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M&A-Deals: Holcim, Knorr-Bremse, Merck

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Holcim lässt sich die Expertise von Xella rund 1,85 Milliarden Euro kosten. Foto:  OleksKao - stock.adobe.com
Holcim lässt sich die Expertise von Xella rund 1,85 Milliarden Euro kosten. Foto:  OleksKao - stock.adobe.com

Holcim stemmt Milliarden-Deal

Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim übernimmt Xella. Die Duisburger sind Anbieter für nachhaltige Wandsysteme und in 21 europäischen Märkten aktiv. Für die Expertise in diesem Bereich legen die Schweizer rund 1,85 Milliarden Euro auf den Tisch, was einem Pro-forma-Ebitda-Multiple von 8,9 für 2026 entspricht. Üblicherweise rangieren die Ebitda-Multiples für die Branche von 4,4x bis 5,7x.

Durch die Übernahme erhofft sich Holcim, die Position im nachhaltigen Bauen zu stärken. Berater von Holcim war die Kanzlei Linklaters.

Knorr-Bremse baut Road-Services aus

Knorr-Bremse kauft in den Niederlanden zu. Der Anbieter von Bremssystemen übernimmt Travis Road Services International, einen Anbieter einer Online-Buchungsplattform für Road-Services im Nutzfahrzeugbetrieb, die Dienstleistungen wie Parken, Reinigen, Laden und Reparieren anbietet. Einen genauen Kaufpreis kommunizieren die Unternehmen nicht, nennen jedoch mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag eine ungefähre Preisspanne.

Mit der Akquisition von Travis investiert Knorr-Bremse in den wachsenden Markt für digitale Servicedienstleistungen. Ziel ist es, die Effizienz der Reparatur- und Wartungsprozesse für Nutzfahrzeuge zu steigern und das Marktpotential digitaler Services auszubauen. Travis ergänzt das bestehende Ökosystem von Knorr-Bremse und bietet eine Plattform mit über 2.500 Servicepartnern in 26 europäischen Ländern.

Merck stärkt das Chromatographie-Geschäft

Merck übernimmt das Chromatographie-Geschäft von JSR Life Sciences. Diese Technologien sind entscheidend für die effiziente und skalierbare Herstellung von biopharmazeutischen Therapien, einschließlich monoklonaler Antikörper. Mit der Akquise planen die Darmstädter nun, ihre Position im Bioprocessing-Markt weiter zu stärken.

JSR Life Sciences hat ihren Hauptsitz in den USA. Das Chromatographie-Geschäft ist jedoch in Belgien ansässig. Von dort aus beliefert das Unternehmen weltweit Pharma- und Biopharma-Hersteller mit seinen Lösungen. Die Produkte von JSR Life Sciences werden unter anderem bei der Behandlung von Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Infektionskrankheiten eingesetzt. Freshfields agiert als Berater für Merck bei der Transaktion.

Weitere M&A-Deals

Das Münchener Unternehmen Quantum Systems übernimmt die Software-Firma Spleenlab. Das Drohnenunternehmen aus München holt sich durch den Zukauf Expertise im Bereich Künstliche Intelligenz ins Haus. Diese Akquisition zielt darauf ab, die Bereitstellung sicherer, autonomer Missionssysteme in Luft, Land und See zu stärken. Spleenlab wurde 2016 gegründet und beliefert aus den zwei Thüringer Standorten Kunden wie Airbus oder Rheinmetall im Bereich KI. Quantum Systems plant, das Spleenlab-Team in sein KI-Kompetenzzentrum zu integrieren und die Mitarbeiterzahl im Software- und KI-Bereich zu verdreifachen.

Fortec Elektronik stärkt die Präsenz in den Benelux-Staaten durch die Übernahme der restlichen Anteile an Advantec Electronics. Der Distributor von Netzteilen, DC/DC-Convertern, LED-Versorgungen und Transformatoren hielt bereits eine Beteiligung in Höhe von rund 36,7 Prozent an Advantec Electronics. Mit der Übernahme des niederländischen Herstellers für Monitore für maritime, militärische und industrielle Anwendungen entsteht künftig eine neue regionale Einheit, die unter Fortec Benelux zusammengeführt wird.

Der Versicherungsmakler German Underwriting beteiligt sich an Pantheon Underwriters. Pantheon Underwriters bietet Versicherungen für M&A-Transaktionen an. Der Assekuradeur der MRH Trowe-Gruppe eröffnet sich mit der Partnerschaft neue Vertriebswege außerhalb des bisherigen Marktes für Transaktionsversicherungen.

Smart Reporting übernimmt Fluency for Imaging. Smart Reporting, 2014 von Radiologen gegründet, ist eine führende Software-Lösung für KI-gestützte Befundung. Gemeinsam mit Fluency for Imaging treten sie künftig als JacobianTM auf, um die Entwicklung in der diagnostischen Bildgebung zu beschleunigen. Von der Übernahme erhofft sich das Portfoliounternehmen des Investors TVM Capital Life Sciences bewährte Workflows und KI-Technologien in einer integrierten Lösung zu vereinen.

Blick in den M&A-Markt

Laut dem aktuellen Dealcircle M&A-Pulse, einer Umfrage unter über 1.000 M&A-Professionals, zeigt der deutsche M&A-Markt im zweiten Halbjahr 2025 erste Stabilisierungstendenzen. 70 Prozent der Befragten erwarten gleichbleibende Bewertungsmultiplikatoren, während nur 9 Prozent mit steigenden Preisen rechnen.

Die größten Herausforderungen liegen in überhöhten Verkäufererwartungen (21 Prozent der Deals scheitern daran) und restriktiven Finanzierungsbedingungen. Ein strukturelles Problem belastet den Markt zusätzlich: Rund 500 deutsche Portfoliounternehmen von Private-Equity-Gesellschaften stecken im Exit-Stau und binden Kapital, was Neuakquisitionen bremst. Strategische Käufer aus Deutschland dominieren mit 76 Prozent das Deal-Geschehen, danach folgen deutsche Finanzinvestoren mit 55 Prozent.

Das Nachfolge-Paradox prägt den Markt: Obwohl jährlich 200.000 deutsche Unternehmen vor einer Übergabe stehen, halten sich gerade die Inhaber profitabler Firmen zurück und warten auf bessere Bewertungen. Der Branchenfokus verschiebt sich zu resilienten Sektoren wie Tech, Healthcare und Business Services, während zyklische Industrien an Bedeutung verlieren. 2025 gilt als Jahr der Vorbereitung, laut Dealcircle-Umfrage. Wer jetzt professionelle Prozesse etabliert und Transparenz schafft, könnte bei der erwarteten Erholung 2026 zu den Gewinnern gehören.

M&A-Berater-News

Philipp Noack verstärkt seit Oktober den Partnerkreis von IMAP M&A Consultants. Er bringt umfassende Erfahrung in den Bereichen Building Products & Services sowie Business Services mit, insbesondere im Infrastrukturumfeld. Zu seinen größten Projekten zählt unter anderem der Verkauf der Köberl Group an die ungarische B+N Referencia Zrt.

Die Beratung Pava Partners stellt Markus Wiegmann als neuen Senior Advisor vor. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Medizintechnikbranche, darunter mehr als 20 Jahre bei Stryker, bringt er Kenntnisse in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Finanzen und IT mit. In seiner letzten Rolle als Vice President und Managing Director verantwortete er das Geschäft in der DACH-Region und Polen.

Interpath, ein globales Beratungsunternehmen, erweitert seine M&A-Beratung in München mit Tobias Huesmann als Managing Director. Huesmann, zuvor bei PwC Deutschland tätig, bringt Erfahrung in operativem M&A, Carve-outs und Integrationen mit. Diese Ernennung folgt der Verpflichtung von Nils Kuhlwein für die Restrukturierungspraxis und ist Teil einer Expansionsstrategie in der DACH-Region. Neben Huesmann wurden drei weitere Managing Directors in London und Dublin eingestellt.

M&A-Gerüchteküche

Telefónica Deutschland und 1&1 könnten künftig wieder enger zusammenarbeiten. Nach der angekündigten Ablösung von Deutschlandchef Markus Haas, erwägt die Führung des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica, zum einstigen Partner und 1&1-Mutterkonzern United Internetzurückzukehren, wie das Handelsblatt berichtete. Langfristig soll sogar eine Übernahme von 1&1 durch Telefónica im Raum stehen. Die Gespräche über einen Deal befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium.

Hintergrund für die Übernahmeüberlegungen sollen Probleme von 1&1 beim Aufbau des eigenen 5G-Mobilfunknetzes sowie die geringe Netzauslastung von Telefónica sein. Zudem seien die Spanier der Auffassung, dass es ohne 1&1 keinen Sinn ergeben würde, gegen die Hauptkonkurrenten Telekom und Vodafone im deutschen Markt anzutreten, so das Handelsblatt mit Verweis auf Insider.

Amazon überlegt wohl, bei Flink einzusteigen. Die Berliner zeigen nach einer umfassenden Restrukturierung, bei der zwei Drittel der Belegschaft entlassen wurden, verbesserte Geschäftszahlen und sollen nun mit potentiellen Investoren über eine Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Euro verhandeln, wie das Handelsblatt berichtet. Zu den Interessenten zählen neben Amazon auch Prosus und bestehende Investoren. Amazon könnte durch eine Investition in Flink sein Angebot für Prime-Kunden erweitern und die Logistikkosten senken.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.