzt am Markt – von 1998 bis 2016 begleitete er bei der M&A-Beratung IMAP Transaktionen vorwiegend im Mittelstand. IMAP dagegen verstärkte sich zu Jahresbeginn mit dem 40-jährigen Henning Graw als neuem Partner von IMAP M&A Consultants.

Die Insolvenz- und Restrukturierungsgesellschaft Beck Rechtsanwälte schließt sich zum 1. Februar der Rechtsanwaltskanzlei Pluta an. Beck beschäftigt 16 Mitarbeiter am Standort Stuttgart.

Die globale Wirtschaftskanzlei Dentons hat sich mit Partner Richard Fagerer erweitert. Der 37-Jährige schließt sich dem Münchner Büro an und wird von dort aus Deutschland und Europa zu US-amerikanischem Recht insbesondere bei gesellschaftsrechtlichen Themen sowie im Bereich M&A beraten. Richard Fagerer war seit 2015 bei King & Wood Mallesons und davor bei Norton Rose Fulbright tätig.

Weitere M&A-Deals

Der Schweizer Molkereikonzern Emmi hat den italienischen Desserthersteller Italian Fresh Foods übrnommen. Im Bereich Dessert hatte Emmi in der Vergangenheit die italienischen Dessertspezialisten A-27 im Jahr 2012 und Rachelli im Jahr 2013 übernommen.

Die Norma Group, die Verbindungstechnologie entwickelt, hat das portugiesische Unternehmen Lifial übernommen. Lifial ist Produzent von Metallschellen zur Anwendung in der Industrie und Landwirtschaft. Die Portugiesen konnten 2015 einen Umsatz von 8 Millionen Euro erwirtschaften und haben ihre Kunden in Europa und Nordafrika.

Der Verkauf des insolventen Modeunternehmens Wöhrl wird weiter forciert. Gegenüber der Wirtschaftswoche betonte Restrukturierungsvorstand Christian Gerloff, dass der Investorenprozess bis Ende des Monats beendet sein solle. Demnach seien derzeit noch vier Interessenten im Rennen.

Der Nahrungsmittelhersteller Hochland übernimmt den drittgrößten US-Frischkäsehersteller Franklin Foods. Bei dem Deal wurde Hochland von Raymond James European Advisory beraten, das Team wurde von Monika Nickl, Melville D. Mummert und Sebastian Knackfuß gebildet.

Die japanische Handelsgesellschaft Sumitomo beteiligt sich mit 25 Prozent am Automobiltechniker Hay und erwirbt dafür die entsprechenden Anteile von Musashi Seimitsu Industry. Hay produziert Motoren-, Getriebe- und Fahrwerkteile für Automobil- und Motorradhersteller und hat rund 2.800 Mitarbeiter. Sumitomo wurde bei der Minderheitsbeteiligung von Gleiss Lutz beraten (Federführung: Michael Burian).

Wie die italienische Zeitung "Messagero" berichtet, gibt es Spekulationen über den Einstieg der Fluggesellschaft Etihad bei der Deutschen Lufthansa. Demnach sei eine Übernahme von 30 bis 40 Prozent der Aktien möglich, dies solle im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei Lufthansa geschehen. Reuters hingegen berichtet von Insideraussagen, die diese Spekulationen dementieren, eine Beteiligung sei demnach momentan nicht im Gespräch. Dem Manager Magazin zufolge bestreitet auch Etihad-Chef James Hogan derartige Pläne.

Der Oberflächenspezialist Nanogate übernimmt seine Tochtergesellschaft Nanogate PD Systems für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag vollständig. Damit schließt Nanogate den Übernahmeprozess des Kunststoffspezialisten ab, der 2012 mit der Übernahme von zunächst 35 Prozent begonnen und seither sukzessive fortgesetzt wurde.

Der Stadtwerkeverbund Thüga beteiligt sich an dem Start-up Home & Smart aus Karlsruhe. Home & Smart verfügt über Expertise im Bereich des smarten Wohnens durch digitale Vernetzung. Thüga beteiligt sich zunächst mit 8 Prozent und hat die Option, ihren Anteil später zu erhöhen.

Der IT-Dienstleister MSG Systems plant die vollständige Übernahme des Software- und Beratungsunternehmens MSG Life. Derzeit ist MSG Systems mit 49,09 Prozent die Hauptaktionärin bei MSG Life. Als Preis werde den Aktionären der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis angeboten, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. MSG Life plant ein Delisting von der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der Navi-Hersteller Tom Tom aus den Niederlanden übernimmt das Berliner Start-up Autonomos. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Autonomos ist auf Technologie für autonome, also fahrerlose, Autos spezialisiert. Beraten wurde Tom Tom von Bird & Bird (Federführung: Stefan Münch) beraten.

Das Joint Venture Sempermed USA wird künftig vollständig der österreichischen Semperit Gruppe, die in der Gummindustrie tätig ist, gehören. Darauf einigten sich die beiden bisherigen Inhaber Semperit und das thailändische Unternehmen Sri Trang. Die Übernahme ist Teil mehrerer Vereinbarungen, die im Rahmen der fast vollständigen Beendigung der gemeinsamen Geschäftsaktivitäten der beiden Unternehmen getroffen wurden.

Die Beteiligungsgesellschaft Capvis wird über den Fonds Capvis Equity IV LP neuer Haupteigentümer der Technologiegruppe Felss. Dafür übernimmt Capvis Aktien der bisherigen Alleingesellschafterin Christine Kienhöfer. Finanzielle Details des Deals sind nicht bekannt. Kienhöfer bleibt weiterhin an Felss beteiligt. Die Felss Gruppe wurde bei der Transaktion von IMAP mit dem juristischen Team um Antje Becker-Boley von CMS beraten.

Insiderinfos von Reuters zufolge blockiert das Land Hessen Fortschritte bei der Fusion zwischen der London Stock Exchange (LSE) und der Deutschen Börse. Das Land habe demnach aufgrund des anstehenden Brexits starke Bedenken gegen die Fusion, da die Holdinggesellschaft der fusionierten Börse in London angesiedelt sein soll. Die Genehmigung der hessischen Börsenaufsicht ist Voraussetzung für die Fusion von LSE und Deutscher Börse.

Der Hightech-Konzern Euromicron hat über seine Tochtergesellschaft Telent die Mehrheit am IT-Dienstleister Koramis übernommen. Mit der Übernahme soll die Telent-Wertschöpfungskette um den Bereich Cybersecurity für kritische Infrastrukturen und industriele Infrastrukturen erweitert werden. Zu finanziellen Details des Deals wurden keine Angaben gemacht.

Der Industriekonzern Evonik Industries hält nun einen Minderheitsanteil am amerikanischen Unternehmen Nanotech Industrial Solutions (NIS) mit Sitz in Avenel, USA. NIS ist im Bereich der Hochleistungsadditive tätig und plant, die erhaltenen Gelder in weiteres Wachstum zu investieren. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Solutions 30, das Lösungen für neue Technologien anbietet, übernimmt 51 Prozent von ABM Communication, das auf technologische Komplettlösungen spezialisiert ist. Teil des Deals ist auch die Option für Solutions 30, die restlichen Anteile innerhalb der kommenden vier Jahre zu übernehmen. ABM hat seinen Sitz in der Region Stuttgart und beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter.

Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Auden übernimmt im Rahmen einer Finanzierungsrunde einen Anteil von 10 Prozent an dem Start-up Jim Drive. Das Unternehmen sieht sich als „digitaler“ Wettbewerber zum ADAC. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Katjesgreenfood hat ihre Anteile an Veganz, eine Handelskette für vegane Lebensmittel von 5 auf 11 Prozent erhöht. Dies erfolgte auf Basis einer Option und einer Bewertung von 43 Millionen Euro. Das Unternehmen befindet sich momentan in der Restrukturierung.

Die Basler Versicherungen trennen sich von ihrer Beteiligung am Maklerhaus Assekuranz Herrmann. Käufer ist die Artus Gruppe. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Die Private-Equity-Gesellschaft Anacap Financial Partners hat eine Mehrheitsbeteiligung an dem Zahlungsinstitut für Online-Paymentverfahren Heidelberger Payment erworben. Anacap wurde von Norton Rose Fulbright unter der Federführung von Frank Henkel beraten.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Pinova Capital hat die Wertheimer Weetech, einen Anbieter von Kabel- und Funktionstestsystemen, übernommen. Beraten wurde Pinova von Shearman & Sterling unter der Federführung von Winfried M. Carli.

Der PE-Investor TA Associates hat den deutschen Anbieter von Cloud-Lösungen Think! Project übernommen. Das Unternehmen wurde vom Gründer Thomas Bachmaier sowie dem KMU-Investor Walter Beteiligungen und Immobilien veräußert. Ashurst hat die NIBC Bank und die SEB bei der Finanzierung des Erwerbs beraten (Federführung: Anne Grewlich). TA Associates hatte Willkie Farr & Gallagher mandatiert. Die Verkäufer wurden von der Anwaltskanzlei Noerr unter der Federführung von Florian Becker sowie GCA Altium beraten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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