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M&A-Deals: Deutsche Börse, Henkel, Egym

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Die Deutsche Börse übernimmt für mehr als 5 Milliarden Euro Allfunds. Foto:  PhotoGranary - stock.adobe.com
Die Deutsche Börse übernimmt für mehr als 5 Milliarden Euro Allfunds. Foto:  PhotoGranary - stock.adobe.com

Milliarden-Deal bei der Deutschen Börse

Nach dem Start exklusiver Gespräche im vergangenen Jahr ist es nun offiziell: Die Deutsche Börse übernimmt den spanisch-britischen Fondsvertriebsspezialisten Allfunds. Der Gesamtwert der Akquisition beläuft sich auf rund 5,3 Milliarden Euro. Die Allfunds-Aktionäre sollen 8,80 Euro je Aktie erhalten, bestehend aus 6 Euro in bar, 2,60 Euro in Aktien der Deutschen Börse sowie einer möglichen Bardividende von 0,20 Euro.

Die Deutsche Börse will mit der Bündelung der internationalen Präsenz von Allfunds, den eigenen Vertriebsstrukturen sowie den Abwicklungs- und Verwahrungsdienstleistungen Synergien schaffen. Der Vollzug der Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen sowie der Zustimmung einer Mehrheit der Allfunds-Aktionäre. Die Transaktion wollen die Unternehmen voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2027 abschließen. Bei der Transaktion wurde Allfunds von der Kanzlei Freshfields beraten.

Henkel übernimmt ATP Adhesive Systems

Henkel schlägt in der Schweiz zu: Der deutsche Konzern übernimmt ATP Adhesive Systems, einen Anbieter von wasserbasierten Spezialtapes. Die Schweizer beliefern Kunden im Bereich Automobil, Elektronik und Bauwesen. ATP Adhesive Systems beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erwartet 2025 einen Umsatz von rund 270 Millionen Euro.

Mit dem Deal baut Henkel das Portfolio an Klebstofflösungen aus. Zudem soll die Akquisition die Nachhaltigkeitsziele von Henkel unterstützen, da ATPs Produkte zu über 90 Prozent auf Wassertechnologien basieren.

Darüber hinaus befindet sich der deutsche Konzern derzeit in Gesprächen mit der französischen Beteiligungsgesellschaft Wendel zur Übernahme von Stahl Holdings. Das Unternehmen ist in den Niederlanden ansässig und stellt chemische Produkte für die Beschichtung und Oberflächenbehandlung her. Laut einem Bericht von Bloomberg aus dem Jahr 2024 könnte das Unternehmen mit bis zu 2 Milliarden Euro bewertet werden.

Egym fusioniert mit US-Unternehmen Playlist

Der deutsche Anbieter von digital vernetzten Fitnessgeräten sowie betrieblichem Gesundheitsmanagement, Egym, fusioniert mit dem US-amerikanischen Tech-Unternehmen Playlist. Playlist, die neu gegründete Muttergesellschaft von Mindbody, Booker und Classpass, bietet Technologie in der Wellness-Branche an. In die Allianz fließt zusätzlich ein Equity-Investment in Höhe von 785 Millionen US-Dollar. Die neue Finanzierungsrunde wird von Affinity Partners angeführt, mit Beteiligung eines Konsortiums bestehender Investoren, darunter Vista Equity Partners, Temasek und L Catterton. Das fusionierte Unternehmen wird mit 7,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Egym wird dabei als Tochtergesellschaft in das neue Unternehmen integriert.

Die Fusion ermöglicht es Playlist und Egym, die geografische Präsenz und die Produktangebote zu erweitern. Playlist plant, seine Präsenz in Europa durch Egym zu stärken, während Egym seine Angebote in Nordamerika und Asien ausbauen will. Die neuen Finanzmittel sollen zudem Investitionen in Künstliche Intelligenz erhöhen, um Fitnessstudios und Wellness-Anbieter effizienter zu machen und die Mitgliederbindung zu stärken. Ziel sei es, eine integrierte Wellness-Technologieplattform zu schaffen, die präventive Gesundheitsvorsorge fördert. Die Anwaltskanzlei Latham & Watkins hat die beiden Unternehmen bei der Fusion beraten.

Weitere M&A-Deals

Das Bauunternehmen Depenbrock übernimmt Hermanns. Wie Depenbrock ist Hermanns im Baugewerbe tätig und familiengeführt. Hintergrund der Übernahme ist eine strukturierte Nachfolgeregelung. Zudem sieht Depenbrock in der Akquisition die Möglichkeit, das bestehende Portfolio um Kompetenzen im Tief- und Schlüsselfertigbau zu erweitern.

Die Steuerberatung WTS will ihre globale Reichweite ausbauen. Zur Stärkung der Aktivitäten in Osteuropa beteiligt sich das Unternehmen deshalb an der polnischen Steuerberatungsgesellschaft WTS & Saja. Die Transaktion zahlt auf das gemeinsame Ziel von WTS und der schwedischen Investmentgesellschaft EQT ein. Diese hatten 2025 eine Partnerschaft geschlossen, um einen europäischen Steuerberatungs-Champion zu erschaffen.

German Underwriting, Teil von MRH Trowe, übernimmt alle Anteile des Versicherers Travelprotect, einem Assekuradeur mit Fokus auf Online-Reiseversicherungen. Diese Akquisition stärkt MRH Trowes Position im Bereich touristischer Versicherungslösungen. German Underwriting erwirbt Anteile des Gründers Jan Röhrle und der Geschäftsführerin Pia Röhrle sowie von dem Versicherungskonzern Die Bayerische. Pia Röhrle leitet das Unternehmen weiterhin als Geschäftsführerin.

Die laut eigenen Angaben letzte inhabergeführte Amazon-Agentur, Mindgruve, ist künftig nicht mehr eigenständig. Das Medien-, Handels- und Datentechnologieunternehmen Ameo übernimmt die in Hamburg ansässige Retail-Commerce‑Agentur mit Schwerpunkt auf Marketing und Analytics. Ziel der Allianz ist der Aufbau einer europäischen Struktur, die Marken länderübergreifende Aktivitäten ermöglicht.

M&A-Berater-News

Verstärkung im Industrie-Team von Stifel: Die Investmentbank hat Martina Ecker zum Jahresanfang zur Managing Director für den Bereich Diversified Industries ernannt. Die erfahrene Investmentbankerin ist auf die Beratung von Unternehmen und Private-Equity-Gesellschaften im Segment Industrietechnologie spezialisiert.

Zu Eckers Verantwortungsbereich bei Stifel zählt die Beratung bei Transaktionen im Bereich der europäischen Energiewende. Sie verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Investmentbanking und hatte im Laufe ihrer Karriere mehrere Managing-Director-Positionen inne – zuletzt in der Dach-Region der Citi-Bank.

M&A-Gerüchteküche

Qiagen erwägt laut Bloomberg strategische Optionen, einschließlich eines möglichen Verkaufs, was die Aktie um über 12 Prozent steigen ließ. Qiagen ist an der Börse rund 8,5 Milliarden Euro wert, trotz eines Kursverlusts von 18 Prozent im vergangenen Jahr. Der Diagnostikspezialist hat dem Bericht zufolge bereits Gespräche mit potentiellen Käufern, darunter US-Investoren, geführt.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.