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M&A-Deals: Deutz, Meggle, Nemetschek

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Mit der Übernahme von Sobek steigt Deutz in das Verteidigungsbusiness ein. Foto: DEUTZ AG
Mit der Übernahme von Sobek steigt Deutz in das Verteidigungsbusiness ein. Foto: DEUTZ AG

Deutz expandiert in den Verteidigungssektor

Deutz steigt mit der Übernahme der Sobek Group direkt in den Verteidigungsmarkt ein. Die Sobek Group stellt Hochleistungspumpen und Antriebssysteme her, für die die Kölner großes Potential bei Drohnen sehen. Aktuell kommen die Systeme unter anderem in der Formel 1 und Formel E zum Einsatz. 

„Durch Sobek bekommen wir direkten Zugang zum stark wachsenden Verteidigungsmarkt und schaffen die Grundlage, diesen auch über den Einsatz klassischer Antriebe hinaus strategisch zu erschließen“, erklärte Deutz-CEO Sebastian Schulte den Deal. Deutz erhofft sich von der Übernahme, den nächsten Schritt vom Komponentenhersteller hin zum Systemanbieter machen zu können und neue Potentiale im Aerospace- und Defense-Sektor zu erschließen.

Die Finanzierung der Transaktion ist durch Kreditlinien gesichert. Darüber hinaus plant Deutz eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme. Sobek erwartet im Jahr 2025 einen Umsatz im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bei einer signifikant zweistelligen Ebit-Marge.

Meggle kauft Käsekompetenz ein

Meggle will weiter im Käsemarkt wachsen und übernimmt das Molkerei-Unternehmen Rücker. Das Familienunternehmen mit Standorten in Aurich und Wismar ist auf Käseprodukte spezialisiert. Zuletzt erzielte Rücker einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro und beschäftigte etwa 615 Mitarbeiter. Durch den Zukauf sollen Kompetenzen gebündelt und der Grundstein für weiteres Wachstum gelegt werden.

Der Deal ist für Meggle nicht der erste in diesem Produktsegment: 2022 hatte das Unternehmen bereits die Käserei Stegmann gekauft. Mit dem neuerlichen Erwerb wächst das Molkereiunternehmen aus Wasserburg am Inn im Käsesegment deutlich. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete Meggle einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. 

Nemetschek kauft weiter zu

Das Software-Unternehmen Nemetschek kauft sich KI-Kompetenz im Bereich Software-Lösungen für die Baubranche ein. Das Unternehmen Firmus AI soll Teil der Tochtergesellschaft Bluebeam werden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Firmus AI soll im Jahr 2026 einen wiederkehrenden jährlichen Umsatz im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich erzielen.

Die Integration der Firmus-Technologie in Bluebeams Workflows soll die Effizienz und Präzision in der Bauwirtschaft steigern, heißt es von Nemetschek. Firmus nutzt Künstliche Intelligenz, um 2D-PDF-Pläne zu analysieren und Risiken frühzeitig zu erkennen, um Bauprozesse zu optimieren. Der Zukauf soll also Nemetscheks eigene KI-Kompetenz ausbauen.

Weitere M&A-Deals

Der Übernahmekampf um ProSiebenSat.1 Media ist entschieden: MFE hat eine beherrschende Mehrheitsbeteiligung an der bayerischen Sendergruppe erreicht. Die Berlusconi-Holding hat einen Anteil von über 75,6 Prozent an dem TV-Konzern erreicht. Das teilte der italienische Medienkonzern am Donnerstag mit.

Heidelberger Druckmaschinen übernimmt den operativen Service für die Kundeninstallationen der Schubert Gruppe in Brasilien. Schubert ist spezialisiert auf Verpackungsanlagen für die Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie und profitiert von Heideldrucks Servicenetzwerk. Die Vereinbarung umfasst Produktionsbegleitung, Leistungsoptimierung, technische Beratung und Wartungsarbeiten. Heidelberger Druckmaschinen sieht die Übernahme von Serviceaufgaben für die Schubert Gruppe als ersten Schritt zur Erweiterung ihres Angebots.

Das Unternehmen erhofft sich, seine Dienstleistungen auf weitere Branchen und Regionen auszuweiten, um Synergien zu nutzen und wiederkehrende Umsätze zu generieren. Seine Marktposition will der Druckmaschinenhersteller durch strategische Partnerschaften und die Nutzung seines Servicenetzwerks weiter stärken. Zielkunden sind internationale Maschinenbauunternehmen ohne eigene Serviceorganisation in allen Märkten.

Georg Fischer veräußert sein Automobilgeschäft GF Casting Solutions für 336 Millionen US-Dollar an das mexikanische Unternehmen Nemak. Der Abschluss der Transaktion steht in der zweiten Jahreshälfte 2025 an, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Das Geschäft umfasst neun Produktionsstandorte in Europa, China und den USA und betrifft rund 2.500 Mitarbeiter. Die Veräußerung ist Teil der strategischen Neuausrichtung des Industriekonzerns. White & Case und Niederer Kraft Frey berieten bei diesem Deal.

Der Distressed-Investor Aequita mit Hauptsitz in München hat das europäische Nadellagergeschäft der Jtekt-Gruppe übernommen. Das Unternehmen bedient Kunden aus den Bereichen Automobil, Industrie sowie Luft- und Raumfahrt und Verteidigung. Die ehemalige Sparte der Jtekt-Gruppe beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter in Deutschland, Frankreich und der Tschechischen Republik und erzielt einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. Mit der Akquisition erweitert Aequita das eigene Automobilportfolio. Jtekt entschied sich nach einer strategischen Überprüfung, das Geschäft zu veräußern, um sich auf Kernmärkte zu konzentrieren. 

Das Familienunternehmen Siloco aus Hamburg hat Novocont Systembau und Novorent übernommen. Die Unternehmen mit Sitz in Rheinland-Pfalz sind auf Systembauten spezialisiert und bieten europaweit modulare Baulösungen an. Mit der Akquisition stärkt Siloco seine Position als Komplettanbieter in der Baubranche und erweitert seine Planungskompetenz. Bird & Bird beriet Siloco bei diesem Deal.

Morgan Stanley hat den Anteil an der Commerzbank auf 5,19 Prozent ausgebaut und damit fast verdoppelt. Zuvor hielt die US-Bank 2,89 Prozent der Anteile an Stimmrechten und Finanzderivaten. Mit Abstand der größte Aktionär ist weiterhin Unicredit mit einem Anteil von 26 Prozent. Der Bund hält 12 Prozent an den Frankfurtern.

M&A-Berater-News

McDermott Will & Schulte erweitert seine Transaktionspraxis in Frankfurt mit Johannes Eckhardt. Er wechselte zum 1. September vom Pharma- und Chemiekonzern Merck zu der Kanzlei. Eckhardt bringt Erfahrung in grenzüberschreitenden M&A- und Private-Equity-Transaktionen mit, insbesondere in den Bereichen Life Science, Healthcare und Technologie. Bei Merck war er unter anderem für die Übernahme von Mirus Bio und den Verkauf von Calypso Biotech an Novartis zuständig.

Jan Häller wird neuer Partner bei der Wirtschaftskanzlei Milbank. Häller, zuvor bei Hengeler Mueller, berät bei nationalen und internationalen M&A-Transaktionen und Joint Ventures. Zu seinen bisherigen Projekten zählen unter anderem der Verkauf des Viessmann-Wärmepumpengeschäfts an Carrier und die Beratung der Deutschen Bahn beim Verkauf von DB Schenker an DSV.

Dr. Bartels M&A Consulting verstärkt das Team mit Peter Bartels als Senior Advisor. Der ehemalige PwC-Vorstand bringt Erfahrung im M&A-Bereich und im familiengeführten Mittelstand mit. Bei dem Big-Four-Unternehmen verantwortete er die Aktivitäten für eigentümergeführte Unternehmen und leitete zuletzt die internationale Ausrichtung für Private Business Clients. Mit seinem Wechsel zu BMA fokussiert er sich auf M&A-Prozesse im gehobenen Mittelstand.

MP Corporate Finance stärkt den Gesellschafterkreis mit Vincent Rühl als Director sowie mit Clemens Stadler und Erwin Wiencke als Senior Vice Presidents. Rühl kehrt nach Stationen bei Roland Berger und JP Morgan zurück und bringt über acht Jahre Erfahrung in Corporate Finance und M&A mit, insbesondere für die Metallindustrie. Stadler, mit über sieben Jahren Erfahrung, fokussiert sich auf den Packaging-Sektor. Wiencke ergänzt das Team für Electronics, Tech & IoT mit über zehn Jahren Erfahrung.

Karin Heydari steigt bei der Wirtschaftskanzlei BCLP ein und erweitert deren M&A-Beratung in Frankfurt. Heydari berät nationale und internationale Mandanten bei grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen, Joint Ventures und Restrukturierungen. Zuvor war sie bei der Wirtschaftskanzlei Simmon & Simmons tätig.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.