Knaufs Rückzug aus Russland gescheitert
Der geplante Verkauf des Russlandgeschäfts der Knauf-Gruppe ist vorerst geplatzt. Der Verhandlungspartner hat die Gespräche abgebrochen, wie der Baustoffhersteller mitteilte. Trotz dessen hält das Unternehmen weiter an den Plänen fest, sich aus Russland zurückzuziehen. Das Unternehmen prüfe deshalb weiter mögliche Optionen, um den Verkauf der Russlandsparte im Einklang mit den geltenden Sanktionen umzusetzen.
Bis der Rückzug gelingt, will das Unternehmen die Geschäfte in Russland sanktionskonform und organisatorisch getrennt von den anderen Geschäften der Knauf-Gruppe, geführt vom lokalen Management, weiterführen. Zudem heißt es weiter, dass keine Gewinne aus dem Russlandgeschäft zurück zum Hauptkonzern fließen.
Knauf war in der Vergangenheit wegen des Engagements in Russland in die Kritik geraten. So offenbarte eine Recherche des ARD-Politikmagazins Monitor, dass Baustoffe des Familienunternehmens auf einer Baustelle des russischen Verteidigungsministeriums in der besetzten ukrainischen Stadt Mariupol zum Einsatz gekommen sind. Das Unternehmen distanzierte sich damals, wie heute, von den Vorwürfen mit dem Hinweis, dass man seit Jahren keine Waren mehr aus Russland in die EU exportiert beziehungsweise von dort nach Russland importiert.
Freenet expandiert
Freenet übernimmt Mobilezone Deutschland. Mit der Übernahme des Mobilfunkkonzerns, zu dem Marken wie Sparhandy und Simyo gehören, festigt Freenet seine Position im deutschen Markt weiter. Mobilezone beschäftigt rund 300 Mitarbeitende und erzielt rund eine Million Vertragsabschlüsse jährlich. 2024 erwirtschaftete Mobilezone Deutschland einen Umsatz von 779 Millionen Euro und ein Ebitda von 30,3 Millionen Euro.
Der Verkäufer, Mobilezone Holding, will sich nach dem Verkauf nun mehr auf den heimischen Schweizer Markt konzentrieren. Dort erzielte das Unternehmen 2024 einen Umsatz von 276 Millionen Schweizer Franken (rund 295 Millionen Euro) und ein Ebitda von 37,6 Millionen Schweizer Franken (rund 40 Millionen Euro).
Milliarden-Deal für ABB
Rolle rückwärts bei ABB: Der ursprünglich geplante Spin-off der Robotics-Division ist vom Tisch. Die Softbank Group akquiriert diese nun für 5,375 Milliarden US-Dollar (rund 4,6 Milliarden Euro). Als Grund für den Verkauf führt ABB an, dass die Synergien des Roboticgeschäfts mit den verbleibenden ABB-Geschäftseinheiten begrenzt seien. Im Jahr 2024 erzielte die Robotics-Division einen Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar und ein Ebitda von 313 Millionen Dollar.
Der japanische Konzern zahlt damit ein Ebitda-Multiple von mehr als 17x. Branchenüblich sind normalerweise Multiples von 5x bis 6x. Dass der Schweizer Elektrotechnikkonzern seine Meinung nun bezüglich eines Börsengangs geändert hat, dürfte also auch an dem hohen Preis liegen, den der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern auf den Tisch gelegt hat.
Weitere M&A-Deals
Die Deutsche Telekom baut ihre Position im Gesundheitswesen mit der Übernahme von Synedra weiter aus. Das Unternehmen aus Österreich hat sich auf das Management von medizinischen Daten spezialisiert und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter. Zudem betreibt das Unternehmen Tochterfirmen in Deutschland sowie der Schweiz und betreut mehr als 260 Kliniken.
Mit der Akquisition von Synedra verfolgt die Deutsche Telekom das Ziel, eine souveräne und interoperable Cloud-Plattform für den Gesundheitssektor in Europa zu etablieren. Diese soll die sichere Speicherung und Nutzung medizinischer Daten ermöglichen.
Die Übernahme von Techem ist abgeschlossen. Ein Konsortium um den bisherigen Investor Partners Group werde die nächste Wachstumsphase des Unternehmens begleiten, wie das Unternehmen aus Eschborn mitteilte. Das neue Eigentümerkonsortium, zu dem die Partners Group, GIC, TPG Rise Climate und Mubadala Investment Company gehören, wolle Techems Position als führenden, digitalen Anbieter von Energiedienstleistungen für die Immobilienwirtschaft in Europa weiter stärken. Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich üblicher Vollzugsbedingungen und behördlicher Genehmigungen für das zweite Halbjahr 2025 erwartet.
Das Familienunternehmen Fuchs übernimmt den langjährigen Vertriebspartner Aseol Suisse. Der globale Akteur im Schmierstoffbereich wird das Schweizer Unternehmen Ende 2025 in die Tochtergesellschaft Fuchs Swiss Lubricants integrieren, wie das Unternehmen mitteilte. Mit der Transaktion möchte die Fuchsgruppe die eigene Präsenz im Schweizer Markt weiter ausbauen.
Bechtle kauft in Italien ein. Das IT-Unternehmen erweiterte sein Portfolio durch die Übernahme von Nuovamacut Automazione, einem der führenden Partner des Softwareunternehmens Dassault Systèmes Solidworks. Das 1955 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Bologna und sieben weiteren Standorten in Italien erzielte zuletzt einen Umsatz von 63 Millionen Euro. Insgesamt betreut das Unternehmen rund 5.000 Kunden aus der Fertigungsindustrie.
Die Landis + Gyr Group verkauft die EMEA-Sparte an den Private-Equity-Investor Aurelius. Die Transaktion umfasst das gesamte Portfolio an Stromzählern für Haushalte und Industrie, Zählern für Gas, Wärme und Wasser sowie integrierte Softwarelösungen. Die fünf Produktionsstätten, an denen rund 2.700 Mitarbeiter beschäftigt sind, erwirtschafteten im Jahr 2024 rund 600 Millionen US-Dollar (rund 515 Millionen Euro). Linklaters agierte als Berater auf der Verkäuferseite bei diesem Deal.
Eucon ist künftig in britischer Hand. Der Softwareentwickler für den Automotive-Bereich ist von nun an Teil von Infopro Digital. Die Briten sind ebenfalls im Softwarebereich tätig und stärken mit der Akquisition ihre Position im Automobilsektor. Die Übernahme soll zudem das Wachstum von Eucon beschleunigen.
Die litauische Grigeo Group AB hat Huchtemeier Papier aus Dortmund übernommen, um ihre Marktposition in Zentraleuropa zu stärken. Huchtemeier, spezialisiert auf Hygienepapiere, bleibt jedoch als eigenständiger Geschäftsbereich bestehen. Die Übernahme umfasst 100 Prozent der Anteile, wobei der Name und das Management unverändert bleiben. Baker Tilly beriet die Litauer bei dieser Transaktion.
Die Günther Holding und das Management der all4cloud Group haben ihre Anteile an der all4cloud Group an die Evora IT Solutions Group verkauft. Die all4cloud Group, ein führender SAP-Cloud-ERP-Spezialist im DACH-Raum, wird künftig das Geschäftsfeld der Evora IT Solutions innerhalb der Allgeier-Gruppe stärken. Diese Akquisition erweitert die Cloud-ERP-Kompetenz der Allgeier Gruppe und unterstützt die digitale Transformation im Mittelstand. Clairfield International Deutschland beriet die Gesellschafter und das Management der all4cloud Group bei diesem Deal.
Blick in den M&A-Markt
Carve-outs könnten in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im angespannten M&A-Markt einnehmen. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal. Demnach lag das Carve-out-Volumen in Europa 2023 bei rund 150 Milliarden Euro. Damit liegt der Wert nur knapp unter dem Vorjahr, aber mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von 2021.
Dennoch machten im dritten Quartal dieses Jahres Carve-outs der Analyse nach 18,2 Prozent aller Private-Equity-Transaktionen in Europa aus. Trotz zurückgehender Volumina machen Carve-outs also weiterhin einen signifikanten Anteil der PE-Deals aus.
Als Gründe dafür, warum Carve-outs in Zukunft eine noch zentralere Rolle einnehmen könnten, macht Alvarez & Marsal drei Punkte aus. So können sich deutsche Unternehmen mit diversifizierten Portfolios durch Carve-outs auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, Kapital für Investitionen freisetzen und sich an ESG-Vorgaben anpassen, indem Unternehmensteile veräußert werden, die nicht mehr zur strategischen Ausrichtung passen.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
