M&A-Deals: Infineon, MHP, Neura Robotics

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Mit dem Zukauf von C2i Semiconductors will der Konzern Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren aus einer Hand anbieten. Foto: MichaelVi - stock.adobe.com
Mit dem Zukauf von C2i Semiconductors will der Konzern Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren aus einer Hand anbieten. Foto: MichaelVi - stock.adobe.com

Infineon C2i Semiconductors aus Indien

Infineon schnappt sich einen KI-Spezialisten aus Indien: Der Münchener Halbleiterkonzern plant die Übernahme von C2i Semiconductors. Das Unternehmen mit Sitz in Bangalore ist auf softwaredefinierte Mehrphasen-Controller und Smart Power Stages für KI-Rechenzentren spezialisiert. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant.

Mit dem Zukauf baut Infineon seine Position im Bereich Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren aus. Die Technologie von C2i Semiconductors ergänzt laut eigenen Aussagen Infineons Portfolio an Leistungshalbleitern. Synergien erwartet Infineon vor allem in der Kombination von C2is digitaler Energiemanagement-Expertise mit dem eigenen Portfolio an Silizium-, Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Technologien.

Gleichzeitig stärkt der Deal Indien als Entwicklungsstandort. Infineon beschäftigt dort derzeit rund 2.800 Mitarbeitende und baut mit dem Zukauf seine globalen F&E-Kapazitäten weiter aus.

Porsche verkauft MHP an indische Consulting-Firma

Porsche macht Ernst mit dem Portfolioumbau: Der indische IT-Konzern Tata Consultancy Services (TCS) erwirbt die Managementberatung MHP über seine niederländische Tochtergesellschaft. Der Kaufpreis beläuft sich auf 320 Millionen Euro. Noch im Januar 2024 hatte Porsche die verbliebenen MHP-Anteile vollständig übernommen, die Beteiligung aber kurz darauf auf den Prüfstand gestellt.

Der Verkauf ist Teil der Strategie „Sportwagenschmiede 35“, mit der sich Porsche stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren will. Für TCS eröffnet der Zukauf Zugang zu rund 300 Kunden aus Automotive, Strategie und IT sowie einem Netzwerk von rund 4.500 Beratern an Standorten in Deutschland, Rumänien, Großbritannien, den USA, China, Indien und Mexiko. TCS will MHP als eigenständige Marke und Beratungshaus erhalten.

MHP erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 742 Millionen Euro, nach rund 830 Millionen in den beiden Vorjahren. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer und kartellrechtlicher Genehmigungen, der Abschluss wird in den kommenden Monaten erwartet. Die Kanzlei Noerr beriet TCS bei dem Deal, Linklaters agierte aufseiten von Porsche.

Neura Robotics greift nach Reinigungsroboter-Anbieter Adlatus

Neura Robotics übernimmt Adlatus Robotics aus Ulm. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt autonome Reinigungs- und Kehrsaugroboter für Industrie, Logistik und Gesundheitswesen sowie gewerbliche und öffentliche Flächen. Adlatus verfügt nach eigener Aussage über Hunderte installierte Systeme und eine eigene Navigationssoftware. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Eine Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen bestand bereits seit September 2025.

Für Neura Robotics ist der Zukauf ein weiterer Schritt, verschiedene Roboter-Anwendungen auf einer gemeinsamen KI-Infrastruktur zusammenzuführen. Adlatus soll künftig mit zusätzlicher Sensorik und KI-Fähigkeiten ausgestattet und schrittweise an das Neura-Ökosystem angebunden werden. Das Unternehmen dient dabei zugleich als Anwendungsplattform für die Weiterentwicklung der KI-Technologie unter realen Einsatzbedingungen.

Neura Robotics ist mit Hauptsitz in Hamburg und weiteren Standorten in Reutlingen, Mailand, Prag und Buckingham europaweit präsent und beschäftigt über 300 Mitarbeitende. Zuletzt hatte das Unternehmen Active Shuttle von Bosch Rexroth in sein Portfolio aufgenommen.

Weitere M&A-Deals

Die Doblinger Unternehmensgruppe hat über ihre Tochter Bayerische Gewerbebau eine Mehrheitsbeteiligung an Ludwig Beck erworben und anschließend ein Pflicht- und Delisting-Angebot zum Preis von 23,16 Euro je Aktie unterbreitet. Die Annahmefrist endete am 18. August, die Aktien wurden daraufhin von der Frankfurter und Münchener Börse genommen. Für den Immobilienkonzern dürften neben dem Kaufhaus am Münchener Marienplatz vor allem die Immobilienwerte in München und Hannover von Interesse sein. Dentons beriet Doblinger bei der Transaktion.

Overdrive Europe übernimmt Divibib, den Betreiber des digitalen Ausleihdienstes Onleihe, von EKZ-Bibliotheksservice. Mit dem Zukauf führt Overdrive die digitalen Kataloge beider Plattformen für öffentliche Bibliotheken im DACH-Raum zusammen. Onleihe soll schrittweise auf die Overdrive-Plattform Libby umgestellt werden. Die Kanzlei SKW Schwarz beriet Overdrive Europe bei der Transaktion.

Eco Stor veräußert seine Tochter Eco Power One im Rahmen eines Bieterverfahrens an den Schweizer Energieversorger Alpiq. Die Gesellschaft betreibt in Bollingstedt, Schleswig-Holstein, nach eigenen Angaben den derzeit größten Batteriespeicher Deutschlands mit einer Leistung von 100 MW. Für Alpiq ist der Zukauf ein weiterer Schritt beim Ausbau des Speicherportfolios in Deutschland. CMS beriet Eco Stor bei der Transaktion.

M&A-Berater-News

Alex Bleck wechselt zum 1. Oktober als Head of EMEA Automotive Coverage zu JP Morgan. Der M&A-Experte kommt von Nomura, wo er zuletzt als Managing Director das Investmentbanking in Deutschland und Österreich leitete und sich auf Automobil- und Industrietransaktionen spezialisierte. Seine Nachfolge steht bereits fest: Michiel Post übernimmt bei Nomura künftig die Zuständigkeit für Deutschland, Österreich und die Benelux-Länder als Head of Investment Banking Northern Europe. Post ist seit 2014 für Nomura tätig, zuletzt als Head of Investment Banking Benelux mit Sitz in Amsterdam.

Deals in Verhandlung

Siemens Energy plant, seine Industriesparte „Transformation of Industry“ (ToI) abzugeben. Es könnten sich externe Investoren an der Sparte beteiligen, aber auch eine Kapitalmarkttransaktion sei möglich. Siemens Energy will eine Minderheitsbeteiligung behalten, die Einheit aber entkonsolidieren. Goldman Sachs soll laut dem „Handelsblatt“ mit der Käufersuche beauftragt sein. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet zudem, dass mehrere Private-Equity-Gesellschaften eine Übernahme prüfen sollen, darunter CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR. RBC-Analyst Colin Moody schätzt, dass ein Unternehmenswert jenseits von 10 Milliarden Euro „ein gutes Ergebnis“ wäre.

Uber treibt die Übernahme von Delivery Hero weiter voran. Nach der Genehmigung durch die Bafin hat der US-Konzern am 27. August die Angebotsunterlage für sein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot veröffentlicht. Der Angebotspreis beträgt 41,50 Euro je Aktie, was einem Aufschlag von rund 108 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs vom 8. Mai 2026 entspricht. Die Annahmefrist läuft bis zum 5. November 2026. Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero wollen das Angebot einer gemeinsamen Stellungnahme zufolge unterstützen.

M&A-Gerüchteküche

Rewe soll offenbar eine Minderheitsbeteiligung von rund 25 Prozent am Tiroler Lebensmittelhändler M-Preis erwägen. Wie die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet, sollen entsprechende Verhandlungen laufen, ein Abschluss sei jedoch noch nicht vereinbart. Für Rewe wäre der Einstieg strategisch naheliegend: In Tirol rangiert der Kölner Handelskonzern im Vollsortiment hinter M-Preis und Marktführer Spar nur auf Platz drei. Eine Bedingung für den Deal sei laut „Lebensmittel Zeitung“, dass sich der Einfluss der Eigentümerfamilie Mölk auf das operative Geschäft begrenze. Dem Bericht zufolge spekulierten Wettbewerber zudem über eine mögliche Aufteilung der rund 270 M-Preis-Filialen auf mehrere Händler.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.